Gasthaus "Zum Jungen Fritz" in Rheinsberg

Zum Jungen Fritz Rheinsberg
Gaststätte "Zum Jungen Fritz" in der Rheinberger Schlossstraße 8 / Foto: © - wn -

Restaurant zum Jungen Fritz Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin)

Das Gast- und Logierhaus "Zum Jungen Fritz" in Rheinsberg ist in vielerlei Hinsicht einen Besuch wert:

Anschrift:
"Zum Jungen Fritz" Gast- & Logierhaus mit Geschichte
Schlossstraße 8 16831 Rheinsberg
Tel: 033 931/ 21 68

Öffnungszeiten Gasthaus zum Jungen Fritz Rheinsberg:

Täglich ab 11:00 Uhr
Im April Mittwoch und Donnerstag geschlossen

Das Gast- und Logierhaus "Zum Jungen Fritz" in Rheinsberg: Fritzisch herb

Und dann kommt die Haxe auf den Tisch. Ein Glück, sie ist nur mittelgroß. Trotzdem - der Teller ist voll. Ein delikater Anblick. An dem Stück scheint sich schon beim Draufsehen das rosarote zarte Fleisch vom Knochen lösen zu wollen. Gebettet ist das deliziöse Ganze auf aromatischem Sauerkraut. Daneben breitet sich das cremig-grobe Püree aus Erbsen aus. Beiliegend Senf; er hilft die Scheu vor Fettem klein zu halten. Ein Stück Fußwurzelgelenk zeigt sich in der Masse. Nun richtet sich leibliches Verlangen auf die gepökelte und gargekochte Haxe. Es folgt eine angenehme Zeit in der Gaststube des Rheinsberger Gast- und Logierhauses "Zum Jungen Fritz". Auch das Drumherum ist ansprechend. Das Ambiente des Raumes ist holzfarben, rustikale Gefachungen schmücken eine Wand. Die Kellnerin sagt beim Servieren nicht viel. Vermutlich ist das preußischer Charme: redlich und verhalten freundlich - großer Ruß wird nicht gemacht. Man kann sagen: fritzisch herb geht es hier im "Jungen Fritzen" zu.

Bronzeskulptur Kronprinz Friedrich im Schlosspark Rheinsberg
Die am Eingang des Schlossparks 1903 aufgestellte Bronzeskulptur des Kronprinzen Friedrich. Sie schuf der Berliner Bildhauer Gottlieb Elster (1867-1917). / Foto: © - wn -
Das Goethe-Wort fritzisch trifft allerdings so gar nicht die heuchlerischen Töne, die der Namensgeber (1712-1786) in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts gegenüber seinem autokratisch-calvinistischen Vater Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) anschlägt. Bekanntlich will ihn der "Soldatenkönig" wegen eines Fluchtversuches im November 1730 köpfen lassen. Es kann verhindert werden. Friedrichs eingeweihter Vertrauter Hans Hermann von Katte (1704-1730) aber muss sterben. Am 2. November 1733 schreibt Friedrich dem Vater aus Neuruppin und dankt ihm überschwänglich für die Absicht, das "Guth Rheinsberg" für ihn zu erwerben. Und so liest sich der Brief des einundzwanzigjährigen Kronprinzen, der des Deutschen kaum mächtig ist:

"Aller Gnädigster König und Vahter. Ich habe meines Gnädigsten Vahters Gnädiges Schreiben in Allerunterthänigkeit erbrochen (geöffnet) und bedanke mich ganz unterthänigst vohr die hohe Gnade so Mein Allergnädigster Vahter vohr mich gehabt wegen des Guths Reinsberge zu Kaufen ich werde (diesen Kauf) zeit lebens Mitt ganz untertänigsten respect erkenen. ... Meines AllGnädigsten König und Vahters Gehorsamster treuergebenster Diener und Sohn Friderich."

Zum Kauf kommt es im Jahr darauf. Mit der Kenntnis solcher devoten Texte kann man begreifen, warum der Vater kurz vor seinem Tode im Jahre 1740 plötzlich erklärt: "Aber, thut mir Gott nicht viele Gnade, dass er mir einen so braven und würdigen Sohn gegeben?"

