Das Scheunenviertel in Kremmen

Adresse:
Scheunenviertel Kremmen e.V.
Scheunenweg
16766 Kremmen
Telefon 033 055/ 22 212
Zu den Öffnungszeiten der Kremmener Scheunen

Die Kremmener Scheunen: Kultur en bloc, wo sonst die Katzen jungten


Lange sucht man die Geschichte der Kriege nach Vergleichbarem ab: Angreifer pazifizieren sich selbst
Kremmener Scheunen ( Eingang )
Kultur in den Kremmener Scheunen - Foto © -wn-
und stellen überraschend das Angreifen ein. 1334 war das so bei Kremmen im heutigen Landkreis Oberhavel. Pommersche Eindringlinge versuchten das Städtlein und das südlich angrenzende Ländchen Glien einzunehmen, wenn es auch ihr Geheimnis blieb, warum sie die flachwellige kreisförmige Grundmoräne mit nur 15 km Durchmesser für so überaus einnehmenswert hielten. Die Crux: Von Norden her war ein Knüppeldamm durchs damals noch verbreitete Moor zu passieren. Heute geht die fünf km lange Straße nach Sommerfeld vorbei. Genau hier kam es zur abgebrochenen "Schlacht am Kremmener Damm". Das Kampffeld schmal, rechts und links das Luch, nur die Vorderleute konnten überhaupt zuhauen, hinten eher Gedränge statt Kampf. Nachdem sich die Pommerschen nun schon über
den Damm gekämpft hatten, ließen sie aus unbekanntem Grund Schwert und Knüppel sinken. "So zogen sie wieder dem Damme zu, / Heimwärts ohne Schimpf und Schade, / Zuletzt ging auch der Krieg zu Ruh - / Gott geb' uns seine Gnade", überliefert ein altes Gedicht. Die pommersche Kriegsunlust hielt 78 Jahre. 1412 standen sie wieder am Damm und wurden diesmal von den Brandenburgern ordentlich vermöbelt, woran ein Siegeskreuz heute an der Landstraße erinnert. Mit der zweiten Schlacht und dem Eintritt des siegreichen hohenzollerischen Burggrafen Friedrich auf der Brandenburger Seite in die mittelalterliche Geschichte begann auf dem engen Knüppeldamm die über 500jährige Hohenzollern-Herrschaft in Brandenburg, später in Preußen und Deutschland. Was im Moor vor Kremmen seinen Anfang nahm, endete am 28. November 1918 mit dem erzwungenen Thronverzicht Wilhelms II. (1859-1941) in Berlin.

Kremmen verschwand keineswegs in den Niederungen ländlichen Lebens. Die über 700 Jahre alte Stadt mit heute 7500 Einwohnern und der barock ausgestalteten Kirche St. Nikolai steuerte nicht nur frühe Schlachten zur brandenburgischen Geschichte bei. Dort wo gewöhnlich die vom Feld geholten Heufuder der Ackerbürger als Wintervorrat untergebracht waren, Strohballen für Stalleinstreu vorrätig gehalten wurden und wo die Katzen jungten - dort im Süden der Stadt am Scheunenweg liegt das gleichnamige Viertel bestehend aus 40 von ehemals 70 Gebäuden - Scheuern, in denen sich heute ein kulturelles Leben en bloc entfaltet, das ringsum seinesgleichen sucht. Man hält das Ensemble aus anspruchslosen und gestreckt angeordneten Speichern inzwischen für das größte in Deutschland erhalten gebliebene Scheunenviertel.

