Booktown & Bunkerstadt: "Klein Moska" in Wünsdorf Für leidenschaftliche Bücherwürmer, insbesondere solche, die am liebsten jene Wälzer lieben,
Bücherstadt & Bunkerstadt Wünsdorf
Ruine der "Tarnstadt" oberhalb der Bunkeranlagen
Foto © ak
deren vergilbte Seiten den Charme einer echten Antiquität ausstrahlen, gibt es einen echten Geheimtipp: die Wünsdorfer Bücherstadt auf der ehemaligen Sowjet-Kommandozentrale für in Deutschland stationierte Truppen, damals auch "Klein-Moskau" genannt. Hier kann man stundenlang durch die endlosen Regalreihen der liebevoll eingerichteten Antiquariate stöbern und für Schnäppchenpreise echte Perlen internationaler Weltliteratur erstehen. Historische Karten und Dokumente, Schallplatten und andere Tonträger sind ebenfalls im Sortiment. Die Antiquariate sind also nicht nur ein Mekka für Bibliophile.

Die zündende Idee, eine Booktown, d.h. ein Buchantiquariat in der Größenordnung einer ganzen Stadt aus dem Boden zu stampfen, hatte in den 60er Jahren der Brite Richard Booth, ein Konzept das auch in Belgien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz, den USA und Japan Nachahmer fand. Seit dem Abzug der letzten Rotarmisten im September 1994 von dem 590 Hektar großen Militärgelände östlich von Wünsdorf kann sich auch Deutschland mit solch einer Booktown rühmen. Ursprünglich sollten hier etwa 30 Antiquariate zum Schmökern einladen, etabliert hat sich allerdings nur eine Hand voll. Doch auch wenn die Wünsdorfer Bücherstadt südlich von Berlin etwas dezenter als geplant ausgefallen ist, büßt der Ort nichts an Attraktivität ein. Vor allem die fast wöchentlich stattfindenden Lesungen oder Talkrunden mit Promis aus Kultur und Politik sind meist restlos ausverkauft. Gäste wie der Ex-Politiker Björn Engholm, der Tatort-Kommisar Peter Sodann oder Operstar Jochen haben sich hier bereits die Ehre gegeben.

Touristenmagnet Nummer 1 sind in allerdings nicht die Bücher, sondern die Bunker. Fast täglich bietet die Bücherstadt spannende Führungen durch die unteririschen Stollen der riesigen Bunkeranlagen, die sich ebenfalls auf dem Areal befinden, an. Dazu muss man sich allerdings warm anziehen, denn auch im Hochsommer herrschen metertief unter der Erdoberfläche frostige Temperaturen um die 10 Grad celsius oder kühler. Ausgerüstet mit einer Taschenlampe geht's dann ab in den Untergrund, der bereits während dem 2. Weltkrieg vom Oberkommando des Deutschen Heeres genutzt und später von den Sowjets im großen Stil zur Schaltstelle zwischen Berlin und Moskau erweitert worden ist.
Während an der Erdoberfläche eine Tarnstadt den wahren Zweck der Anlage vertuschen sollte, offenbart sich dem Besucher 20 Meter tiefer die geheimnisvolle Unterwelt mit endlosen Stollen, rund 150 Diensträumen, Sprengbereichen, Werkstätten, Lager, Sanitäranlagen, Küche, Speisesaal und natürlich jeder Menge historischer Fernschreibtechnik. Von hier aus wurde auch der 2. Weltkrieg verkündet.

Über ein dutzend Jahre sind inzwischen seit dem fluchtartigen Abzug der Sowjets vergangen, doch noch immer steckt die einst von einer 17 Kilometer langen Betonmauer umgebene Bunkerstadt voller ungelüfteter Geheimnisse. Schließlich befanden sich auch die roten Knöpfe, über die im Ernstfall Jagdflugzeuge oder Raketen aktiviert werden konnten. Und da Leitstellen in dieser Bauart auch noch in Russland und anderen früheren Ostblockstaaten existieren, unterlagen sie höchster Geheimhaltung. Noch immer ist nicht ganz geklärt, ob nicht irgendwo hinter riesigen Schuttbergen noch weitere, bisher unentdeckte Stollensysteme liegen. Doch aufgrund der großen Einsturzgefahr traut sich keiner so richtig an die Lüftung des Geheimnisses heran…

Zum weitläufigen Areal der Bücher- und Bunkerstadt gehört auch das Garnisonsmuseum, das sich mit dem Leben der russischen Soldaten und Zivilisten auf dem Gelände beschäftigt. In einem riesigen rund 900 Bauten umfassenden Kasernenkomplex lebten rund 30.000 Armeeangehörige. Wen es reizt, einen teil dieser immer noch vor sich hin bröckelnden "Verbotenen Stadt" zu besichtigen, kann in den Sommermonaten an organisierten Wanderungen teilnehmen, die in ansonsten unzugängliche Bereiche der Militärstadt führt. Ein besonderes Erlebnis sind zweifellos auch die Bunkerführungen bei Nacht, an denen man im Juli und August immer freitags ab 22.00 Uhr teilnehmen kann. Gruselfaktor ist garantiert!

Weitere Infos unter: www.buecherstadt.com
Text: ak



Mehr Infos aus dem Landkreis Teltow-Fläming

Atombunker Harnekop bei Straußberg
Mehr Ausflugstipps für Berliner und Brandenburger

Lesen Sie auch: - Das Berliner Wasser
- Museum für Film und Fernsehen
- Polizeiberichte aus Berlin
Kleinanzeigen: - Stellenmarkt Berlin
- Wohnungsmarkt Berlin Brandenburg
- Automarkt Berlin
 
Brandenburg Cottbus Frankfurt Potsdam
Barnim Elbe-Elster Havelland Märkisch-Oderland Oberhavel Oberspreewald-Lausitz Oder-Spree Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Prignitz Spree-Neiße Uckermark Rezepte Veranstaltungen Berlin & Brandenburg News Blog Internes Werbung buchen AGB's