Die Beeskower Bilder, der Beeskower Kordon, die Beeskower Audienz

Berlin im Jahre 1990, am dritten Tag im Oktober; ein Tag, den der Historiker Michael
Beeskower Burg
Der fünfstöckige Bergfried auf der Beeskower Burg;
er bietet einen weiten Blick hinein ins Beeskower Land
Foto: © -wn-
Stürmer (geb. 1938) als "einen jener sonnigen Herbsttage (erinnert), die im Süden Deutschlands die letzte Süße in den Wein geben und im Norden den Wäldern ein spätes Fest der Farbe schenken, bevor der Winter des Missvergnügens eintritt".
An diesem spätherbstlichen Nachmittag, an dem die Sonne von den Linden mit schwindendem Licht herüber scheint, verschließt ein Mann die Tür des Palais' des vormaligen Staatsministers Otto Freiherr von Schwerin (1616-1679) am Molkenmarkt 3 - heute noch das Palais Schwerin genannt. Dieser erste Hausherr war jener pommersche Adlige protestantischer Abkunft, von dem mutmaßlich das Abendlied stammt "Die Sonn hat sich mit ihrem Glanz gewendet und, was sie soll, auf diesen Tag vollendet". Der Komponist Karl Höller (1907-1987) ließ sich vom innigen Text des Liedes zu einer Orgelpassacaglia anregen; verhalten erwartend tönend, zu einem schüchtern sieghaften Aufklingen kommt es in der zentralen Passage des Stücks.
 
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    Geschichte der Stadt Beeskow

    Der Türschließer vom Molkenmark ist der letzte, und zu diesem Zeitpunkt bereits der ehemalige Kulturminister der Monate zuvor in zügiger Notbehandlung
    demokratisierten Deutschen Demokratischen Republik; bei Tagesanbruch war sie gemäß Artikel 23 des (west)deutschen Grundgesetzes mit seinen unverändert geltenden Grundgedanken der Französischen Revolution wie Gleichheit vor dem Gesetz, Zivilehe und Eigentumsfreiheit der Bundesrepublik Deutschland beigetreten.
    Der Mann mit dem Schlüssel ist Herbert Schirmer (geb. 1945), und das Barock-Haus war sein Dienstsitz. Der gelernte Maschinist, Buchhändler und Journalist soll, als er den Schlüssel aus dem Schloss zog, nicht den Eindruck eines enttäuschten Menschen gemacht haben, weil er durch die Zeitläufte um eine - im Falle dieses hochgebildeten Mannes - als sicher gegoltene ministerielle Karriere gebracht worden war. Er verschwindet nicht. Bald darauf ist von ihm in der heutigen Kreisstadt des Landkreises Oder-Spree Beeskow zu hören. Jetzt ist er Direktor des Museums in der Wasserburg auf der zur Stadt gehörenden Spreeinsel. Schirmer - unversehens in die Rolle eines Querdenkers gekommen - widersetzt sich dem zumindest damals vorherrschenden rigorosen Mainstream, der auf eine Totalabwicklung der DDR, besonders der im Staatsauftrag gemalten Kunst, gerichtet war. Wahrscheinlich kannte Schirmer, was der französische Historiker und Politiker Alexis de Tocqueville (1805-1859) geschrieben hatte: Eine Mehrheit muss nicht immer klug sein. Den Hintergrund der historisch vernünftigen Gegenposition Schirmers fasst der Hallenser Linguist Manfred Bierwisch (geb. 1930) später mit den Worten zusammen: "Ja, die DDR war grau, ihr Sozialismus hat nie funktioniert, und am Ende war es einfach ein kaputtes Land, dem nicht mehr zu helfen war. Und doch ist da mehr gewesen, als ein bloß missmutiger Rückblick wahrzunehmen in der Lage ist.
    Da gab es Widerborstigkeit und Neugier, nicht weniger Intelligenz und Scharfsinn als in anderen Weltgegenden, und in den Grautönen gab es sehenswerte Schattierungen…" Unter Schirmers Ägide werden in Beeskow Gemälde, Druckgrafiken, Zeichnungen und Aquarelle, aber auch Fotografien und Plastiken aus dem Besitz der Parteien, Massenorganisationen und Staatsorgane der DDR gesammelt und professionell deponiert. Wer heute die mittelalterliche Burg Beeskow besucht, stößt dort nicht nur auf das Regionalmuseum mit Mittelalter-Magazin und Folterkeller, sondern auch auf das Kunstarchiv. Ausstellung mit Bildern aus dem großen Bestand waren in den vergangenen Jahren auf der Burg zu sehen: etwa "Die Schönheit der Macht", - das waren "Beispiele für die Beziehung zwischen Kunst und Macht im Zustand der Harmonie", "Bilder zur Sonne zur Freiheit" oder "Zwischen Himmel und Erde. Landschaftsbilder aus der DDR"; schließlich "Büchsenwurst und roher Fisch" - Stillleben mit neuen Gegenständen, darunter Zentralheizung statt Biedermeiermöbel, Glühlampe statt Kerze, Thermoskanne statt Weinkrug, Büchsenwurst statt ganzem Fisch. Beeskow erweist sich als rettender Ort für überlebensfähige Kunst aus der DDR. Die Idee Herbert Schirmers, der als Journalist in Lieberose lebt und jetzt stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Neue Kultur ist, wurde - mit Marx gesprochen - zur materiellen Gewalt. Mittlerweile ist erwiesen, dass er mit seiner Aktion nicht DDR-Nostalgiker und andere Rückwärtsdenker bediente, sondern Menschen künstlerische Erlebnisse verschafft, denen es um ein differenziertes Bild vom verblichenen deutschen Teilstaat zu tun ist.

