Die Hundertjährigen von Mirow - Das Forst-Arboretum Erbsland

Die Affäre damals im ältesten Arboretum der Menschheitsgeschichte bleibt erinnerlich bis auf den heutigen Tag.
Forst-Arboretum Erbsland
Foto © wn
Zwei unbekleidete Personen beiderlei Geschlechts rissen in dem Forstgarten Eden Früchte von einem unter Naturschutz stehenden alten Solitärbaum mit dem Nomenklaturnamen Baum der Erkenntnis. Hernach brachen sie von umstehenden Feigenbäumen Zweige ab und fertigten aus den handgroßen ledrig-steifen Blättern Lendenschurze. Nach Bekanntwerden des Übergriffs sprach das Garten-Management gegen die beiden sie hießen Adam und Eva einen unbefristeten Platzverweis aus. Die auch als Paradies bekannte Liegenschaft wurde fortan von geflügelten Feldhütern bewacht.

Das Forst-Arboretum Erbsland


Einen solchen Ort ruhigen Wachstums und friedlichen Daseins glaubte der niederdeutsche
Dichter Fritz Reuter (1810-1874) in jener Gegend wieder zu erkennen, wo sich die Neustrelitzer Kleinseenplatte und das zu Brandenburg gehörende Fürstenberger Wald- und Seengebiet zu einer sanften, flachhügeligen Landschaft verpaaren. Diese Gemarkung mit ihren eingestreuten Seen legen den Gedanken nahe, man habe es mit dem Werk eines kreativ gestimmten Schöpfers zu tun. In diesem Sinne muss man Reuters lokalpatriotischen Satz verstehen: "Das Paradies muss hier gelegen haben". Selbst wer dem nicht folgen will und den Waldungen aus allgegenwärtigen Hochstamm-Kiefern nichts Elysisches abgewinnen kann, wird jedoch von dem forstlichen Kleinod beeindruckt sein, das an bestimmter Stelle in ihnen verborgen ist. Die Rede ist von einem der ältesten deutschen Arboreten, vom über 120 Jahre alten forstbotanischen Garten Erbsland bei Mirow. 1886 ließ der damalige Öberförster Friedrich Scharenberg (1821-1901) auf einer sieben Hektar großen Freifläche aus Geschiebelehm fünfzig wuchsfreudige ausländische Baumarten mit dem Ziel anpflanzen, deren Eignung für einen Aufwuchs im deutschen Wald zu prüfen, um dessen Artenarmut zu überwinden.

Dreißig Baumarten demonstrieren seitdem mit eindrucksvollen Wuchsleistungen wie fest und tief sie in deutscher Erde wurzeln können. Eine Douglasie erreichte bisher 42 Meter, und die zwölf Riesenküstentannen aus Nordamerika kamen bei der 40-Meter-Marke an, während einheimische Bäume meist mit 20 bis 25 Metern Höhe zurückstehen. Auch die mexikanische Goldkiefer hat es mittlerweile auf 40 Meter gebracht. Der Riesenlebensbaum tritt erst jetzt, nach einem Zehntel seiner möglichen Lebenszeit, in eine pubertär stürmische Wachstumsperiode ein. Nur die Asiatische Zwirbelkiefer, die Tränenkiefer aus dem Himalaja und die nordamerikanische Balsamtanne konnten sich nicht mit den deutschen Zuständen abfinden und gingen ein. Trotz seines forstwissenschaftlichen Wertes war dem Arboretum in den Zeitläuften ein unerwartetes Schicksal beschieden: gleich zweimal wurde es vergessen. Friedrich Scharenberg hatte das Baumverzeichnis vor seinem Tod niemandem übergeben. Und bis auf ein paar Rechnungen der Gladbecker Samenhandlung blieben die Unterlagen unauffindbar. 1905 begannen deshalb Forstbeamte, die wieder entdeckten Bäume neu zu bestimmen. 30 Jahre später verschwand der Forstgarten erneut aus dem öffentlichen Bewusstsein. Während des Zweiten Weltkrieges befand er sich in einem gesperrten Versuchsgelände der Nazi-Luftwaffe. 1953 fielen dem Forstmeister Otto-Heinrich Curschmann bei einem Pirschgang die eigenartigen Bäume im Erbsland auf. Seitdem werden die Bestände von den Forstleuten sorgsam betreut.

