„Bruder Wolf“ ist in Brandenburg zurück – Kassation eines Todesurteils

„Wohl uns, unseren Herden und Wildbahnen, dass dies schädlichste und gefährlichste Raubtier in allen policirten und gut gebauten Ländern entweder ganz
Wölfe in Brandenburg
Ein an Menschen gewöhnter Wolf aus dem Wildpark
Schorfheide - Foto © wn
ausgerottet worden ist, oder … doch von Jahr zu Jahr vermindert wird.“ Mit diesen selbstgewissen Worten zitiert der sächsische Jagdschriftsteller Franz Dietrich aus dem Winckell (1762-1839) im bekanntesten deutschsprachigen Jagdhandbuch des 19. Jahrhunderts ein Königliches Jagd-Edikt aus dem Jahre 1717. Unvorstellbar war damals, dass der Wolf etwas anderes als böse und gefährlich hätte sein können. „Was er einmal reißt (angreift), das wirft er gewiss“, schreibt Winckell weiter. Dabei gehört der ambitionierte Forstmann keineswegs zu den ersten Schmähern des sozial hoch organisierten und menschenscheuen Beutegreifers. Schon der alttestamentarische Prophet Jeremia (geb. um 650 v. Chr.), ansonsten ein intelligenter Seher und Mahner, nimmt ihn in der christlichen Bibel in Anspruch für das angedrohte Vertilgen der Gottlosen in Jerusalem; und er schreibt dem Tier chronische Blutgier auf den Leib. Nicht anders der muslimische Koran; in der zwölften Sure, die die berühmte Josephs-Geschichte wiedergibt, geben die neidischen Brüder vor, den vom Vater vorgezogenen Joseph – in Wirklichkeit in eine Zisterne gesperrt – habe ein Wolf gefressen. Und so trabt Canis lupus verfolgt und verpönt – zumindest in Mitteleuropa immer am Rande der Ausrottung - durch die Jahrhunderte. Allenfalls in Goethes Epos „Reinecke Fuchs“ verliert Isegrim den Nimbus eines gemeingefährlichen Menschenfressers, wandelt sich dafür überraschend zum Blödmann sondergleichen, der seinem körperlich schwächeren, aber listigen Erzfeind, dem Fuchs, im offenen Kampf trotz enormer Vorteile unterliegt. Die Details des Endkampfes schildert Goethe recht drastisch: „Indessen hatte der Lose (der Fuchs) / Zwischen die Schenkel des Gegners die andre Tatze geschoben; / Bei den empfindlichsten Teilen ergriff er denselben und ruckte, / Zerrt' ihn grausam, ich sage nicht mehr…“.

