Der Baum des Jahres 2007 : die Kiefer
Potsdam/Berlin – Die Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris), der Charakterbaum Brandenburgs, hat das Rennen gemacht und wird der 19. Baum des Jahres. Da die vorangegangenen Jahresbäume überwiegend seltene, gefährdete oder gar vom Aussterben bedrohte Baumarten waren oder sensible und schutzbedürftige Ökosysteme repräsentierten, ist diese Entscheidung für Brandenburgs wichtigste Wirtschaftsbaumart eine echte Überraschung.
Das „Kuratorium Baum des Jahres“ wählte auf Vorschlag der Landesforstanstalt Eberswalde die Kiefer zum „Baum des Jahres 2007“. Die Proklamation erfolgte heute im Berliner Zoologischen Garten. Damit setzte sich die Kiefer in geheimer Abstimmung gegen die Konkurrenz anderer aussichtsreicher Kandidaten durch.
„Bei der Wahl zum Baum des Jahres 2007 ging es dieses Mal nicht um eine vordergründig gefährdete, sondern um eine oftmals verkannte Baumart mit großer wirtschaftlicher, ökologischer und landschaftsprägender Bedeutung besonders für Brandenburg“ erklärte Brandenburgs Forstminister Dietmar Woidke (SPD). „Die Kiefer hat diese Würdigung in besonderem Maße verdient. Diese Wahl wird helfen, die Besonderheiten dieser Baumart und somit auch die Belange der Forstwirtschaft vielen Menschen näher zu bringen“ so Woidke weiter.
Foto © drakis
Überlebenskünstlerin :
Ohne die anspruchslose Kiefer hätte nach den großen Waldverwüstungen vor 200 Jahren kein neuer Wald entstehen können, der heute die Basis für einen ökologischen Waldumbau bietet. Keine andere heimische Baumart überstand die Trockenstressperioden der jüngsten Vergangenheit so gut wie die Kiefer. Auch von künftigen Klimaänderungen dürfte sie im Vergleich zu anderen Baumarten mit Konkurrenzstärke profitieren, obwohl sie in Reinbeständen anfällig gegen Schädlinge und sehr waldbrandgefährdet ist. Daher wird der gegenwärtige Anteil der reinen Kiefernbestände in Brandenburgs Wäldern zu Gunsten von Laub- und Mischwäldern verringert, so dass die Kiefer in Zukunft eine tragende Rolle als wichtige Mischbaumart spielen wird. Den Kieferngewächsen verdanken wir neben ihrem begehrtem Holz eine reichhaltige, angepasste Tierwelt, üppige Pilzmahlzeiten, herrliche Erholungslandschaften, den Bernstein fossiler Kiefernwälder, den wohlriechenden Duft eines Saunaaufgusses und vieles mehr.
Baumart der Superlative
Das dokumentierte Höchstalter der Kiefer, die namensgebend für die Familie der Kieferngewächse ist, erreicht in Russland über 642 Jahre. Keine andere heimische Baumart hat ein so großes Verbreitungsgebiet. Es umfasst fast ganz Europa und Asien, überschreitet im Norden den Polarkreis, dringt im Süden bis an die Steppen vor und erklimmt in den Gebirgen Höhen bis 2.500 m. Kiefern gelten als Überlebenskünstler. Fossile Funde bestätigen, dass in der Familie der Kieferngewächse das Gedächtnis einer ca. 150 Millionen Jahre umfassende Entwicklungsgeschichte gespeichert ist. Nach den Eiszeiten hat sie etwa 10.000 Jahre lang gemeinsam mit der Birke die mitteleuropäischen Wälder dominiert. Kaum eine Baumart kommt so gut mit Nährstoffarmut und Trockenheit zurecht. Überhaupt ist ihr äußeres Erscheinungsbild vielfältiger als bei anderen Baumarten. Breite, flache, schmale und schlanke Krone, glatte und Schuppenrinde, Mehrstämmigkeit und die berühmten „Windflüchter“ an der Ostseeküste oder die skurilen „Heidkieker“ im Binnenland sind Spiegelbilder für Vielfalt und Anpassung.
Die Bäume des Jahres
1989 Stiel-Eiche, 1990 Buche, 1991 Sommer-Linde, 1992 Berg-Ulme, 1993 Speierling, 1994 Eibe, 1995 Spitzahorn, 1996 Hainbuche, 1997 Eberesche, 1998 Wildbirne, 1999 Silberweide, 2000 Sandbirke, 2001 Esche, 2002 Wacholder; 2003 Schwarz-Erle; 2004 Weiß-Tanne; 2005 Rosskastanie; 2006 Schwarz-Pappel; 2007 Gemeine Kiefer
Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg
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