Dazu werden ganze Förstergenerationen langen Atem brauchen. Die Bäume haben, wenn alles gut geht,
noch Jahrhunderte vor sich: die Weymouthskiefer kann 500, die Amerikanische Rotfichte 400, der Tulpenbaum gar 700 Jahre alt werden. Die Neuanpflanzungen zwischen 1958 und 1966 mit einberechnet, wird der letzte Baum vermutlich um das Jahr 3000 in den Zustand der Altersschwäche fallen. Wegen der Langwierigkeit des Baumwachstums kann man genauere Voraussagen nicht treffen. Gelegentlich aber tritt einer der Gelehrten mit einer denkwürdigen These hervor wie der Chemnitzer Universitäts-Professor Dr. Hans-Dieter Langer. Er überraschte in seiner Abhandlung "Das geophysikalische Standortproblem der Solitärbäume" mit einer beispiellosen Feststellung: Eine Eigenschaft der alten Bäume, schrieb er, sei deren "prinzipielle Immobilität". Mit anderen Worten: Manches kann passieren, davonlaufen können sie aber nicht. Es ist zu vermuten, dass sich auch der sächsische Professor mal kurz an einem verbotenen Baum der Erkenntnis bediente.

So ist das Arboretum zu erreichen:
Von Berlin aus auf der B96 Richtung Neustrelitz. Kurz vor Neustrelitz nach links auf die Straße L252 abbiegen, geradeaus weiter auf der Mirower Chaussee, hinter Zirtow rechts Richtung Qualzow abbiegen. Am Ortseingang beginnt der nur am Beginn gezeichnete Fußweg ins Arboretum. Weitere Markierungen fehlen! Eine Wanderkarte, zumindest eine Vorinformation bei Google Earth sind unerlässlich. Das Forstamt Mirow organisiert Führungen: Tel.: 03833 26190
Text: -wn-

Zu diesem Artikel gibt es eine Anmerkung von Dr. habil. Hans-Dieter Langer, der im Artikel namentlich erwähnt wird! Diese veröffentlichen wir hier:

[ Zitiert man den Satz aus einer meiner Veröffentlichungen über ein bemerkenswertes geophysikalisches Standortproblem der Solitärbäume vollständig, so lautet er wie folgt:
" Am Beispiel der Bäume, die aufgrund ihrer Größe und prinzipiellen Immobilität die aus dem besonderen Zustand des Standortes resultierenden Effekte überaus anschaulich machen, wird ein phänomenologisch-quantitativer Zugang (zur Neutronotropie) entwickelt."
Immerhin haben Messungen der natürlichen Neutronenstrahlung gezeigt, dass das irdische Neutronenfeld in der Biosphäre stationär strukturiert ist, d.h., es existieren im Raum Neutronenstrahlen und -gradienten. Bedenkt man das hohe Strahlenschadens-Potential der Neutronen (n), muss man sich nicht wundern, dass Bäume unter anderem durch Fluchtreaktionen reagieren, wenn sie solchen n-Strahlen bzw. n-Gradienten ausgesetzt sind.

Ein eindrucksvolles Beispiel: H-Atomkerne absorbieren Neutronen besonders stark. Daher ist die n-Dichte über Gewässerflächen geringer als über dem benachbarten Land. Dazwischen befindet sich ein Übergang bzw. Gradient der n-Dichte. Der Baum flüchtet sprichwörtlich auf seine Weise, indem er schräg über das Wasser wächst, wo weniger Neutronen sind. Oft gehorcht er später noch mit einem Knick der Geo- und Fototropie, siehe Skizze.

Skizze: Baum - Wasser

Schlussfolgerung: Neutronotropie ist stärker als Geo- und Fototropie zusammen. Dies ist ein bemerkenswertes Forschungsergebnis der Siedlungsphysik und ein in der Biologie noch weitgehend unberücksichtigtes, fundamentales Naturphänomen.
Ich empfehle einen Besuch des Neutronengartens ( drhdl.de: Neutronengarten.pdf).
Dr. habil. Hans-Dieter Langer, Niederwiesa ]


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