DUSSMANN, größtes deutsches KulturKaufhaus: Die Masse machts

Ein Mann pest durch Berlin; er heißt Heinrich Heine, und er kann den Singsang kaum mehr hören! Wohin er auch kommt: Schulkinder,
DUSSMANN Kaufhaus in Berlin
Dussmmann in der Berliner Friedrichstraße
Foto © -wn-
Friseurkunden, Passanten singen, summen und skandieren den unvermutet populär gewordenen Cantus firmus - vergleichbar heute dem "Stern, der deinen Namen trägt" von DJ Ötzi & Nik P. Der Hit damals: "Wir winden dir den Jungfernkranz mit veilchenblauer Seide" - der Brautjungfern-Chor aus dem "Freischütz", der Romantischen Oper von Carl Maria von Weber. Die Gesangsnummer ist dabei dasjenige zu werden, was es in Preußen bisher überhaupt noch nicht gab: ein Schlager. Wir schreiben das Jahr 1822. Seit einigen Monaten wird die erste deutsche Volksoper im Neuen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt mit überwältigendem Erfolg aufgeführt. Heine, dem das frenetische Verfallensein des Straßenpublikums an das von drei Jungfern gesungene Lied im III. Akt mittlerweile übel aufstößt, flüchtet zu einer Freundin, "der schönsten Borussin", wie er en passant wissen lässt. Nach dem Beilager lispelt ihm das Berliner Mädel ins Ohr: "Ich liebe dir, und deine Lawise wird dich ooch immer jut sind." Und noch etwas Gutes will sie ihm tun und haucht: "Wir winden dir den Jungfernkranz ..." Heine springt auf, zieht die Hose an, verduftet genervt.

Die damals marktführende Schlesingersche Buch- und Musikalienhandlung Unter den Linden Nr. 34, die Musik-Handlung Werkmeister
in der Jägerstraße Nr. 39, ja selbst der "Musikalische Leihzirkel Friebe" in der Spreegasse Nr. 5 können den kolossalen Bedarf an Klavierauszügen und Libretti des "Freischütz" nicht befriedigen. Komponisten vom Range Webers bauen mit Vorbedacht solchen Engpässen vor. Sie fügen in die Partituren einprägsame Erinnerungsmotive ein, die sich außerhalb des Theaters durch Nachsingen papierlos verbreiten. Von 17 Musikstücken des "Freischütz" seien während der Premiere "14 lärmend applaudirt" worden, darunter der "Jungfernkranz", schreibt Weber in sein Tagebuch in der Hoffnung, dass dieser Applaus die selbsttätige Straßenwerbung anstößt - und so war es auch.

Dussmann in Berlin


Spätestens aber seit es ab 1997 in Berlin das derzeit renommierteste deutsche Medienkaufhaus Dussmann gibt, sind Engpässe überwunden, ist nahezu jede gespielte, gesungene, gesprochene oder gedruckte künstlerische Äußerung dort gelistet und steht in langen Regalfronten zum Abkauf bereit. 250000 Bücher sowie 70000 CDs und DVDs allein auf dem Gebiet der Klassik zeigen an: Die Masse machts, ohne dass der Eindruck des Verramschens entsteht. "Freischütz"-Aufnahmen sind in zweistelliger Anzahl im Angebot, es findet der Musikliebhaber eine schwer überblickbare Fülle von Einspielungen ein und desselben Musikwerkes. Wer etwa Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" liebt, kann sich in den Regalfluchten Interpretationen dieser vier Concerti mit unterschiedlichsten Klangkörper und Solisten aussuchen: mit Anne-Sophie Mutter und ihrem romantisch-feinsten Geigen-Saiten-Strich der Welt, mit Yehudi Menuhins (1916-1999) akademisch-sensibler Interpretation oder Gidon Kremers impulsiver Manier.

Das KulturKaufhaus ist selbstredend auch der Ort, an dem man tief in die Welt mit ihren nationalen Kulturen voller Eigenart eintauchen kann. Unter den 80000 CDs und DVDs mit Titeln des Pop, Rock und Jazz kommt die Weltmusik nicht zu kurz. Mancher ist auf einem Trip durch die Wüstensteppe Gobi einem singenden mongolischen Araten begegnet und möchte dessen kehligen Belkanto noch einmal hören. Diesen Obertongesang, bei dem über einem Grundton durch Stellungen des Mund- und Rachenraums ein zweiter Ton erzeugt wird, bietet das Kaufhaus in zig Versionen an. Wünscht man den "Galopp der Tausend Pferde" in der mongolischen, tuwinischen oder gornoaltaiischen Variante zu hören - man hat nur zu wählen. Die "Ode an das Altaigebirge" hört man üblicherweise musikalisch unterstützt von der zweisaitigen Pferdekopfgeige Morin Chuur, deren oberes Halsende ein schöner hölzerner Pferdekopf ziert.

Für den Sinn des Hauses zum Trendsetting spricht der Sony-E-Book Reader, der seit März 2009 angeboten wird - ein 260 Gramm leichtes digitales Lesegerät, das den Inhalt von 160 E-Books speichern kann und das gedruckte Buch mit Sicherheit dennoch nicht aus dem Felde schlagen wird. Das neuartige Utensil unterstützt Daten aller gängigen Textformate sowie Musik- und Bilddateien. Die Massivität des Angebots im Dussmann-Haus macht eine bestimmte PR-Maßnahme früherer Zeiten nicht mehr nötig: die "Anzeige zur Vermeidung von Collision". Solche Avis findet man in der "Berliner Allgemeinen musikalischen Zeitung". 1830 will das Blatt eine solche "Collision" (also den vorschnellen Kauf der Edition eines konkurrierenden Verlages) vermeiden, indem es eine Frankfurter Ausgabe der Memoiren des britischen Dichters Lord Byron ankündigt, die besser und billiger sei als die kurz zuvor in London erschienene. Bei Dussmann können solche Kollisionen gar nicht erst zum Tragen kommen. Dort stehen die rivalisierenden Erzeugnisse einfach beieinander und auferlegen es dem Käufer, nach dem Richtigen und Passenden zu greifen.

Öffnungszeiten von Dussmann das KulturKaufhaus


Mo-Fr: 09-24 Uhr,
Sa: 09-23:30 Uhr

Verkaufsoffener Sonntag bei Dussmann:
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Wie man zum KulturKaufhaus Dussmann Berlin kommt:
Es liegt eine Gehminute vom Bahnhof Friedrichstraße entfernt.
U-Bahn: U6
S-Bahn: S1, S2, S5, S7, S9, S25, S75
Bus: 100, 147, 200, N6, TXL
Tram: M1, 12
Text: -wn-

Adresse:
Dussmann
Friedrichstr. 90
10117 Berlin
Tel: 030/ 20 25 11 11



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