Vorurteile ?
Ich habe nach 28 Jahren des Lebens im Osten Berlins den Schritt den Westteil der Stadt gemacht. Es war ein deutlicher Schritt, der m.E. den Begriff "Vorurteil" relativiert. Ich meine, es sind weniger Vorurteile zwischen Personen, um die es hier geht. Die Menschen selbst sind manchmal deutlich weiter als manch medial hochgehaltene Schranke.
Alljährlich, Anfang Oktober, einen Tag der deutschen Einheit zu feiern ist eine Sache; die Stadt ist heute sicher Eins.
Wir haben die gleiche Währung, finden einheitliche Strukturen in der Verwaltung und Kontrollen beim Überschreiten der ehemaligen Grenze gibt es nicht mehr. Man sollte meinen, daß eine Basis gegeben ist, die ein Zusammenwachsen ermöglicht.
... und dennoch bestehen eben diese Vorurteile, die sich weiter halten und m.E. nicht selten gefüttert werden.
Den Grad eines Zusammenwachsens kann man an einem Zusammenleben messen, an gegenseitiger Akzeptanz, an Interesse am anderen.
Dies jedoch bedeutet auch, daß man unterschiedliche Lebensgeschichten ergründet, anstatt nur zu urteilen !
Letztendlich nur in einem Verstehen wollen wird es möglich sein wirklich zusammen zu wachsen.
Die jüngere Generation hat es dabei nur wenig leichter, als diejenigen, die Ost und West noch selbst kennenlernten. Sie wachsen hinein in eine Geschichte, die sie nicht selten einseitig erklärt bekommen - die Erklärung läßt dabei kaum eine Möglichkeit sich selbst eine Meinung zu bilden, da die Antwort mit vorgegeben wird.
Ursachen und Zusammenhänge bleiben dabei häufig im Dunkeln.
Die ältere Generation (insbesondere im Osten) hingegen sieht sich recht häufig einer Mißachtung der eigenen Lebensgeschichte gegenüber. Fragen einer unterschiedlichen Sozialisation im Ergebnis des 2.WK werden ausgeblendet; der aktuelle Stand der Entwicklungen wird zum Ergebnis einer logischen Entwicklung erkoren. Das Gute hat über das Böse gesiegt !
Ein wirkliches Zusammenwachsen werden wir wohl erst im Rahmen der Lösung heutiger Probleme auf gesamtgesellschaftlichem Gebiet erleben.
MfG.