Britzer Garten

Café im Britzer Garten
Blick auf das Café im Britzer Garten. Foto: © Clarini

Der Britzer Garten ist ein beliebtes Ausflugsziel bei den Berlinern. Wir stellen den Landschaftspark vor!

Gleich zu den wichtigsten Informationen für einen Besuch im Britzer Garten:

Der Britzer Garten: Schnecken im Rausch - Knoblinchen im Rauch

Drei Berliner Schülerinnen verlassen vor einiger Zeit die Welt der Spiele ihrer Playstations und begeben sich in die aufregende Natur. Die Dinge tragen sich im weitläufigen Südberliner Britzer Garten zu. Die Mädchen sind beeindruckt.

Eingang zum Britzer Garten
Der Eingang Buckower Damm des Britzer Gartens
Foto © -wn-

Nicht dass sie dort einem der geistarmen Durchschnittsmenschen über den Weg gelaufen wären, die ihnen das Privatfernsehen als Idole vorzusetzen sucht - nein, sie nehmen im Freilandlabor des Gartens überraschende Kontakte zu mitteleuropäischen Weinbergschnecken (Helix pomatia) auf - zu Lebewesen, die in ihren Spielen kaum vorkommen. Die Ausbrecherinnen aus der Konsolenwelt sind - bis auf eine von ihnen - einigermaßen fasziniert von den stummen Schalenweichtieren: staunen darüber, dass deren feuchte Füße beim Fortbewegen zwar nur moderate Geschwindigkeiten erlauben, dass die Tiere aber auf ihnen zielsicher in den Geländen, sogar an Baumstämmen und auch nach unten hängend vorwärts kommen können. Und sie lassen sich dabei keineswegs aus der Ruhe bringen - auch unter der Bedingung nicht, dass sie ihre arglose Besonnenheit gelegentlich mit dem Leben bezahlen. Da die drei Mädchen gerade die launische und wie auch launige pubertäre Lebensphase mit all ihren extremen Sichten durchleben, finden sie die evolutionär nun mal eingetretene Doppelung des Geschlechtslebens der Schnecken - aber hallo vor allem krass: hier die zwittrig Veranlagten, die es mit sich selbst machen, und dort die Normalos, die für die Fortpflanzung weiterhin auf einen andersgeschlechtlichen Partner bestehen. Dann sehen die Teens auch dem Liebeswerben zweier Weinbergschnecken zu, die Schleimfuß an Schleimfuß rauschhaft vereint sind und sich mit den Augen-Fühlern zärtlich begucken und beglücken.
Es gibt beim Einsichtnehmen in dieses geräuschlose Tete-à-tete Kickern und Prusten auf Seiten der Jungschen, und zuweilen halten sie sich die Hand vor den Mund. Hätten sie alles nicht gedacht von diesen Schnecken.
Ihre Resümees schreiben sie ins Besucherbuch des Freilandlabors.

Kernsätze:
- "Liebe Schnecken, ich finde euch sehr interessant - vor allen Dingen euern Aufbau."
- "Die Weinbergschnecke ist sehr cool. Celine"
- "Ich mag Schnecken - von Antonia"
- "Ich kann Schnecken nicht leiden - Gundi"

Britzer Garten Landschaftliches Kleinod - Berlins schönster Erholungspark

Freilandlabor Britzer Garten
Eingang zum Freilandlabor vom Britzer Garten
Foto: © -wn-

Das vielbesuchte Freilandlabor, in dem man mit solcherart lustvollen Vorgängen in Berührung kommt, befindet sich in dem 90 Hektar großen landschaftlichen Kleinod, wie man Berlins schönsten Erholungspark füglich nennen darf. Seen hat es hier, Bäche und Quellen, Wiesen, Gehölzgruppen, Blumenbeete und mannigfache Sondergärten.
Am Kalenderplatz gibt es ein Restaurant, und die Sonnenuhr mit 99 Metern Durchmesser soll die größte in Europa sein.
Es sind Spiellandschaften da und ausgedehnte Liegewiesen. Die Bekanntheit des Britzer Gartens hat auch mit zahlreichen Veranstaltungen am Festplatz am See zu tun: mit dem Sonnenwendfest, dem Herbstdrachenfest, dem Klassik Open-Air mit Feuerwerk und den Jazz- und Klassik-Konzerten.

Was man über die Geschichte des Britzer Gartens meist als erstes hört, ist, dass sein bürgerfreundlicher Gründungsgrund die Bundesgartenschau der BRD (alt) des Jahres 1985 gewesen sei. Das Internet-Lexikon Wikipedia schreibt, es sei seinerzeit darum gegangen, "der damals vom Umland abgeschnittenen Bevölkerung im Süden West-Berlins einen neuen Landschaftspark zu bieten". Die Rechnung ging vier Jahre lang auf. Und Tausende Berliner kommen auch nach dem Mauerfall nach Britz und erreichen den Garten über seine Eingänge

  • am Buckower Damm neben dem Parkfriedhof Neukölln unweitder Britzer Mühle,
  • am Sangerhauser Weg,
  • an der Tauernallee,
  • am Massiner Weg und
  • an der Blütenachse (am östlichen Rand an der Kleingartenkolonie Goldregen).
Der Spreewald, der Liepnitzsee bei Lanke oder der Große Stechlin erweisen sich zwar als neue Konkurrenten, aber nicht als solche, die zu einem Rückgang der Besucher im Britzer Garten führen.

