Foto vom Ritter Kahlbutz ist von -wn-
Ritterguts-Eigner aus Kampehl im heutigen Landkreis Ostprignitz-Ruppin, führte ein Leben, das mit dem Tod noch lange nicht zu Ende ist. Dem letzten Atemzug folgte ein knappes Jahrhundert Ruhe im Sarg. 1794, vor 214 Jahren also, wurde die nach dem Schachtel-Prinzip aufwendig gefertigte Totenkiste aus Tannen- und Eichenholz bei einer Kirchenrenovierung geöffnet. Unglaublich: Man fand den Ritter trocken, ledrig, unverwest. Was folgte, ist selbst für einen Toten belastend: Er wird ausgestellt. Gegen Gebühr kann er besichtigt werden, um - wie Theodor Fontane bemerkte - "das Spuk- und Sagenbedürfnis des Volks in dortiger Gegend" zu befriedigen. Denn angeblich hatte der Ausgesargte zu Lebzeiten vor Gericht seine Nichtverwesung für den Fall in Aussicht gestellt, dass er - so die Anklage - der Mörder des Schäfers Pickert ist. Dessen Braut Maria Leppin aus dem Nachbarort Bückwitz zeigte Kahlbutz die kalte Schulter, als er ihr mit dem Recht der ersten Nacht kam und an die Wäsche wollte. Eine andere Quelle berichtet nicht vom sexbessenen, sondern vom habsüchtigen Kahlbutz. Auf der Feldflur habe er die Grenzsteine zum Nachteil der Nachbarn versetzt, was der Schäfer beobachtete und anzeigte. Pickert jedenfalls lag am Schluss erschlagen da, ein Gericht tagte, der beschuldigte Kahlbutz schwor einen entlastenden Reinigungs-Eid und wurde freigesprochen. Zeugen gab es nicht.