Wenig Rokoko und viel Spaß im Rheinsberger Schloss

Bemerkenswert ist auch, dass der Sohn die einst drohende Nähe des Schafotts und die alternative Küstriner Festungshaft offenbar ohne traumatische Folgen übersteht. Denn bei den Partys im 1736 bezogenen Schloss lässt der "junge Fritz" nichts anbrennen, gibt sich launig, leicht und locker. "Unbedingt der Lustigste und Lebendigste von Allen war aber stets unser Kronprinz", berichtet ein Husarenoffizier aus seiner Umgebung. Auch der Jurist und Romanschriftsteller Karl Ludwig Häberlin (1784-1858) schreibt von "geistreichen und heiteren "petite soupers" (kleine Abendessen) mit feinsten Delikatessen". Da herrschen keine feinen adelsstolzen Rokoko-Sitten am Tisch. Es wird von einem Tag berichtet, an dem "der Kronprinz bei Tafel ungewöhnlich heiter (war). Dies ging auf die ganze Tischgesellschaft über. Einige Gläser Champagner brachten unsern Witz in Bewegung. Der Prinz fand, dass uns der kleine Rausch nicht übel stehe und sagte, er sei Willens, es den Abend da wieder anzufangen, wo er es den Mittag gelassen habe." Es gibt Bootsfahrten auf dem Grienericksee mit Hornmusik und anschließendem Essen im Wald. Im Park finden ausgelassene ländliche Feste statt. Im Winter führt man im Liebhabertheater heitere Stücke auf. Jagden werden abgehalten, bei denen sich Friedrich zurückhält. Er ist eine Ausnahme unter den neun meist jagdsüchtigen preußischen Königen. Auch einen Hofnarren gibt es. Er heißt Karl Ludwig von Pöllnitz (1692-1775), ist ein Schriftsteller und Abenteurer. Der Mann ist eitel und will als guter Reiter gelten. Man gibt ihm vor dem Ausritt die schlechtesten Pferde oder rossige (paarungsbereite) Stuten. Mit Absicht wird sein Sattel immer locker geschnallt. Es kommt zu Abwürfen, auf die der Kronprinz und seine Entourage nur warten. Sie finden das lustig. Friedrich schreibt sogar ein Spottgedicht auf ihn.
Besuchen Sie doch mal das Schloss Rheinsberg!

Was wäre Rheinsberg ohne den jungen Friedrich! Der Autor Richard Nordhausen (1868-1941) schreibt, die Stadt verdanke "ihr Licht fast ausschließlich dem großen König. ...Wenn auch der junge Fritz hier vielleicht die frohesten Jahre seines Lebens verbracht hat ... so war sein Aufenthalt hier doch nur von kurzer Dauer. Ein paar glückliche Jahre der Freundschaft." 1736, am Beginn dieser kurzen Zeit ist er 24 Jahre alt. Der Wuchs sei schlank gewesen, die Brust "wohl gewölbt" und der Bau des Körpers "mehr schwächlich als stark". Seine Größe wird mit 1,56 Meter angegeben. Weiter heißt es: "Die Gesichtsbildung ... verband auf eine seltene Weise Hoheit und Anmuth und die durchdringenden blaue Augen zogen bei aller Schärfe freundlich an."

Die geistige Elite Preußens versammelt sich in Rheinsberg

Es mag auch an seinem frühen, von regem Geist, Kunstsinn und Wissbegier gestützten Charisma liegen, dass Rheinsberg bald Sammelpunkt von Angehörigen der geistigen Elite Preußens ist. Meist sind es Männer, die später unter ihm dienen: Der Maler und Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorf (1699-1753), der Berater und Vertreter der preußischen Aufklärung Charles Étienne Jordan (1700-1745), der Autor des bekannten Undine-Märchens Friedrich Heinrich Karl Baron de la Motte Fouqué (1777-1843), Friedrichs Vertrauter und späterer Generaladjutant Dietrich von Keyserlingk (1698-1745), der Prediger Jean Deschamps (1706-1767) und der Kunstkritiker Francesco Graf von Algarotti (1712-1764). Mit ihnen und anderen habe "Friedrich in zwanglosester Weise ganz seinem Geschmacke gemäß, mitunter auch wohl wild genug" gelebt, heißt es in einem Bericht.