    Als ein Nutznießer der Stadt mit ihrem rettenden Fluidum treffen wir selbst den Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) an, obwohl dieser hochkomplizierte Mensch
    Museum in Beeskow
    Das Ausstellungsgebäude des Beeskower Museums und
    des Kunstarchivs, rechts das Alte Amt
    Foto: © -wn-
    nie als einer Rettung bedürftig erscheinen wollte. Am 3. August 1759, früh um drei Uhr, depeschiert er jedoch aus Beeskow an seinen Jugendfreund und amtierenden Minister Graf Fink von Finkenstein (1714-1800): "Nach schrecklichen und furchtbaren Märschen … bin ich so eben hier angekommen. Ich bin sehr erschöpft. Sechs Nächte sind es, dass ich kein Auge zugethan habe. Adieu." Es sollte in diesem von ihm begonnenen Siebenjährigen Krieg (dem 3. Schlesischen) für ihn bekanntlich noch weitaus schlimmer kommen. Neun Tage später tobt gleich hinter Frankfurt jenseits der Oder die Schlacht bei Kunersdorf (Kunovice) zwischen einer russisch-österreichischen und einer preußischen Armee. Mit seinem 49000 Mann starken Heer handelt sich Friedrich im dortigen Kuhgrund eine horrende Niederlage ein. 19000 preußische Soldaten bleiben sterbend oder tot auf dem Schlachtfeld zurück. Um ein Haar wäre er selbst ums Leben gekommen. Ein goldenes Etui in der Brusttasche habe, heißt es, eine feindliche Flintenkugel daran gehindert, ihn ins Herz zu treffen. Konsterniert schreibt er nun an von Finkenstein: "Das ist ein grausamer Umschlag, und ich werde es nicht überleben; die Folgen dieses Ereignisses werden noch schlimmer sein als dieses selbst. Ich habe keine Hilfsmittel mehr, und, um nicht zu lügen, ich glaube, dass alles verloren ist; ich werde den Untergang meines Vaterlandes nicht überleben. Adieu für immer!" Man brachte ihn sicher nach Fürstenwalde, aber die Überlebenden seines Heeres irrten demoralisiert durchs Gelände. Von preußischer Fluchtverwirrung die Rede. Als nach der Schlacht starke russische Truppen Beeskow vom südöstlich gelegenen Bahrensdorfer Berg aus beschossen, um auf der Brücke über die Spree zu gelangen und die Verfolgung der geschlagenen Preußen aufzunehmen, versperrt ein massiver Kordon den Flussübergang und rettet die preußischen Armeereste vor weiterer Zersetzung und Gefangennahme. Wenigstens das konnte die Beeskower Garnison verhindern und rettete die Fliehenden. Das Kunersdorfer Desaster hielt den Philosophen-König von Sanssouci nicht davon ab, in weitere Schlachten zu ziehen und abwechselnd zu verlieren oder zu siegen.

