Die Oder in Brandenburg - Naturschauspiel am Grenzstrom

Immer wieder hat es die Oder in die Schlagzeilen geschafft, sei es früher als Grenzmarkierung zum polnischen Nachbar oder im Zusammenhang mit Hochwasserkatastrophen, die die Menschen entlang ihres Verlauf immer wieder heimsuchen. In allererster Linie ist die Oder, die in Tschechien entspringt, durch
Oder in Brandenburg
Das Oderbruch in Brandenburg
Foto: wn
Polen und Deutschland fließt und um die Inseln Usedom und Wolin herum ins Stettiner Haff mündet, aber eines: ein Naturparadies, das deutschlandweit seinesgleichen sucht.

Die Oder - der große Fluss in Brandenburg

Ihr Name ging aus dem altindischen Sanskrit hervor: "Oder" heißt so viel wie "Der Fluss, der ständig seinen Lauf ändert". Das trifft auch wirklich zu, denn in der Tat verlief die Oder einmal ganz anders. Früher war der Fluss ganze 190 Kilometer länger, doch im Jahr 1741 wurde er unter der Preußischen Regierung um fast ein Viertel seiner Länge gekürzt. Zahlreiche Mäander wurden "abgeschnitten" , um den vielarmigen Strom für die Schifffahrt besser nutzbar zu machen. Nach der Begradigung ist die Oder mit nunmehr noch 866 Kilometern immer noch einer der größten Flüsse Deutschlands. Größer als die Oder sind nur die Elbe, der Inn, die Donau und der Rhein.

Bis zur Begradigung des Flusses im 18. Jahrhundert waren die Menschen, gerade im Oderbruch zwischen Lebus, Küstrin und Bad Freienwalde, ständig mit
Überschwemmungen konfrontiert. Immer wieder gab es einen harten Kampf zwischen Mensch und Wasser. Größere Ansiedlungen am Fluss waren auf diesem Sumpfgebiet so gut wie unmöglich. Einige Orte waren sogar so winzig, dass sie nicht einmal eine Kirche oder einen Friedhof hatten. Nachdem Friedrich II. die Oder verkürzte, änderte sich das Leben im Oderbruch. Großflächig konnten nun Zuckerrüben, Getreide, Raps, Gemüse und sogar Tabak angebaut werden. Vor den Toren Berlins war damit ein großer "Gemüsegarten" entstanden.

Nachdem die vielen Großgrundbesitzer nach dem Zweiten Weltkrieg durch das DDR-Regime enteignet und das Land unter den Arbeitern aufgeteilt worden war, geriet der Landstrich, durch seine neue Grenzlage ohnehin im Abseits, in Vergessenheit. Große Presse bekam die Oder erst wieder bei der Flutkatastrophe im Jahr 1997. Spätestens seit diesem Datum weiß man, dass die Zähmung des Flusses gleichzeitig auch ein großes Risiko bedeutet. Denn in einem begradigten Fluss fließt das Wasser sehr viel schneller und unkontrollierter. Eine Flutwelle wird viel wahrscheinlicher. Renaturierungsmaßnahmen werden seitdem wieder mit größerem Nachdruck geplant und umgesetzt.

Die Oder - Ein interessantes Plätzchen für Naturfreunde


Ein herrliches Naturschauspiel bietet die Oder nichtsdestotrotz. Eines ihrer schönsten Gesichter zeigt der Fluss im Nationalpark Unteres Odertal, zwischen Hohenstaaten und Stettin. Durch ihre Funktion als Grenzstrom zwischen Deutschland und Polen wurde das Grenzgebiet hier mehr oder weniger sich selbst überlassen und die Natur hat das Kommando übernommen. Seitdem hat sich hier eine faszinierende Flusslandschaft herausgebildet. Die großflächige Flussauenlandschaft ist ein Refugium für etliche seltene Tiere und Pflanzenarten. Aufgrund der Artenvielfalt in den Wasserläufen, Sumpfgebieten und Moorflächen erhielt das Untere Odertal 1995 den Status deutsch-polnischer Nationalpark. Hier wachsen Seerosenteppiche, Sumpfdotterblumen, Sibirische Glockenblume, Schwimmfarne und die seltene Flaumeiche, die es sonst nirgendwo in Brandenburg gibt. Dazu gesellen sich Seeadler, Kraniche, Fischottern und Biber. Da das Gebiet als Totalreservat gilt und sich hier nur Wissenschaftler und Nationalparkmitarbeitern frei bewegen dürfen, muss man sich als Besucher der Oderwelt an das vorgeschriebene Wegenetz halten. Viele Rad- und Wanderwege am Rande des Nationalparks führen immer wieder zu Aussichtspunkten, die den Blick auf die unversehrte Auenlandschaft freigeben. Deichwege ermöglichen ausgedehnte Wanderungen und Radtouren.
Text: ak

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