Gerade darauf achten die Spitzel des Königs. Sie sind immer dabei. Eindrucksvoll bringt der Schriftsteller Philipp Galen (1813-1899) diese innerfamiliäre Schnüffelei 1873 auf die Bühne. In seinem "Vaterländisch-historischen Charaktergemälde" "Friedrich in Rheinsberg" hört sich der Bericht eines Herrn von Bredow an wie die Klage von Odysseus' Frau Penelope, die die sie bedrängenden Freier im Haus in Ithaka nicht loswird. Der Zuträger berichtet dem König über Vorfälle am Rheinsberger Hof:

Schloss Rheinsberg
Schloss Rheinsberg (Seeseite)
Foto: © - wn -
"Ein Heer glücksritterlicher Fremden, Späher
Aus allen Ländern abgesendet - sie
Durchschwärmten wild die ganze Welt, um nun
Die Früchte ihres tatenlosen Lebens
im Schutze eines Königssohnes zu speisen.
Bankett und Tanz, die Nacht zum Tag verkehrend,
Und was der Schaam und Sitte widerstrebt,
Sind ihre königlichen Unschuldsfreuden.
Der unanständ'ge Witz der fremden Zecher
Berauscht des Prinzen unerfahrnes Ohr.
...
Nicht schildern lässt sich dieser ekle Prunk,
Der Ihre Schätze schonungslos vergeudet.
Von Geigern, Malern, Künstlern aller Gattung ..."


Was sich im Haus des "Jungen Fritzen" in der Schlossstraße 8 um diese Zeit und in den Jahrzehnten danach tut, ist nicht bekannt. Nur aus einem Wiederaufbauplan nach dem großen Stadtbrand von 1740 ergibt sich, dass das Gebäude und etwa 20 weitere Häuser in der Schlossstraße und am Markt vom Feuer verschont bleiben. Auch drei Literaten, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts in der Stadt sind, erwähnen ein Wirtshaus dieses Namens nicht. Vom 18. bis 23. Juli 1859 ist Theodor Fontane (1819-1898) vor Ort. Er recherchiert für die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" und checkt im Ratskeller gegenüber dem Schlosspark ein. Der Dichter will "gewissenhaft ... proben, ob der Ratskeller seinem Namen Ehre mache oder nicht. Er tut es. ... Wer nämlich um die Sommerszeit hier vorfährt, pflegt nicht unterm Dach des Hauses, sondern unter dem Dache prächtiger Kastanien abzusteigen, die den vor dem Hause gelegenen Platz, den sogenannten "Triangelplatz" umstehen." Die Speisekarte des Ratskellers enthält heutzutage einen "Altbrandenburgischen Schmorbraten mit Ingwersauce, Apfelrotkohl und Kartoffelklößen", von dem gesagt wird, er sei Fontanes Leibgericht gewesen. Belegt ist das nicht.

Hamilton verlässt den Ratskeller - Fontane erschüttert nichts

Der zweite Besucher ist 1872 der Reiseschriftsteller Andrew Hamilton. Über ihn ist nichts Näheres bekannt; es gibt nur sein 1882 erschienenes Buch "Rheinsberg, Friedrich der Große und Prinz Heinrich von Preußen." (Decker's Verlag Berlin). Unbekannt, warum sich der Autor entschloss, Rheinsberg zu besuchen, für drei Wochen zu bleiben und Informationen über die "glücklichen vier Jahre" Friedrichs und über das Leben seines Bruders Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802) zu sammeln. Auch Andrew Hamilton steigt im Ratskeller ab. Sein Eindruck vom Haus ist überaus schlecht: "Ich hatte mir aus der Lektüre von Fontanes reizendem Buche (die "Wanderungen") ein günstiges Vorurtheil für den Rathskeller gebildet, und gab mir alle mögliche Mühe, den Schmutz nicht zu sehen, auf den mein Auge überall stiess, in der Hoffnung, man habe die Reinlichkeit für ein Weilchen versteckt, um ihr im Geheimen eine umso sorglichere Pflege angedeihen zu lassen; allein mir begann der Muth zu sinken ..." Er zieht am nächsten Vormittag in eine private Unterkunft. Dass Theodor Fontane bei seinem Aufenthalt in der Stadt die Mängel im Ratskeller nicht anspricht, hat offenbar mit vorausgegangenen märkischen Übernachtungserlebnissen zu tun. Er ist inzwischen abgehärtet und lamentiert nicht - selbst wenn die Herberge unkomfortabel ist und er sogar auf zusammengestellten Stühlen im Schankraum nächtigen muss. Bekommt er ein Bett, so schläft er nicht selten in benutzter Bettwäsche und muss den Nachttopf mit den Hinterlassenschaften des Vorgängers erst einmal leeren. Auch hier ist er ganz märkischer Hugenotte: Cést la vie...

