Über den Wolken - Ein Flug im Flugsimulator Berlin verschenken

14. Januar 98. Die Boing 707, Flugnummer RCN302, hat soeben mit einer Ladung von 35 Tonnen Elektronikbauteilen den belgischen Flughafen
Bevor Piloten ins Cockpit dürfen, müssen sie im Flugsimulator trainieren.
Möchten Sie auch mal im Cockpit sitzen? Im Flugsimulator
Berlin ist das möglich! / Foto © Carlos Santa Maria
Oostende verlassen und fliegt in Richtung Lagos-Murtala. Plötzlich, über Chimay, Turbulenzen. Dann löst sich das Triebwerk Nr. 3. Sorgenfalten bei der 5-köpfigen Mannschaft. Man fasst den Entschluss, nach Oostende zurückzukehren. Auf einmal Hydraulikprobleme. Wird das Flugzeug Rückflug und Landung überstehen? Bis zum Flughafen gibt es keine Probleme. Um genau 05:44 Uhr gleitet das Ungetüm - mit immerhin 46 Meter Länge und 44 Meter Spannweite - unsanft auf die Teerbahn. Da bricht das Fahrwerk weg, das Flugzeug überschießt die Landebahn. Erst kurz vor der Localizer-Antenne kommt es zum Stehen. Glückliche Stille. Niemand ist verletzt, die Besatzung atmet auf. Landung gelungen, Flugzeug...tot.
Der Besitzer des Flugzeugs, die IAT Cargo entscheidet, die 30 Jahre alte 707 abzuwracken. Doch ein Belgier kauft das Cockpit und baut es mühsam zum Cockpit einer 737 um, die Modellteile sind sich sehr ähnlich. Der Mann hat eine Idee: Er baut einen Flugsimulator. Im Sommer 2008 kaufen zwei Berliner den Simulator und überführen ihn nach Berlin in die Luxemburger Straße, wo seitdem das Cockpit einer 737 Möchtegern-Piloten einlädt - risikolos, versteht sich. Eine umfangreiche Hard- und Software-Ausstattung und eine vier Meter breite Projektionswand ermöglichen einen fast realistischen Blick auf die Landschaft. Mit diesem Vogel kann man allein oder zu zweit starten, landen, von hier nach da und überhaupt bei jedem Wetter durch die Gegend fliegen, tag und nacht. Damit man auch wirklich Respekt bekommt, ist die gesamte reale Geräuschkulisse inklusive plus Vibration.

Spaß als "Testpilot" im Flugsimulator Berlin


Die Testpiloten werden - wie man es gern erwartet - von einem Berufspiloten betreut.
Blick in ein Cockpit
Natürlich wird der Flugsimulator von Berufspiloten erklärt.
Foto © Andrew Breeden
Dem Simulatorflug selber geht ein Briefing bevor. Hier werden ihnen die grundsätzliche Steuerung eines Flugzeugs (oben, unten, links, rechts usw.) und Details erklärt (wo ist der Rettungsfallschirm?). Der Kandidat darf jetzt aus über 24.000 Flughäfen eine Wunschstrecke auswählen, Wetterlage, Wind, Sonne, Regen, Tag- oder Nachtflug. Dann wird es Ernst. Gemeinsam mit dem Profi entert der Testpilot die Cockpitkanzel und greift sich den Steuerknüppel, neben sich einen erfahrenen Copiloten, für den Fall der Fälle. Der gewünschte Flug wird gestartet, vor den Piloten erwacht die Startbahn zum Leben, in 180 Grad Ansicht auf einer 6 Meter breiten Leinwand. Wer eben Nachtflug gedrückt hatte, hat jetzt selber Schuld.
Nach Freigabe-Ansage "Cleared for take-off' gibt der Testpilot den Schub für Vollgas. Die Maschine kommt ins Rollen und wird langsam schneller. Aber erst bei 155 Knoten wird der Steuerknüppel angehoben, um abzuheben. Aber nur um 15 Grad, es soll ja nicht zum Mond gehen. Ein Zurück gibt es jetzt nicht mehr. Wem jetzt der Schweiß ausbricht, der sei getröstet: Bei einem Autounfall zu Tode zu kommen, ist wesentlich wahrscheinlicher.
Sollten Sie den einstündigen Flug lebend überstanden haben, gibt es danach das Debriefing (schon weil es so schön klingt). Der Profi geht mit ihnen die kritischen Flugsituationen durch. Man soll ja daraus lernen, für´s nächste Mal. Der erschöpfte Testpilot bekommt zum Schluss noch eine Urkunde, ein Foto und ein erfrischendes Getränk. Geduscht wird zu Hause.

Ein Flug im Flugsimulator Berlin ist eine tolle Geschenkidee!


Die Preisgestaltung ist weniger lustig. Die Betreiber bieten drei Tarife, Economy, Business und First. Der Tarif Economy kostet immerhin 159,00 EURO, die teueren Tarife bieten längere und detailiertere Briefings sowie eine längere Flugzeit. Bei First fliegt der Testpilot nach den originalgetreuen Anweisungen von Fluglotsen. Eine Verlängerung der Flugzeug ist bei jedem Tarif möglich. Für Gruppen ab 10 Personen wird das Ganze etwas preiswerter. Das Management der Firma bietet hier Pauschalpreise inklusive Buffet, Getränke, Vortrag, Musik und zweitem Piloten, dafür verringert sich allerdings die Flugzeit für die Testpiloten.

Wie komme ich zum Flugsimulator in Berlin?
Luxemburger Straße 20b (Ecke Triftstraße), 13353 Berlin, Tel. 030-450 28 406



Flugsimulation in Berlin auf einer größeren Karte anzeigen


Anreise über die Autobahn
Fahren Sie die A100 Richtung Norden. An der letzten Ausfahrt Seestraße endet die Autobahn. Folgen Sie der Seestraße für rund 1,5km und biegen dann rechts in die Amrumer Straße ein. Nach ca. 600 Meter erreichen Sie die Luxemburger Straße, wo Sie links einbiegen. Direkt im Anschluß daran befindet sich das Simulatorcenter auf der rechten Seite.

Anreise mit der U-Bahn
Fahren Sie mit der U9 bis zur Station Amrumer Straße. Das Simulatorcenter befindet sich genau zwischen dem vorderen und hinteren Ausgang der U-Bahn.
Text:R.N.

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