Glas & Geschichte: Das Museumsdorf Glashütte im Baruther Urstromtal

Geschichtsträchtige und denkmalgeschützte Orte gibt es in Brandenburg viele, doch Glashütte in der Nähe der märkischen Ortschaft Baruth ist einzigartig. Hier, im
Museumsdorf Glashütte
Die Baruther Glashütte - Foto © ak
Baruther Urstromtal steht gleich ein ganzes Dorf unter Denkmalschutz. Und das nicht ohne Grund: Das lebendige Museumsdorf Baruther Glashütte mit rund 30 Gebäuden ist der schönste und besterhaltene Glasmacherort Deutschlands. Zwar besitzt die Produktion von Glas gerade in Brandenburg, wo ihre wichtigsten Ausgangsstoffe, Pottasche, Kalk und Sand, sowie der Brennstoff Holz überall ausreichend vorhanden waren, eine jahrhundertealte Tradition. Doch von den ehemals fast 100 Standorten der Glasherstellung in der Mark ist lediglich Glashütte in der ursprünglichen Form erhalten geblieben. Ein echtes Juwel also, das auf jeden Fall einen Ausflug lohnt.

Geschichte der Glashütte in Baruth


Während hier in Glashütte früher bis zu 200 Industriearbeiter an den lodernden Glasöfen schufteten, haben sich heute in dem Ensemble aus Werksiedlung und
Fabrikgebäuden zahlreiche Kunsthandwerker niedergelassen. So ist die ehemalige Försterei heute ein Kräuterladen, der Packschuppen eine Galerie, das Arbeiterhaus eine Filzwerksatt, die Ätzerei und Stempelstube eine Schmiedewerkstatt, die Schule eine Museumsherberge und der alte Kohleschuppen ein Glasladen samt Fahrradverleih. Hier kann man den Töpfern, Modedesignern, Schmieden, Filzern und Glasbläsern ausgiebig beim Arbeiten über die Schulter gucken und bei der Gelegenheit das ein oder andere hübsche Mitbringsel erstehen.

Ein kleines Museum entführt zudem in die Geschichte des faszinierenden Glasmacher-Handwerks, eine Zeit, die gar nicht sooo weit zurückliegt wie man vielleicht denkt. Von 1716 bis 1980 wurde hier Glas industriell produziert. Die Blütezeit des Industriestandorts liegt allerdings schon etwas länger zurück und so verwundert es kaum, dass viele der liebevoll restaurierten Backstein- bzw. Klinkerhäuser vom Baustil des 19.Jahrhunderts zeugen. 1844 etwa wurden pro Monat allein 50 000 Lampenschirme und 300 000 Zylinder für Petroleumlampen produziert. Die Glashütter Erzeugnisse wurden zum Exportschlager und erlangten nach ihrer Präsentation auf Industrie- und Weltausstellungen in Berlin, London und Paris internationalen Bekanntheitsgrad und die Nachfrage nach ihnen stieg. Einen besonders guten Absatz hatten in den 20er und 30er Jahren Lampenschirme aus Achat- bzw. Milchglas sowie Gärballons aus einem speziell entwickelten Craquelé-Glas. Zu einer echten Berühmtheit wurde übrigens auch der Glashütter Einwohner Reinhold Burger, nachdem er mittels Vakuumtechnik die erste Thermosflasche erfunden hatte.

Wer in dem malerischen Museumsdorf gleich richtig Urlaub machen will, z.B. für ein (verlängertes) Wochenende, kann sich relativ preisgünstig in der Museumsherberge einbuchen. Wer's hingegen richtig urig haben will, entscheidet sich für authentisches Wohnen in einer Arbeiterwohnung im Stil der 1930er Jahre. Doch Vorsicht! Die Zeitreise in die Zwischenkriegszeit bedeutet konkret: Holz- und Kohleheizung, Kochmaschine, Wasser aus der Pumpe im Hof und Plumsklo im Schuppen hinter dem Arbeiterhaus. Doch egal ob moderner Komfort oder Hausen wie zu Omas Zeiten in der Weimarer Republik Freizeitvergnügen für einen erlebnisreichen (Kurz-)Urlaub gibt es im nahen Umfeld jedenfalls en masse. So sind etwa der ausgedehnte
Fläming-Skate, der Wildpark Johannismühle oder der Go-Kart-Spreewaldring nur einen Katzensprung entfernt. Übernachtungsgästen steht außerdem ein Biobadeteich inklusive Beachvolleyballplatz zur Verfügung. Wer dabei von einem durchziehenden Tief überrascht wird, braucht noch lange kein Trübsal zu blasen.
Das Südseeparadies "Tropical Islands" in Brand ist in 20 Autominuten erreicht.

Weitere Informationen unter: www.museumsdorf-glashuette.de
Text: ak / Stand: 03.04.2014

Adresse:
Museumsdorf Glashütte
Hüttenweg 20
15837 Baruth/Mark GT Glashütte
Tel.: 033 704/ 9809-14

Öffnungszeiten Museumsdorf Glashütte:


Glasmuseum
Januar/Februar:
Mi-So, 10.00-16.00 Uhr und auf Anfrage;
während der Winterferien: Di-So 10.00-16.00 Uhr geöffnet

März:
Di-So, 10.00-16.00 Uhr

April bis Oktober:
Di-So, 10.00-18.00 Uhr

November/Dezember:
Di-So, 10.00-16.00 Uhr

Eintrittspreise des Glasmuseum:


Erwachsene 5,50€
Kinder 3,00€
Familienkarte 13,00€
Schwerbeschädigte 3,00€



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