Rochow in Reckahn, der märkische Selbstdenker - "Vernunft fürs Volk"

Das Rochow Museum Reckahn wurde am 3. August 2001 mit der Dauerausstellung
Ein Foto vom Rochow-Museum Reckahn
Das Rochow Museum in Reckahn - Foto © -wn-
"Vernunft fürs Volk. Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805) im Aufbruch Preußens" eröffnet. In 8 thematisch gestalteten Räumen bekommt man Einblicke in das Leben des Schlossherren Reckahn. Auch finden regelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Desöfteren gibt es auch eine Sonderausstellung. (z.B. im Jahr 2013 „Die Sehnsucht nach Anerkennung - Kinderrechte in Geschichte und Gegenwart“)

Adresse:
Rochow Museum Reckahn
Reckahner Dorfstraße 27
14797 Kloster Lehnin, Ortsteil Reckahn
Tel.:033835/60672

Die Öffnungszeiten des Rochow-Museum Reckahn:


November bis Februar:
Di bis So 10 bis 16 Uhr

März bis Oktober:
Di bis Fr 10 bis 17 Uhr
Sa 10 bis 18 Uhr
So 10 bis 17 Uhr
Montags (außer an Feiertagen) geschlossen.
Feiertage von 10 bis 17 Uhr.

Eintrittspreise Dauerausstellung:


Kombi-Ticket Rochow-Museum & Schulmuseum 5€
Schüler, Studenten 1,50€
Führungen 1,50€ ab 10 Personen zzgl. Museumseintritt

Informationen über das Rochow Museum in Reckahn


Vorsicht - wenn jemand eine Losung wie "Vernunft fürs Volk" im Munde führt. Immer mal wieder bestimmen zur Macht Gekommene, was für das Volk gut und günstig sei. Die versuchte Menschheitsbeglückung führt oft zu nichts anderem als Bonzenarroganz, Diktatur, schlimmstenfalls zu Terror. Einzig der abgesetzte deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) war des Erziehens seiner Untertanen müde geworden. "Schweinebande" war die letzte Botschaft aus dem niederländischen Exil. Erbost auch der ostdeutsche Schreiber Kurt Barthel; er beschimpfte die "unvernünftigen" weil streikenden Bauarbeiter im Juni 1953 in der Ostberliner Stalinallee nach Gutsherrenart mit den Worten: "Da werdet ihr sehr viel und sehr gut mauern … müssen, ehe euch diese Schmach vergessen wird." Dagegen gibt es Mitte des 18. Jahrhunderts im absolutistischen Preußen den epochemachenden Versuch eines tatsächlichen Gutsherrn, Vernunft und Volk anzunähern. Mann der Tat ist Freiherr Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805), ein christlicher Philanthrop, dessen unerschütterliche Menschenliebe keineswegs davon abhängt, ob und wie ihn die Bauernfamilien des ererbten Sprengels verehren oder geringschätzen.

An einem Tag im Jahre 1760 spaziert der frühe Kriegsinvalide durch eine seiner Besitzungen, den Flecken Reckahn am Ufer des Havelnebenflusses Plane zehn
Kilometer südlich von Brandenburg. Durch den Kot der Dorfstraße wandelnd fasst er einen denkwürdigen Entschluss, der noch heute einen guten Grund abgibt, den entlegenen Weiler einmal in Augenschein zu nehmen. Rochow will die kränkelnde Landwirtschaft mit ihren ausgelaugten Äckern und dem dürftigen Viehbestand intensivieren. Fruchtwechsel, neue Kulturpflanzen und Düngung sollen helfen. Doch wo anfangen? Zwar hat er als Inhaber der Patrimonialgerichtsbarkeit Macht über die von ihm abhängigen Kossäten und Hintersassen. Aber er sieht, was mangelnde Bildung aus ihnen macht: Die verarmten Landmänner sehen verdrossen bis aggressiv in seine Richtung, wenn er sich nähert. Kinder in schleißiger Kleidung gaffen ihn an. Schlecht unterrichtet sind sie, pauken in der Schule Bibeltexte aus nebelhaft bleibenden Wörtern wie Apokalypse, Gelübde oder gar Lamm, das Hochzeit feiert. Schleierhaft bleibt ihnen, warum sich die Leute zu Jesus Zeiten Salbe auf den Kopf schmierten oder in der Rage die Kleider zerrissen - alles böhmische Dörfer. Auch ihr wohlmeinender Gutsherr, der in den Bauernkindern die Zukunft sieht und sie deshalb besser bilden will, hat dabei keine Berater, kann sich auf keine Lehrbücher stützen. Um zwischen Bibel und Fibel ein neues Verhältnis zu schaffen, muss er "Selbstdenker" sein, und er wird sein Vorhaben als einen Akt "werkthätiger Nächstenliebe" ausführen, der seine geschichtlichen Spuren bis heute hinterlässt.

