Mickiewicz-Denkmal im nordpolnischen Koszalin;
sinngemäße Übersetzung: Gegrüßt sei die
Morgenröte der Freiheit /
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Seine Bergpredigt (Matthäus 5‒7) mit ihren unverblassten Geboten des Gewaltverzichtes, der Nächstenliebe und der heutzutage immer noch kräftig ironisierten Feindesliebe umreißt den sozialethischen Kern der christlichen Botschaft. Auch wenn - oder gerade weil die erwartete Wiederkehr des später Gekreuzigten weiterhin ausbleibt, wurde er Anfang November 2010 am Südostrand der polnischen Kleinstadt Swiebodzin in der Wojewodschaft Lebus als ein schneeweißer Gigant aus Stahl, Leichtbeton und Polyester in die flachwellige Gegend gestellt. Man sieht ihn als 36 Meter hohe Skulptur, deren figürliche Wucht durch einen 16 Meter hohen Hügel aus lehmigem Erdreich und Findlingen noch verstärkt wird. Einen schönen Mann gibt er ab, angetan mit einer Art stilisiertem Efod, dem weitärmeligen gegürteten Unterkleid aus jüdischer Handwerker-Tradition sowie mit einem den Rücken bedeckenden Überwurf. Sein Gesicht trägt die Züge eines gut meinenden Jünglings. Die Miene verrät somit nichts von der liebenden Strenge des Meisters, mit der Jesus den Menschen belehrend und heilend gegenübertrat. Und schon gar nicht hat man den Eindruck, zu Füssen eines widerständigen Mannes zu stehen, dem die Pharisäer Gesetzesübertretungen vorhielten, wie zum Beispiel die Missachtung des Sabbatgebotes. Der polnische Christus-Riese ist rund sechs Meter höher als die weltbekannte Statue Cristo Redentor (Erlöser) auf dem Berg Corcovado am Rande Rio de Janeiros, von wo dieser Jesus mit großem Gestus seine Arme in Richtung der Guanabarabucht ausbreitet, an deren Westufer sich die Stadt hinstreckt. Es fragt sich, ob die sechs Höhenmeter, die der Jesus des polnischen Bildhauers Mirosław Kazimierz Patecki größer ist, einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde auslösen sollen. Für eher denkbar wird gehalten, dass der Spiritus Rector dieser Christus-König-Statue (Pomnik Chrystusa Króla), der umtriebige emeritierte Swiebodziner Pfarrer Sylwester Zawadzki, darauf gesonnen habe, mit dem an keiner kirchlichen Verkrustung und Entartung Schuld tragenden Jesus der Entfremdung zwischen der Amtskirche und den jungen polnischen Gläubigen entgegen zu wirken. Denn die Jungen lieben zwar Jesus und den toten Wojtyła, nicht aber durchweg die Kirche. Einen aufkommenden "Katholizismus des aufrechten Ganges" nahm kürzlich die Wochenzeitung DIE ZEIT im Nachbarlande wahr.