Dieser besondere Fall eines Outsourcings von Gebäuden geht auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Ein Erlass aus dem Jahre 1659 verbot den Kremmenern fürderhin jegliche Lagerung von brennbaren Futtervorräten und Saatgut in den bäuerlichen Stadtwirtschaften, nachdem diese bereits mehrfach Opfer von Brandkatastrophen geworden waren. Gleichzeitig verfügte die Obrigkeit, neue Scheunen nur noch außerhalb der Stadt zu errichten. So entstand das Scheunenviertel. Ideenreichtum, Mut und besonderer Unternehmungsgeist haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich in den nun sorgfältig rekonstruierten Lagerhäusern, die durch feste Straßen mit gewolltem Feldwegcharakter verbunden sind, Bildhauer, Grafiker, Maler, Goldschmiede, Antiquitätenhändler und Münzpräger füglich einrichteten. In der Agrar- und Museumsscheune präsentieren Künstler aus der Region Gemälde, Grafiken und Fotos; es gibt Konzerte und Lesungen. Im Untergeschoss sind Haushaltsgegenstände und Geräte der früheren Ackerbürger zu sehen. Dreschkästen, Tröge und Mühlen, Pflüge, Kannen, alte Möbel und irdenes Küchengeschirr verbreiten romantisches Flair, vermitteln auch einen Eindruck von harter Landarbeit. Wie eine Mehlsackklopfmaschine funktioniert - dort erfährt man es.

Die Theaterscheune heißt übrigens "Tiefste Provinz", was Ironie ist. Denn weltbürgerliches Denken herrscht vor. Im Lichte kolossaler Aufgeklärtheit verbreitete die Stadtverwaltung kürzlich eine Erklärung, in der es nicht um Müllabfuhr und Straßenreinigung, sondern um jene Atmosphäre unter Menschen geht, die vom Scheunenviertel in die Stadt hinüberstrahlt. Die "Kremmener Erklärung" misst einem "weltoffenen, menschenfreundlichen und solidarischen Leben in unserer Region" hohen Rang bei und bekundet: "Fremde sind uns willkommen, Gäste mögen die Vielfalt unserer Landschaft und Natur genießen. Mobbing und Diskriminierung nach Herkunft, Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, Religion, Behinderung oder sozialem Stand gelten als Verstoß gegen die Menschenwürde." Die ermutigende Erklärung wirkt umso eindrucksvoller, je mehr man sich vom Kremmener Stadtwappen nicht schrecken läßt. Seine amtliche Beschreibung lautet: "In Blau linksgewendet ein goldener Adler mit roten Fängen, der sich auf einer rotbewehrten silbernen Gans festkrallt und seinen Schnabel in ihren Hals schlägt." In der Heraldik geht's halt anders lang.

Öffnungszeiten der Kremmener Scheunen:


Geschenke-Scheune
Freitag - Sonntag 10:00 Uhr - 17:00 Uhr oder 18:00 Uhr

Scheune 29
Donnerstag - Sonntag 11:00 Uhr - 18:00 Uhr

Theaterscheune
Geöffnet zu den Veranstaltungen

Möbelscheune Bauer
Samstag und Sonntag 10:00 Uhr - 18:00 Uhr

Bikerscheune Um´s Luch
November bis Februar
Mittwoch bis Freitag 16:00 Uhr - 22:00 Uhr
Samstag und Sonntag 11:00 Uhr - 21:00 Uhr

März bis Oktober
Montag bis Freitag 14:00 Uhr - 22:00 Uhr
Samstag und Sonntag 10:00 Uhr - 22:00 Uhr
oder nach Vereinbarung

Museumscheune
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag
April - September 10:00 Uhr - 16:00 Uhr
Oktober bis März 12:00 Uhr - 16:00 Uhr

Coldehörn
Donnerstag - Montag ab 16:00 Uhr, Küche ab 18:00 Uhr
Sonntag 12:00 Uhr - 20:00 Uhr
Nach Absprache täglich ab 11:00 Uhr geöffnet

Musikantenscheune
Kann für Veranstaltungen gemietet werden

Süße Scheune
Mittwoch - Freitag 12:00 Uhr - 18:00 Uhr
Samstag und Sonntag 12:00 Uhr - 19:00 Uhr

Weitere Scheunen:
Stöberscheune, Bauernscheune, Kunst- & Antiquitätenscheune

Wie man nach Kremmen kommt:
Auf der Autobahn A10/A24 Richtung Hamburg bzw. Rostock fährt man an der Abfahrt Kremmen auf die B273 und ist nach etwa 7 km in Kremmen.

Text: -wn- / Stand: 03.06.2014




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