Das Gorki-Haus in Bad Saarow

Zwei Autoren von Weltgeltung haben im vergangenen Jahrhundert unbekannte brandenburgische Orte berühmt gemacht.
Gorki-Haus in Bad Saarow 2012
Das Gorki-Haus in Bad Saarow im Winter 2012
Foto © In-Berlin-Brandenburg.com
Mit der Sommergeschichte „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ holte der 22jährige Kurt Tucholsky 1912 die Ackerbürgerstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin ans Licht einer größeren Öffentlichkeit. Rund zehn Jahre später verfasste der russische Romancier Maxim Gorki während einer Kur vom Herbst 1922 bis Frühsommer 1923 in Bad Saarow seine Meistererzählung „Die erste Liebe“, eine psychologisch tief ausgelotete Geschichte der Beziehung eines jungen Zeitungsschreibers zu einer verheirateten Frau. Man könnte in der Erzählung auch „Die Leiden des jungen G.“ erblicken – zum Glück nicht mit tödlichem Ausgang.

Tucholskys Büchlein löste Touristenströme aus, Gorkis Geschichte kaum. Es war der Dichter selbst, der damals wie heute als prominentester Besucher Bad Saarows gilt. Auch Victor de Kowa, Max Schmeling oder Johannes R. Becher trugen zum Renommee des von Moorwiesen, Kiefern- und Mischwald umgebenen Ortes am Scharmützelsee, dem Märkischen Meer, bei.

Geschichte des Gorki-Haus


An den Russen erinnert heute eine blockhausähnliche Holzvilla in der Ulmenstraße 9, nahe dem Bahnhof. Die rustikale und an den Ecken vezahnte Bohlenverkleidung der
Fachwerkkonstruktion erweckt den Eindruck des Russischen. Durchbrochene Zierleisten umrahmen den schwarzen Bau. Das Ganze erinnert an die Potsdamer Alexandrowka-Siedlung. Vor dem verwunschen wirkenden Haus fehlt nur noch die Waldfrau Baba Jaga aus dem gleichnamigen russischen Märchen. Auf Hühnerfüßen steht das Haus natürlich nicht.

1972 wurde hier eine Gedenkstätte für Maxim Gorki eingerichtet und das Gebäude unter Denkmalsschutz gestellt. Eine Bibliothek mit 8000 Gorki-Bänden in verschiedenen Sprachen fand darin Platz. Es gab Autorenlesungen und Ausstellungen. 12 000 Besucher jährlich bezeugten Gorkis Popolarität. Das „Leseland“ DDR mit seiner Verbindung von Diktatur und Proletkult beutete den Dichter auch propagandistisch aus. In einem Benimmbuch wird bereits 1957 sein Dichterfleiß zum Maßstab für das tägliche Schaffen an der Werkbank erhoben: „Wieviel Blatt Papier mit der Handschrift Maxim Gorkis in den Papierkorb gewandert sind - darüber gibt keines seiner Meisterwerke Auskunft. Und wie oft mag dem Schnelldreher Erich Zabel wohl der Stahl abgebrochen sein, bevor sein Versuch, Neues zu schaffen, erfolgreich war.“

Die Museumsgründung schuf die hartnäckige Legende, es handele sich bei dem Haus Ulmenstraße 9 um die „Villa Maxim Gorkis“. Der schwer Lungenkranke hat dem Vernehmen nach dieses Haus jedoch nie betreten, sondern im damaligen „Neuen Sanatorium“ gekurt. Das Gorki-Haus war die einstige „Villa Putti“ der jüdischen Bankiersfamilie Landsberg aus Berlin. Sie konnte in den 30er Jahren rechtzeitig vor den Nazis nach Brasilien fliehen und erhielt das Haus 1999 gerechterweise zurück. Damit endete allerdings auch die Geschichte der kleinen Gedenkstätte. Einen Großteil des Buchbestandes übernahm die Bibliothek in der Ulmenstraße 15, so dass einer literarischen Begegnung mit Maxim Gorki auch heute nichts im Wege steht.

Seit 2003 ist das Gorki-Haus eine Pension. Das Motto: Wohnen im Baudenkmal. Diese Lösung ist dem Architekten-Ehepaar Bernd und Jutta Wilcke zu danken. Die neuen Besitzer haben das Haus saniert und wieder eröffnete. Vier Appartements sind hinter den historischen Holzwänden untergebracht. Alles ist so eingerichtet, dass sich hier auch einmal eine schöne Sommergeschichte zutragen könnte – wie damals die mit Claire und Wolf.

So kommt man hin:
Auto: 200 m nach dem Ortseingangsschild auf dem Kreisel nach rechts in die Ulmenstraße einbiegen. Nach weiteren 100 Metern ist das Gorki-Haus rechts zu sehen.

Zug: Halbstündig fahren von Berlin Regionalzüge nach Frankfurt/O bzw. Eisenhüttenstadt. In Fürstenwalde aussteigen und auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig den Pendelzug nach Bad Saarow nehmen. Vom Bahnhofsvorplatz geht man geradeaus in die Ulmenstraße hinein.
Text: –wn- / Stand: 19.05.2014

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