1911 bekommt der Schriftsteller und Journalist Kurt Tucholsky (1890-1935) Lust auf einen Ausflug nach Rheinsberg. An einem Augustwochenende trifft er ein mit seiner ersten Frau, der jüdischen Ärztin Else Weil (1889-1942). Hier lässt er sich zu seinem "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte" anregen. Offenbar steigen die beiden ebenfalls im Ratskeller ab. In der Erzählung sieht Kurt-Wölfchen aus dem Zimmerfenster und blickt über den See zum Obelisken hinüber. Die Ankunft im Hotel wird so beschrieben: "Freundlich geleitete sie der alte Wirt in ein Zimmer des ersten Stockwerks. Es war kahl, einfach, blumig tapeziert. Holzbetten standen darin, ein großer Waschtisch, eine Vase mit einem künstlichen Blumenstrauß - an der Wand hingen zwei Pendants (Bilder): "Eroberung Englands durch die Normannen", und in gleichartigem Rahmen und symmetrisch aufgehängt "Großpapachens 70. Geburtstag". Die Tür schloss sich, sie waren allein." Else Weil ist das literarische Vorbild für die burleske und liebevolle wie liebesbedürftige Claire aus dem Bilderbuch, das zum Weltbestseller wird. Man würde wahrscheinlich Claires Sprüche wie "Glaubssu, dass es hier Bärens gibs?" nicht so frohsinnig gelesen haben, hätte man geahnt, welch unbeschreiblich trauriges Ende die Bilderbuchgeschichte im realen Leben hat. Zunächst hält die neun Jahre später mit Else Weil geschlossene Ehe nur vier Jahre. "Als ich über die Damen wegsteigen musste, um in mein Bett zu kommen, ließ ich mich scheiden", schreibt sie sarkastisch. 1938 muss die Jüdin nach Frankreich flüchten. Am 9. September 1942 geht sie dort auf Transport - Richtung Auschwitz. Es ist das Ende der Claire. Kurt, der Donjuanist, geht 1935 im schwedischen Hindås bei Göteborg 45-jährig aus dem Leben.

In der Zeit des Bilderbuch-Wochenendes von Claire und Wölfchen muss es schon im Haus in der Schlossstraße 8 die Conditorei Hoffmann "Zum jungen Fritz" gegeben haben. Belegt ist, dass sie 1945 enteignet wurde und 1952 als HO-Gaststätte "Friedensklause" eröffnet wird. Die Speisekarte ist bescheiden: U.a. Schinken-Käsebrot, "Karlsbader Schnitte" genannt, Strammer Max mit zwei Eiern oder eine Schnitte mit Döbelner Pikant-Salami in heller Hülle und einem gekochten Ei. Nach der Wende erhält die Gaststätte ihren alten Namen zurück und verlegt sich wieder auf preußisch intendierte Küche; das tut auch das etwa 300 Meter weiter gelegene Wirtshaus "Zum Alten Fritz". Wenn man also heute in Rheinsberg gut essen will, kann man sich zwischen zwei "Fritzen" entscheiden, zwischen dem geistig frischen Fritz aus Rheinsberg und dem schuldbeladenen Kriegsfürsten aus Sanssouci.

Wie man nach Rheinsberg kommt:
Nach Rheinsberg fährt man von Berlin über die Bundesstraße B96 bis Gransee und biegt dort nach links auf die Rheinsberger Straße L223.
Text: -wn-