Wölfe in Brandenburg


Im EG-Raum wandelte sich die frühere Wolfshetze inzwischen zum – wenn auch nicht unumstrittenen – Wolfsschutz. Im „Wolferwartungsland“ Brandenburg ist das Jahrhunderte alte Todesurteil kassiert. Von den etwa sechzig Tieren, die jetzt (2011) in Deutschland leben, haben die meisten ihre Reviere in Lausitzer Gemarkungen. Im Welzower Gebiet im Niederlausitzer Landkreis Spree-Neiße hat sich in den letzten Jahren ein Rudel mit polnischem Migrationshintergrund etabliert, auch Welpen wölften
die Fähen schon. Bei Zschorno haben die Heger zumindest ein Wolfspaar – bisher ohne Nachkommen - ausgemacht. Die wenigen Exemplare können aber nicht sicher stellen, dass der Wolf als eines der seltensten Säugetiere Deutschlands nicht mehr vom Aussterben bedroht ist. Ein Wolf kann jedoch jederzeit überall in Brandenburg auftauchen - in seinem markant schnürenden Trab, bei dem er die Hinterläufe genau in die Abdrücke der Vorderpfoten setzt. Eine direkte Begegnung mit dem Menschen ist dennoch nahezu ausgeschlossen. Wer sich auf eine Heulanimation versteht, auf ein hochtoniges Klagen mit kurzem Eingangsbellen, das sich wie Wahuuuuu anhört, der könnte unter Umständen zumindest wölfisches Chorheulen zur Antwort bekommen. „Bruder Wolf“, wie das bisher als Bestie angesehene Tier mit dem berüchtigten Kehlbiß nun auch heißt, traut niemandem außer sich selbst. Denn sein neuerliches Zugegensein hat (noch) nicht den Stellenwert etwa der geduldeten Anwesenheit des Fuchses. Wer sich über die Wolfseinwanderungen nicht freuen kann, muss nicht unbedingt am Rotkäppchen-Syndrom leiden, an jener in Jahrhunderten geschürten Urangst vor Isegrim. Die Wolfssachverständigen der Obersten Naturschutzbehörde Brandenburgs sowie des Landesumweltamtes ermittelten anhand von bisher mehr als 1400 Kotproben, dass sich der Wolf zur Hälfte von Rehwild und zur anderen Hälfte von Rot- und Schwarzwild ernährt und nur zu einem geringen Teil von Feldhasen, Mäusen, Vögeln oder auch Haustieren. Trotzdem ist das Thema „Schutz vor dem Wolf“ nicht vom Tisch. Noch kommen Haustiere durch ihn in einem nicht zu vernachlässigendem Ausmaß zu Schaden. Bei seiner Nahrungssuche veranschlagt er jedoch das Beute-Greif-Risiko ziemlich genau. Ist es ihm zu hoch, trollt er sich. Im Grunde ist er nämlich feige. Und er weiß auch, dass kein Schäfer – wie in der Fabel Gotthold Ephraims Lessings - auf den Vorschlag eines alternden Wolfes eingehen würde, ihn künftig zu füttern. „Denn ich bin wirklich das zahmste, sanftmütigste Tier, wenn ich satt bin“, so will Lessings Wolf den Schäfer von einer privaten Pflegestelle neben dem Schafstall überzeugen.

Die Brandenburger Wolfssachverständigen raten, Schafs-Gatter mit 1,10 Meter hohen Elektrozäunen zu versehen, an denen zusätzlich Flatterbänder für optische Bewegung
Wolfsrudel
Die Wölfe sind zurück in Brandenburg
Foto © Ron Hilton
sorgen und den Angreifer – wie bewiesen - spürbar verunsichern und abhalten. Auch Herdenschutzhunde können für effektiven Schutz sorgen. In Brandenburg wie auch in Sachsen gibt es mittlerweile ein Wolfsmanagement, das Vorschläge zur Minimierung von Schäden an Haustieren sowie für einen finanziellen Ausgleich macht. Es werden Empfehlungen für den Umgang mit Problemwölfen gegeben und die Akzeptanz des Wolfes bei Interessengruppen und anderen Bürgern analysiert. Denn es geht um die Wiederaufnahme eines Tieres, das in unseren Breiten „für einige Zeit“ einfach nur mal weg war. In bemerkenswerter Offenheit äußerte sich kürzlich in der „Süddeutschen Zeitung“ der Oberammergauer Jäger Ulrich Wotschikowsky mit dem Bekenntnis: „Ich wünsche mir den Wolf herbei, nicht nur weil er ein faszinierendes Tier ist, sondern weil er uns mit der Nase auf die Probleme unserer Weide- und Jagdwirtschaft stößt. Warum haben wir so viel Wild im Wald, dass wir es im Winter sogar füttern müssen?“

Wölfe in Brandenburg - Informationsmöglichkeiten:
Eine dokumentierende Rolle im Brandenburger Wolfsmanagement spielt die Außenstelle Zippelsförde des Landesumweltamts nordöstlich von Neuruppin. Sie ist eine landesweite Koordinationsstelle für das Flora-Fauna-Habitat-Monitoring (FFH). Alle Informationen über Wolfsbeobachtungen laufen bei ihr zusammen. Die Naturschutzstation Zippelsförde kann man nach Anmeldung besuchen (Telefon 033 933/ 708 16).

Interessenten können sich auf folgenden Internetseiten informieren:
www.gzsdw.de / (Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V.)
www.wolfsregion-lausitz.de / (Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz)
www.lausitz-wolf.de/(Freundeskreis freilebender Wölfe e. V .)
Text: -wn-

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