    Ein Halbjahrundert später, am 14. April 1810, warf König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), in der Stadt an der Spree in höchster Not einen
    Museum in Beeskow
    Die im Sommer 2011 vor dem Preußischen Landtag in der
    Berliner Niederkirchnerstraße aufgestellte Skulptur des
    populären preußischen Reformers Karl August
    Freiherr von Hardenberg (1750-1822)
    Foto: © -wn-
    Rettungsanker aus; es kommt zur Beeskower Audienz, genauer zu einer audience conspirative, denn im Grunde musste Friedrich Wilhelm selbst das, was ihm an Macht verblieben war, im Verborgenen ausüben. Nach der verlorenen Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 ist Napoleon I. (1769-1821) faktisch oberster Regent in Preußen. Erhebliche Kriegskontributionen sind an Frankreich zu zahlen. Da Napoleon dem populären Reformer Karl August Freiherr von Hardenberg (1750-1822) verboten hatte, sich der Potsdamer Königsresidenz weiter als bis auf 20 Meilen zu nähern, ließ sich der König "im strengsten Inkognito" zum dringlichen Treffen nach Beeskow chauffieren, um dort im Haus des Bürgermeisters Schmidt in der marktnahen Junkerstraße (jetzt Bodelschwinghstraße) mit von Hardenberg über das Erlangen zusätzlicher Steuereinnahmen zu konferieren. Dem Hinbeorderten ging es jedoch nicht nur um die Geldnöte des Preußenkönigs. Von Hardenberg hatte Größeres im Auge: Er wollte den preußischen Staat vom aufgeklärten Absolutismus zum Liberalismus führen, zur Freisetzung wirtschaftlicher Kräfte Gewerbefreiheit, die Bauernbefreiung und die Judenemanzipation durchsetzen. Das geheime Gespräch mit dem König wurde dafür ausschlaggebend, dass von Hardenberg im Sommer - mit Billigung Napoleons - preußischer Staatskanzler ist, und die Reformen nehmen ihren Lauf. Widerstände gibt es bei den märkischen Landadligen. Einer von ihnen, Friedrich August Ludwig von der Marwitz (1777-1837), ließ keinen guten Faden an dem neuen Kanzler: "So wie er sein lebelang mit den Weibern unredlich war, eine nach der andern heiratete, entführte, sitzen ließ, und noch zehn andere neben ihr frequentierte, so war er auch als Minister, nach allem greifend, sich mit allem beschäftigend, aber nichts vollendend und behauptend." Karl August von Hardenberg gilt dennoch als einer der großen Staatsreformer des 19. Jahrhunderts, dessen unbestrittene Lebensleistung man (nun endlich) seit dem Sommer 2011 mit einem Denkmal vor dem Preußischen Landtag würdigt.

    Und Beeskow? Die einstens von dem Geschlecht der Ritter von Strehle im 13. Jahrhundert gegründete und seit 1600 zu Brandenburg gehörende Kommune erwies sich als ein Ort, von dem nicht zuletzt durch die konspirative Klärung einer Personalfrage ein maßgeblicher Impuls für die Stein-Hardenbergischen Reformen ausging, die eine Reaktion auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt waren. Mithin kann für die Stadt an der Spree auch jener bekannte, auf überlegten Optimismus zielenden Satz aus Friedrich Hölderlins Patmosgedicht gelten: "Wo aber Gefahr ist, wächst / das Rettende auch!"

    Wie man nach Beeskow kommt:
    Die etwa 90 Kilometer lange Strecke führt von Berlin aus zunächst über die Autobahn A12 Richtung Frankfurt/Oder. Man verlässt die A12 an der Abfahrt Storkow und fährt über Storkow und Wendisch Rietz nach Beeskow.

    Öffnungszeiten der Burg Beeskow
    April - September
    Dienstag - Sonntag 9:00 - 19:00 Uhr

    Oktober - März
    Dienstag - Sonntag 11:00 - 17:00 Uhr

    Tel.: 033 66 - 35 27 10

    Adresse der Stadtverwaltung:
    Berliner Str. 30
    15848 Beeskow

    Stadtplan von Beeskow:

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