Mongolische Jurten im Löwenberger Land

Das Dach über dem Kopf ist ein Ort, an dem Kreativität und Fortschrittswille seit jeher obwalten.
Foto einer Jurte in der Wüste Gobi (Mongolei)
Mongolische Jurte in der Wüste Gobi - Foto © -WN-
Mit dem Ausbau der menschlichen Unterkunft hat man – Katastrophen ausgenommen - Hitze, Kälte, Wind und Wetter weitestgehend im Griff. Sinnreichtum herrscht vor. Wer heute in einer arabischen Stadt bei sengender Sonne eines nach der Gasse hin oft fensterlosen Häuser betritt, den überrascht die angenehme Kühle und Behaglichkeit von Hof und raffiniert gebauten Räumen. Noch weniger bekannt ist das „Heizsystem“ des Iglus, der runden Kuppelhütte, die die Inuit – heute eher gelegentlich - aus rechteckigen Schneeblöcken fügen. Im tief gelegten Eingangstunnel verschließt Kaltluft die Unterkunft und lässt innen gestaute Körperwärme nicht entweichen.
Adresse:
Hof Landlust
Ausbau 8
16775 Löwenberger Land
Telefon 033 394/ 285

Geschichte der Mongolischen Jurten in Brandenburg


Angetan von solchem Erfindergeist der Generationen vor und fern von uns kam der Doktor der Landwirtschaft Günter Dietrich vor einiger Zeit auf die Idee, seinem
Landwirtschaftsbetrieb “Landlust“ im oberhavelländischen Falkenthal im Löwenberger Land zwei mongolische Jurten beizugeben. Es war eine Geschäftsidee zur Mehrung der touristischen Vielfalt und ein Beitrag zur Beförderung des Interesses an anderen Formen irdischen Lebens. Denn nicht nur Dichter und Denker weisen das Kulturniveau von Völkern aus – ebenso lässt sich an der Art ihres Obdachs ablesen, wessen Geistes Kinder sie sind. So ist eben auch die Jurte – mongolisch Ger genannt – ein Ausweis für einen durchaus gehobenen Standard jener Völker, die sich ihrer selbst bei extremsten Wettern bedienen. Dabei sind diese Behausungen größtenteils textiler Art und werden, Übung vorausgesetzt, mit einfachen Handgriffen unter Verwendung rund gestellter Scherengitter, aufgelegter Dachstangen und eines Dachkranzes errichtet. Außentemperaturen zwischen minus 50 und plus 40 Grad Celsius lassen das Leben in ihnen keineswegs ersterben. Meist werden sie mit Kamel- oder Kuhdung hinreichend beheizt, und im Sommer schützen sie vor Hitze, wenn die angehobenen Filzmatten für erfrischende Durchlüftung sorgen.

Landwirt Dietrich hatte beim Aufbau der beiden Jurten auch den Radweg Berlin-Kopenhagen im Auge, dessen Teilstrecke Oranienburg-Liebenwalde-Zehdenick längs der Havel nur ein paar Kilometer an Falkenthal vorbei führt. Was für die Gott suchenden Wanderer auf dem Jakobsweg das refugio ist, die spartanische Pilgerherberge, sind für die Radler die beiden Nomaden-Zelte. Ihre dauerhafte Stationierung auf der Falkenthaler Flur ist allerdings ein Versuch. Vorerst fehlt das Möbel, und die Fußböden sind mit duftendem Heu bestreut. Normalerweise lässt es sich der Mongole auch im hintersten Gobiwinkel nicht nehmen, auf einem Bettgestell zu nächtigen. Aber die einzigartige Übernachtungserfahrung, die eine Jurte bietet, kann man selbst im Heu machen: die sinnlich spürbare Nähe zum Außen-Wetter und das gleichzeitige Gefühl davor total geschützt zu sein. Anders als im Steinhaus hört man Wind, Sturm und sonstiges Geräusch in Originallautstärke, was den Behaglichkeitseffekt erhöht; weiß man doch, dass eine oder mehrere Filzschichten vor Frost oder Hitze schützen. Aber der Filz ist gerade das Problem in unseren geografischen Breiten. Während die Jurten im Kontinentalklima Zentralasiens keine feuchte Luft und Moder zu fürchten haben, muss man im luftklammen Europa dem besonders entgegenwirken. Günter Dietrich hat seine beiden Gers auf einen festen, wasserdichten Untergrund gestellt, aber sie müssen auch in der warmen Jahreszeit gelegentlich beheizt und immer gut gelüftet werden.

Für andere Geschmäcker steht neben den Jurten ein neues Gästehaus mit Ferienzimmern bereit, im Hofladen werden Bio-Rindfleisch und eine markant schmeckende Thymianwurst angeboten. In der Großen Scheune eröffnen ausgestellte alte Landmaschinen einen beeindruckenden historischen Horizont. Feste Termine sind das Osterfeuer, diverse Konzertveranstaltungen, die Brandenburger Landpartie, bei der ein Besuch der nahen Herde aus glücklichen Mutterkühen nicht fehlen darf, und der alljährliche Adventsmarkt. Wenn es nur irgend geht, wird der beliebte Thüringer Mutzbraten gereicht, ein faustgroßes Stück Schweinskamm, das - mit Salz, Pfeffer und Majoran gewürzt - im Birkenholzrauch zu einer Köstlichkeit herangart.
Eine unvermutete Lustbarkeit stört das eurasische Ambiente: Zu deutscher Landlust gehört im Löwenberger Land offenbar der Geist tötende Stiefelweitwurf. Im Jurten-Land ist solcher Unsinn undenkbar - Stiefel sind Kulturgüter, und die Mongolen gelten sogar als Erfinder des Stiefelabsatzes, mit dem sie im Steigbügel besseren Halt finden. Die Stiefel schützen und wärmen nicht nur die Füße – sehr oft zieren sie schöne Ornamente, meist sind es die in sich verschlungenen Glücksfäden. Alles gute Gründe, die Fußbekleidung nicht wild durch die Gegend zu schleudern.

Verkehrshinweis:
Falkenthal erreicht man über die B96; in Löwenberg rechts auf die B167 und hinter Liebenberg links auf die L221 Richtung Zehdenick abbiegen; hinter dem Ortsausgang von Falkenthal geht links der Fahrweg Falkenthaler Ausbau ab. Der Hof Landlust hat die Haus-Nr. 7/8.
Text: -wn- / Stand: 03.06.2014




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