Aufgrund seiner pädagogischen Studien avanciert der Autodidakt Rochow bald zu einem der "unterrichtetsten, urteilfähigsten Edelleute Brandenburgs". 1773 ist es soweit. Er eröffnet eine zweiklassige Dorfschule, in der es keine körperliche Züchtigung mehr gibt und die ein völlig anderes pädagogisches Grundverständnis hat. "Der erste Unterricht für Kinder … sei so sinnlich und angenehm als nur möglich", heißt es in einer Beschreibung der Reckahner Schule. Der Lehrer fange nicht sogleich mit dem Unterricht an, sondern beginne eine Unterhaltung, in der die Kinder die sie interessierenden Dinge aus ihrem Lebensbereich möglichst genau beschreiben. Aufmerksamkeit, Wissbegierde und die Fähigkeit zum Nachdenken stehen für Rochow vor der Aufnahme von Wissen. Sein Leitsatz: Nur das Verstehen dessen, was gelehrt wird, macht das Lernen nützlich. So begreift man auch, dass er seiner Abhandlung "Vom grossen Werthe des beständigen Frohsinns oder der guten Laune bey einem Schullehrer" erhebliche Bedeutung beimisst. Rochow lässt den ersten hauptberuflichen Volksschullehrer in Preußen ausbilden, der später eine Wohnung in der Schule bezieht und von seinem Gehalt leben kann - eine kleine Revolution. 1772 hatte er den "Versuch eines Schulbuchs für Kinder der Landleute" veröffentlicht. "Der Kinderfreund - Ein Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen" folgt kurz darauf. Das Buch enthält unterhaltsame gleichnisartige Geschichten für Kinder. Sie handeln von menschlichen Torheiten und Triumphen, vom Unterschied zwischen Auswendiglernen und Begreifen, von der Kunst ohne Reue fröhlich zu sein oder davon wie man durch Lernen und Fleiß "rechtmäßig in bessre Umstände" kommt. "Der Kinderfreund" erschien zuletzt 2006 in einem Faksimile-Druck - über 225 Jahre nach der ersten Auflage.

Heute kann man im Örtchen das Herrenhaus (Foto), den Gutspark, die Barockkirche - vor allem das original rekonstruierte Schulhaus - besichtigen, mit dem der Freiherr deutschlandweit bekannt wird. Das Rochow-Museum Reckahn mit seiner Dauerausstellung in acht thematisch gestalteten Räumen wurde als "kultureller Gedächtnisort" in das "Blaubuch" der Bundesregierung mit bedeutsamen Kultureinrichtungen in den neuen Bundesländern eingetragen. Gutsherrenart kann eben auch anders sein.

Der Weg zum Rochow-Museum Reckahn
Von Berlin aus sind die Autobahnen A115, A10 und A2 Richtung Brandenburg zu empfehlen. An der Abfahrt Brandenburg benutzt man die Bundesstraße 102 Richtung Süden und biegt nach zwei Kilometern auf die Landstraße 6948 nach Reckahn ab.
Text -wn-



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