Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner: "Ich glaube, ich bin ein Genie."

Abbrecher sind oft auch kreativ. Im ersten Lebensviertel des späteren deutschen Schriftstellers Gerhart Hauptmann (1862-1946)
Das Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner
Das Gerhart-Hauptmann-Museum in der
G.-Hauptmann-Str. 1-2 - Foto © -wn-
folgt ein Abbruch dem anderen. Die Fiasko-Reihe beginnt mit dem vorzeitigen Ende einer Ausbildung zum Landwirt - hier noch krankheitshalber. Wegen Auflehnung wird er später aus einer Breslauer Bildhauerklasse exterminiert, darf zurückkehren, um ihr bald wegen des allherrschenden Mittelmaßes endgültig den Rücken zu kehren. Ein Studium der Philosophie und Literaturgeschichte in Jena - abgebrochen. Von der Saale an den Tiber: Im angemieteten Römischen Atelier endet die Bildhauer-Karriere wie man es sich tragischer nicht vorstellen kann: Ein zur Hälfte aus dem Stein gemeißelter überlebensgroßer Germanenkrieger stürzt unter der Last eines wegen defekter Holzschragen zusammenbrechenden Bockgerüstes in sich zusammen - auch hier finito das Ganze. Die Visitenkarten mit dem Text "Gherardo Hauptmann, Scultore" - umsonst gedruckt. Nun an die Elbe: In einer Zeichenklasse der Dresdener Akademie kann Hauptmann wiederum nicht Fuß fassen. Aber nun weiß er: Ich muss schreiben. Und er hat er im momentanen Alter von 23 Jahren sogar die Chụzpe von sich zu behaupten: "Ich glaube, ich bin ein Genie." Bekanntlich war er das auch.
Adresse:
Gerhart-Hauptmann-Museum
Gerhart-Hauptmann-Strasse 1-2
15537 Erkner
Telefon: 033 62 36 63

Öffnungszeiten des Gerhart-Hauptmann-Museum:


Dienstag - Sonntag
von 11 bis 17 Uhr

Eintrittspreise im Gerhart-Hauptmann-Museum:


Erwachsene 2€
Führungen 10€

Ausstellungen im Gerhart-Hauptmann-Museum


Im Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner bekommt der Besucher in der Dauerausstellung zu Leben und Werk des Dichters eine Antwort auf die nahe liegende
Frage, wieso es ein mit dem Scheitern bestens vertrauter Mensch schließlich (1912) zum Literaturnobelpreis bringt. Der Schriftsteller Hẹrmann Borchardt (1871-1943) denkt in zutreffende Richtung. Er schrieb, "daß der sogenannte Bildungsgang gar nichts mit einer schriftstellerischen und künstlerischen Veranlagung zu tun hat... und daß man ungefähr bis Quarta (heute 7. Klasse) kommen und doch ein Gerhart Hauptmann werden (kann)!" Man sieht: Der Name ist schon Synonym für Bedeutendes. Und tatsächlich geht es ab Hauptmanns Lebensstation Erkner nur noch aufwärts. Das heutige Museum, die so genannte Villa Lassen (Foto), eine ehemalige Pension, ist das Domizil, in dem er zwischen 1885 und 1889 mit Frau und den dort geborenen Söhnen wohnt. Hier beginnt er, das Dichterhandwerk exzessiv auszuüben. Seinen starken Schreibdrang etikettiert er mit dem Axiom "Nulla dies sine linea" - Kein Tag ohne Zeile. Die samariterhafte Veranlagung und Gesellschaftliches greifen ineinander. Die seit 1873 im deutschen Kaiserreich einsetzende "große Depression", ein deutlich verlangsamtes Wirtschaftswachstum und Verarmen der gerade erst proletarisierten unteren Schichten provoziert ihn, die sozialen Verwerfungen dichterisch und detailgetreu zu beschreiben. Man wird ihn später einen "Dichter des Mitleids" und führenden Vertreter des deutschen Naturalismus nennen.

In Erkner entsteht zunächst die in einer Katastrophe endende Familiengeschichte "Bahnwärter Thiel", in der sich menschliche Feinnervigkeit und der Hang zur Gewalt in einer Person bestürzend nahe kommen. Das erste Bühnenstück "Vor Sonnenaufgang" wird zu Papier gebracht, hochdramatische Vorgänge im Haus des verwitweten Großindustriellen Clausen, der mit seiner Absicht, eine jüngere Frau aus niederem Stand zu ehelichen, auf Ablehnung seiner Familie stößt. Am Rande spielt der Autor auf die Schwärmerei des 73jährigen Goethe für die 17jährige Ulrike von Levetzow an. In der Novelle "Fasching" verarbeitet Hauptmann einen Unglücksfall, bei dem im Februar 1887 eine dreiköpfige Familie aus Erkner im ortsnahen Flakensee ertrank.

In der Villa Lassen, die seit 1987 Museum ist, wurde aus dem Teilnachlass die ursprüngliche Einrichtung rekonstruiert. Ein großer Teil der Bibliothek, Lebensdokumente, Briefe und Autographen befinden sich hier - natürlich auch ein Foto des literarischen Vorbildes für eine der berühmtesten Personen der Hauptmannstücke - von Frau Wolff, der Waschfrau. Die Aufnahme zeigt Hauptmanns Aufwartefrau Marie Heinze, die mit listig-freundlichem Blick in die Kamera schaut. Mutter Wolffen stammt aus dem "Biberpelz", dessen komödiantische Handlung zeigt, dass der Autor nicht nur demoralisierte Armuts-Opfer auftreten lässt. Die Wolff ist eine Frau, die sich angesichts ungerechter Zustände mit Diebereien und Beredsamkeit ihren Teil am großen Kuchen sichern will.

Weltruhm bringt das Schauspiel "Die Weber". Der schlesische Weberaufstand von 1844 in Peterswaldau (Pieszyce) und Langenbielau (Bielawa) blieb auch ein halbes Jahrhundert später noch im öffentlichen Bewusstsein. Im berühmten Gedicht klassifiziert Heinrich Heine den für die Niederschlagung der Hungerrevolte verantwortlichen Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. mit den Worten: "Ein Fluch dem König, dem König der Reichen, / Den unser Elend nicht konnte erweichen, / Der den letzten Groschen von uns erpreßt, / Und uns wie Hunde erschießen lässt." Starker Tobak für durchlauchtigste Ohren. Nach der Berliner Premiere des Hauptmannschen Bühnenstücks kündigt Wilhelm II. ostentativ seine Loge im Deutschen Theater. Entfallen war Seiner Majestät in diesem Moment, dass er ursprünglich auch - seine Worte - "ein König der Armen" sein wollte.

Wie man zum Gerhart-Hauptmann Museum kommt:
Nach Erkner fährt die S-Bahn S3
Das Museum befindet sich in der Gerhart-Hauptmann-Strasse 1-2; zwischen Bahnhof und Museum liegen etwa 1000 Meter Fußweg

Über Lesungen, Konzerte, Filmvorführungen und Sonderausstellungen informiert die
Text: –wn- / Stand: 19.05.2014

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