Der Wildpark Johannismühle: Wolfsmanagement gegen Rotkäppchensyndrom Käme einer der Brandenburgischen Wölfe mit Migrationshintergrund aus der Lieberoser Heide nördlich
Eingang Wildpark Johannismühle
Foto © wn
von Cottbus auf die Idee, einmal zum 100 Hektar großen Baruther Wildpark Johannismühle hinüberzuschnüren, führe ihm bald die aufreizende Witterung mehrerer, wenn auch nicht frei geborener Artgenossen in die Nase. Was er für ein Rudel hielte, sind zum einen - unfassbar für ihn - "entscheute" Polarwölfe, die von Kindesbeinen an Menschen als heulunfähige Mitwölfe betrachten und es sogar lernten, in einer WG drei Bärinnen ungereizt aus dem Weg zu gehen. In einem anderen 7000 Quadratmeter großen Gehege mit Tümpel, einem Fünf-Sterne-Unterstand aus alten Baumstämmen und dickem Geäst und Hügeln zum Äugen und Winden leben zwei Grauwölfe, die harte Zeiten hinter sich haben. Rufus und Akela sind Rekonvaleszenten, die unlängst bei einem Brandenburger Zucht-Pfuscher beschlagnahmt wurden. Der Mann versuchte, Wölfe und Hunde zu kreuzen - ein eklatanter Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen von 1973. Hybriden aus solchen Experimenten werden meist hochgradig ängstlich und haben trotz oder gerade wegen dieser anormalen Hypersensibilität die Seelenlage von Kampfhunden.

Das artgerechte, glückliche Wolfsleben im Wildpark führte nicht dazu,
dem neuartigen Wolfsproblem beizukommen: Isegrims Rückkehr nach Deutschland. Keine Tierart in Johannismühle hat ein so schlechtes Image wie er; anders als das umtriebige Schwarzwild, das am Rande Berlins ganze Gärten umpflügt, oder das als possierlich eingestufte Rot- und Dammwild, das im Wildpark frei herumläuft. Vertraut erscheinen Wisente, Auerochsen, nachgezüchtete Koniks, eine osteuropäische Ponyrasse, derb-robuste mongolische Wildpferd-Hengste, benannt nach ihrem Entdecker, den russischen Asienforscher Nikolai Michailowitsch Przewalski (1839-1888). Zusammen mit Luchs und Bär haben sie das Ansehen von liebenswerten Exoten, dessen Alltagstreiben man gern gegen Eintritt beobachtet.

Zum Wolf hingegen besteht Abstand. Kein Wunder angesichts der langjährig üblen Nachrede. Der Koran schildert ihn als Menschenfresser, die Bibel als Symbol der Gottlosigkeit. In den Grimmschen Hausmärchen schleicht er als ein blutrünstiger Zehengänger durchs Land, der mal schnell sechs von sieben Ziegen, andernorts eine Greisin und ein Girlie gleich mit Kappe frisst. Selbst eines der großartigsten Werke der sinfonischen Programmmusik - "Peter und der Wolf" von Sergei Prokofjew (1891-1953) - lebt vom Bild des bösartigen Beutegreifers. Dunkel klingende Hornstöße, begleitet von düsternen Streicherbässen führt zu erster Gänsehaut im Saal.

Und dieses Tier kommt nun von Osten her nach Deutschland zurück, ohne sich an Oder, Spree oder Neiße nennenswert aufhalten zu lassen. Im November 2000 beobachteten Revierförster auf einem Truppenübungsplatz in der sächsischen Oberlausitz zwei Alttiere mit vier Jungen. Eine Sensation! Deutschland hatte nach über 150 Jahren wieder ein Rudel Wölfe! Seit Juli 2007 scheint sich Meister Isegrim auch im Brandenburgischen eingerichtet zu haben. Hier erkannte der Wildpark Johannismühle seine Aufgabe. Er rettete nicht nur Rufus und Akela vor einem grämlichen Leben im Gnadenbrot-Zwinger. Der Wildpark bemüht sich - parallel zu vergleichbaren sächsischen Maßnahmen - um ein Wolfsmanagement, das der Urangst vor diesem scheuen Raubtier mit hoch entwickeltem Sozialverhalten entgegenwirken soll. Ziel ist es, alles für eine möglichst konfliktarme Koexistenz von Mensch und Wolf zu tun.

Ein 1. Wolfstag in Johannismühle im Frühjahr 2008 formulierte die Aufgaben der nächsten
Jahre für das Wolferwartungsland Brandenburg, wo die Tiere ehemalige und sogar genutzte Truppenübungsplätze als Aufenthalts- und Rückzugsgebiete annehmen. Mit allerlei falschen Annahmen über die Gefährlichkeit des Wolfs soll aufgeräumt werden. Nichts wird verharmlost. Nachdem im Frühjahr 2002 Wölfe in der Nähe des Dorfes Mühlrose in einer Nacht 33 Schafe rissen, trat unter den ortsansässigen Schäfern und Kleintierhaltern das Rotkäppchensyndrom vehement zutage. Das Mühlroser Massaker ist nachweislich eine Ausnahme. Wölfische Übergriffe auf Nutztiere sind selten und stehen in keinem Verhältnis zu den etwa sechs tödlich endenden Hundebissen jährlich in Deutschland. Die Wolfssachverständigen beider Bundesländer beraten jetzt vor allem die Schäfer bei den nächtlichen Einfriedungen der Herden. Das generelle Management-Ziel ist es, die Ausbreitung des derzeitigen Wolfsbestandes zuzulassen, damit sich eine dauerhaft lebensfähige Population entwickeln kann, ohne dass die Interessen von Schäfern und Jägern verletzt würden. Kurzum: Der Jubelruf im Märchen "Der Wolf ist tot!" wird ersetzt durch die erfreuliche Feststellung "Der Wolf ist da, und er soll bleiben!"
Text: wn


Wie komme ich zum Wildpark Johannismühle?
Der Wildpark Johannismühle liegt ca. 45 km südlich von Berlin zwischen Baruth und Golßen. Über die A 13 (Abfahrt Baruth) oder die Bundesstraße 96 ist er aus dem Raum Potsdam, Berlin, Frankfurt/Oder, Dresden und Cottbus erreichen.

Der Tierpark Berlin
Der Berliner Zoo
Mit dem Fahrrad durch den Spreewald - Unterwegs auf dem Gurken-Radweg
Go-Kart fahren im Freizeitpark Löschen
Infos über Schloss Diedersdorf
Das Zisterzienserkloster Zinna und seine Klosterbrüder

Mehr Ausflugstipps für Berliner und Brandenburger

Lesen Sie auch: - Das Berliner Wasser
- Museum für Film und Fernsehen
- Polizeiberichte aus Berlin
Kleinanzeigen: - Stellenmarkt Berlin
- Wohnungsmarkt Berlin Brandenburg
- Automarkt Berlin
 
Brandenburg Cottbus Frankfurt Potsdam
Barnim Elbe-Elster Havelland Märkisch-Oderland Oberhavel Oberspreewald-Lausitz Oder-Spree Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Prignitz Spree-Neiße Teltow-Fläming Uckermark Rezepte Veranstaltungen Berlin & Brandenburg News Blog Internes Werbung buchen AGB's