BookCrossing in Berlin: beispiellos, grenzenlos, kostenlos

Das traditionelle Hantieren mit Büchern - kaufen, leihen, lesen - wurde mit Beginn des neuen Jahrtausends um einen bis dahin unbekannten wie bahnbrechenden
BookCrossing Berlin
Book Crossing in Berlin - Foto © -wn-
Umgang mit Verlagserzeugnissen erweitert: durch das Bereitlegen von meistenteils gut erhaltenen Buch-Exemplaren aus privatem Besitz an öffentlichen Orten, auf die jedermann jederzeit kostenfreien Zugriff hat. Der neue Anglizismus zur Bezeichnung des Verfahrens heißt BookCrossing und bedeutet eine Mischung aus Verborgen und Verschenken von Schriftgütern ohne Rückerwartung derselben, wofür die Möglichkeit eigener Besitznahme fremder Publikationen selben Orts entschädigen soll. 735000 Menschen aller Kontinente und Alterstufen haben bis Anfang dieses Jahres die eigenen Buchbestände um 5,3 Millionen Herausgaben vermindert und das bei sich Entnommene an vorher bestimmten öffentlichen Stellen als Leseangebote für unbekannte Andere abgelegt - manche sagen auch: ausgewildert. Sofern man die Ablage seines Buches regelgerecht, selbstredend freiwillig unter bookcrossing.com durch Eintrag registrierte, ist man Nutzer einer weltumspannenden Datei, aus der man andrerseits ersehen kann, wo welches Buch, für das man sich interessiert, eventuell zu ergattern ist. Seit knapp zehn Jahren ist so ein interkontinentaler Buchkreislauf im Gange, der vermutlich seinen Boom erst noch vor sich hat.

Büchertausch in Berlin


Aber wo immer sich im Leben Positives anbahnt, sind radikale Schwärmer nicht weit. Ganz felsenharte BookCrosser gehen nämlich so weit, die "Regalhaltung (zumindest)
von Taschenbüchern" schlichtweg für "Literaturquälerei" zu halten und deren Abschaffung zu verlangen. Dieses etwas revoluzzerhafte Getöse prallt ab an dem Lobspruch des israelischen Schriftstellers Amos Oz (geb. 1939) auf das stationär bleibende Buch. Der weltbekannte Autor aus dem Negev-Wüsten-Städtchen Arad nahe dem Toten Meer beschreibt in seinem biografischen Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" den ausgesprochen freundschaftlichen Charakter des Buches. Oz schreibt, seine Mutter habe ihn darauf aufmerksam gemacht, "daß Menschen dich letztlich fast alle im Stich ließen, sobald sie keinen Nutzen oder keine Freude oder kein Interesse oder einfach keinen Gefallen mehr an dir fänden, während Bücher dich niemals im Leben im Stich ließen".

Aber natürlich ist es ebenso richtig, dass es für Bücher gelegentlich besser sein kann, auf Wanderschaft zu gehen, statt im Regal jahrelang auf eine zugreifende Hand zu warten. Sie können derweil anderen nutzen. Das war der Gedanke der 1970 geborenen BookCrossing-Erfinders Ron Hornbaker aus San Mateo, Kalifornien, der weder gegen das Ansammeln privater Buchbestände und schon gar nicht gegen den Weiterbetrieb von Buchhandlungen ist. Hornbaker, der nach eigenem Bekunden einem chronischen Erfindungsdrang unterliegt, hatte die Idee eines freien Buchklubs, nachdem er sich bewusst wurde, wie viel Bücher in seinem Arbeitszimmer verstauben. Außerdem hatte er sich von der Website wheresgeorge.com anregen lassen, auf der man in den USA die Seriennummern von Dollarscheinen und deren jeweiligen Aufenthaltsort eintragen kann und um auf diesem Internet-Portal auch zu erkunden, welchen Zahlungsweg der Geldschein im eigenen Portmonee schon hinter sich hat.

Wo kann man in Berlin Bücher tauschen?


Ein prominenter Berliner Ablageort des BookCrossings befindet sich seit einem Jahr im Prenzlauer Berg, an der Ecke Sredzki- und Kollwitzstraße und erfreut sich
zunehmender Beliebtheit. In fünf auf 2,5 Meter Höhe gestutzte Birken-, Eichen und Kiefernstämme sind mehrere quaderförmige Nischen eingesägt, so dass in den so entstandenen Boxen über 100 hochkant gestellte Bücher Platz finden. (Foto) Durchsichtige Kunststoffplanen schützen die eingestellten Bücher vor Wind und Wetter. Die Idee zu dem "Bücherwald" genannten Freiluft-Bord stammt unter anderem von dem Berliner Bildungsträger Baufachfrau Berlin e.V. Auszubildende aus den Berufsgruppen Forsten, Zimmerei, Tischlerei, Mediengestaltung, Buchdruck und Buchhandel richteten 2008 die Stämme in interdisziplinärer Zusammenarbeit her und stellten sie auf. Jedermann kann sich seitdem bedienen. Senioren kommen mit ausgelesenen Bänden und tauschen sie gegen neue, als handele es sich um eine Leihbibliothek ohne Katalog und Rückgabefrist. Man sieht Menschen, die mit einem Buch aus einer Stamm-Box im angrenzenden Café Anna Blume verschwinden. Wer nun gar seine Buch-Spende unter bookcrossing.com registriert, hat damit das Bereitstellen etwa seiner Ausgabe von Kurt Tucholskys "Schloss Gripsholm" oder seiner "Russendisko"-Geschichte von Wladimir Kaminer stadt- landes-, ja weltweit angezeigt - und die einfache wie brillante Idee Ron Hornbaker umfassend verwirklicht. Nichts spricht dagegen, dass Bücher auch weiter Freunde des Menschen sind.
Wann ist wieder ein verkaufsoffener Sonntag in Berlin?
Text: -wn-


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