Die Gedenkstätte Sachsenhausen - Ein Dreieck erstorbenen Hoffens

Als penibel gleichseitiges Dreieck liegt der innere Teil der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Sachsenhausen in der Gemarkung des Oberhavelkreises.
Gedenkstätte Sachsenhausen
Das eiserne Lagertor - Foto © -wn-
Mit einem aus politischem Wahn und Karrierismus gespeisten Vorbedacht hatte der 29jährige Architekt SS-Untersturmführer Bernhard Kuiper aus dem ostfriesischen Möhlenwarf, das Schutzhaftlager - eben jene dreieckigen fünf Prozent der Gesamtfläche - 1936 in diese Form gebracht.
Aus der Luft gesehen kommt dieser zur Landschaft geworden Ort der Barbarei zwischen Oranienburg und Lehnitzsee dem grünen Dreiecks-Winkel für "Kriminelle" nahe - bekanntlich einer von über 30 Kennzeichen, mit denen KZ-Häftlinge kategorisiert wurden. Kuiper, dessen Lebensspur sich 1945 in der 13. SS-Eisenbahn-Baubrigade bei Erfurt verliert, hielt seine Kreation des Bösen für "das schönste Konzentrationslager Deutschlands", nicht zuletzt deshalb, weil er die elektrisch geladenen Todeszäune mit Blumenrabatten ausschmückte.
In das eiserne Lagertor (Foto) ließ er den von den Nazis vielfach missbrauchten Titel eines 1872 erschienen Romans des deutschen Schriftstellers Lorenz Diefenbach einfügen - "ARBEIT MACHT FREI". Sachsenhausen sollte vorzeigbar sein. Als ein in Hauptstadtnähe liegendes Muster- und Schulungslager nahm das KZ eine Sonderstellung ein. Ab 1938 befand sich hier sogar die zentrale Verwaltung für alle Lager im deutschen Machtbereich.
Adresse:
Gedenkstätte Sachsenhausen
Straße der Nationen 22
16515 Oranienburg
Telefon: 03301/ 200 200

Öffnungszeiten der Gedenkstätte Sachsenhausen:


15. März - 14. Oktober täglich 8:30 Uhr - 18:00 Uhr
15. Oktober - 14. März täglich 8:30 Uhr - 16:30 Uhr
Montags sind die Museen, das Archiv und die Bibliothek geschlossen!

Eintrittspreise der Gedenkstätte Sachsenhausen:


Der Eintritt ist frei

Wissenswertes über die Gedenkstätte Sachsenhausen


Der Geometrie des Dreiecks ist es geschuldet, dass der Blick des Besuchers nach dem Eintreten heute auf den 40 Meter hohen Obelisk fällt. Beim Annähern ist bald die
Plastik "Befreiung" des Bildhauers Renè Graetz (1908-1974) erkenntlich, und auch die 72 roten Winkel bekommen Gestalt, die oben in die vier leicht konkaven Obeliskwände eingeprägt sind. Die Winkel-Symbole erinnern an die zahllosen ermordeten Hitlergegner; andere Winkel-Farben wie rotgelb für Juden, violett für die Bibelforscher genannten Zeugen Jehovas oder rosa für Homosexuelle werden allerdings vermieden. Die Versuche der Besucher, den Massenmord mit menschlichen Begriffen zu erfassen, wird von der Wahrnehmung gestört, dass der 1961 aufgerichtete Obelisk ein Denkmal selektiver Trauer ist und dem Betrachter eine fragwürdige Rangordnung unter den rund 100000 Ermordeten nahezubringen sucht.

Während die Häftlinge des KZs Börgermoor bei Papenburg im bekannten "Moorsoldatenlied" noch die hoffnungsvollen Zeilen singen "Doch für uns gibt es kein Klagen, / ewig kanns nicht Winter sein", bot Sachsenhausen für jeden Internierten kaum einen Grund für Lebenszuversicht. Das Sachsenhausen-Lied, das der ukrainische Häftling Michail Orlow (gest. 1943?) schriftlich weitergab, ist ein Dokument erstorbenen Hoffens. Viele kamen bei der Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie ums Leben. Mehr als 100 Außenlager und Außenkommandos waren ab 1942 in der Nähe von Rüstungsbetrieben eingerichtet, u.a. bei den Heinkel-Flugzeugwerken in Oranienburg und bei Berliner Industriebetrieben wie Siemens und AEG. Allein im Heinkel-Werk bauten bis zu 3700 Häftlinge aus der Sowjetunion, Polen und Frankreich den schweren Sturzkampfbomber He 177 zusammen, der - wie es in dem faschistischen Fliegersong heißt - "Bomben auf Engelland" werfen sollte, jedoch wegen konstruktiver Mängel als "Brennender Sarg" in die Luftfahrtgeschichte einging.

Für die Montage von Pilotensitzen war der überlebende und heute 85jährige Franzose Marcel Suillerot verantwortlich. Als Zwanzigjähriger war er 1943 aus dem mittelfranzösischen Sammellager Compiegne in das Heinkel-Außenlager gekommen. Bei seinem diesjährigen Besuch in Sachsenhausen wartete auf ihn eine Überraschung. Im Fundus des Museums hatte man ein Armband gefunden, das der Franzose vor 65 Jahren aus einem kurzen Lederriemen mit Dornschnalle anfertigte. In ein aufgenietetes Messingplättchen hatte er seine Häftlingsnummer 58337, Namen und Geburtsdatum geritzt, um nicht nur - wie im Lageralltag üblich - eine Nummer zu sein.

Im nordöstlich, außerhalb des Dreiecks gelegenen Sonderlager für alliierte Offiziere und Prominente waren unter anderem die Schauspieler Heinrich George und Erwin Geschonneck gefangen, ferner der Vorbeter der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Estrongo Nachama, der Verleger Peter Suhrkamp, Herschel Grynszpan, dessen Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris zum Vorwand für die antijüdischen Pogrome genommen wurde, sowie der Hitler-Attentäter und "Sonderhäftling des Führers" Johann Georg Ẹlser. Aus dem Mund des ebenfalls gefangenen evangelischen Theologen Martin Niemöller ist eine spätere selbstkritische, alle Nachgeborenen angehende Mahnung gegen das Übersehen und Vergessen überliefert. Mit dem Mut zu einer Ehrlichkeit zu sich selbst gestand Niemöller, dass er im Nazi-Staat der Verhaftung von Kommunisten, Gewerkschaftern, Sozialisten und Juden schweigend zugesehen habe - weil er nicht zu ihnen gehörte. Was sich schicksalhaft daraus ergab, benannte er so: "Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Text -wn- / Stand: 02.06.2014


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Anfahrt zur Gedenkstätte Sachsenhausen:


Bahn: Mit der Regionalbahn RE 12 ab Berlin-Lichtenberg oder mit der Regionalbahn RE 5 ab Berlin-Hauptbahnhof jeweils bis Bahnhof Oranienburg; ab dort mit Buslinie 804 Richtung Malz bis zur Gedenkstätte Auto: Berliner Ring (A10) bis Abfahrt Birkenwerder

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