Auch zu früheren Zeiten tauchen in Britz Besucher auf; in geringer Zahl zwar und meist höherrangig. Am 28. Dezember 1745 kommt ziemlich eilig Friedrich II. (1712-1786) durch. (Wo in Preußen kam der Monarch nicht schon einmal eilig durch!) In Königs Wusterhausen brach er auf und will ins Schloss in Berlin. An der Britzer Heide wartet eine "Compagnie junger Kaufleute" auf ihn, schreibt der Biograf. "Als der König hier anlangte, bewillkommten sie ihn mit einem dreimaligen: Vivat Friedrich der Große!" heißt es weiter. Es ist der übliche Große Bahnhof, wenn sich Majestät irgendwo sehen lässt. Huldigung heißt der Vorgang. Eigentlich braucht er so etwas nicht; am liebsten huldigt er sich selbst. Am 21. September 1788 taucht der damals 18jährige Kronprinz aus Anlass des Erntedankfestes in Britz auf. Guts-Chef ist Ewald Friedrich Graf von Hertzberg (1725-1795), mit Sicherheit der avantgardistischste Betreiber des Hofes. Der angereiste Kronprinz ist der spätere Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), der für die Niederlage Preußens in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 verantwortlich gemacht werden wird.
Nach seiner im selben Monat vorausgegangenen und die eigene Niederlage provozierenden Kriegserklärung an Napoleon (1769-1821) nennt ihn Friedrich Engels (1820-1895) den "größten Holzkopf, der je einen Thron bestiegen hat". Wegen des Prinzenbesuches hat der Graf von Hertzberg bei dem Berliner Lyriker Karl Wilhelm Ramler (1725-1798) einen "Freudigen Zuruf an den Kronprinzen Friedrich von Preußen und (den mitreisenden Bruder) Ludwig ... von der Dorfschaft zu Britz" in Auftrag gegeben. Der Zuruf lässt es an Vaterländischem Überschwang nicht fehlen. "Empfangt den Aehrenkranz, Ihr theuren Prinzen, / Ihr Eures milden Vaters Ebenbild ... " Entschuldigung - bei dem milden Vater handelt es sich um den Frauen verschleißenden "dicken Lüderjahn" (Taugenichts) wie Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) in Preußen auch genannt wird. Das Dichtwerk Karl Wilhelm Ramlers ist aber auch ein kurz gefasster Bericht des abgelaufenen Britzer Wirtschaftsjahres 1788:

"Seht, des Jahres Hoffnung ist erfüllt,
Der Segen Gottes macht uns reicher,
Die Scheuren (Scheunen) sind gefüllt; es warten schon die Speicher ..."
Am Beginn des 19. Jahrhundert ist Britz mit seiner Gemarkung ringsum ein im Regierungsbezirk Potsdam liegendes Dorf, eine Stunde von Berlin entfernt; auch in der Nähe Köpenicks. Man zählt 60 Feuerstellen, an denen 324 Einwohner wohnen. 1809 erwirbt der Kammerherr und Legationsrat Johann Bernhard Freiherr von Eckardstein (1775-1823) das Gut und betreibt er bis 1823. Zwischen dem 13. Jahrhundert und dem Jahr 1924 ist er der elfte von fünfzehn Besitzern des Schlosses und des Gutes. In seine Zeit fallen die drückende napoleonische Besatzung sowie die Umsetzung der progressiven Hardenbergschen Reformen.
Es sind zwei Vorgänge, die der Freiherr in ihrer Bedeutung für Preußen wohl zu unterscheiden weiß. Zunächst aber ist er Betroffener.
Auf seinem Land, einschließlich des Geländes des heutigen Britzer Gartens, kann er die französische Besatzungsmacht mit eigenen Augen sehen.
Ein Glück nur, die Ernte ist eingebracht. Am 2. Dezember 1807 findet auf den Britzer Feldern ein Manöver der Französischen Armee zu Ehren Napoleons statt. Bataillone üben vornehmlich das Schwenken Schulter an Schulter und in Reih und Glied - und zertrampeln dabei die brach liegenden Felder. Das "Militaire-Wochenblatt" schreibt 1847: "Als (alle) angetreten (waren), wurde in zusammenhängender Linie die linke Schulter vorgenommen. Diese Bewegung wurde mit mehrerer Präcision als das Vornehmen der rechten Schulter ausgelöst." Als Manöverergebnis stellt sich heraus, dass die Soldaten Schulter an Schulter links herum besser schwenken können als anders herum.

Die Britzer Knoblinchen-Wurst wird literarischer Gegenstand

Die Personalie des erwähnten Freiherren von Eckardstein wären heute kaum von Interesse, würden die Tatsachen der Gutspraxis nicht belegen, wie sehr die wechselnden Eigner - alles hohe preußische Beamte - das Gut wirtschaftlich voranbrachten. Was eine Dorfchronik "merkwürdige landwirthschaftliche Einrichtungen" nennt, ist das moderne Vorgehen in Stall und auf dem Feld nach damals neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das "Hannoverische Magazin" vom 2. April 1790 beschreibt zum Beispiel ausführlich die durchdachte Britzer Viehwirtschaft.
Dort heißt es: "70 bis 80 Melkkühe, großer friesischer Art, werden vom Junius bis zum September um 7 Uhr des Morgens ausgetrieben, und 4 Stunden des Vor- und eben so lange des Nachmittags auf einer fetten Brache ... gehütet. ... Vom Ende August an wird ihnen aber des Tages zweimal Heu, und dreimal kurz geschnittener Hexel von Rocken- und Gerstenstroh, daneben Spreu, Kleie, schlechte Kartoffeln, so dann das feinste Kartoffelkraut, und die Träber der Bier- und Branntweinbrennerei ... gegeben." Es verwundert nicht, dass Milch und Fleisch aus dem Britzer Gut als hochwertig galten. Heute sagen wir "Bio" dazu. So waren damals auch die pikant gewürzten und luftgetrockneten Britzer Knoblinchen (auch Knobelinchen) so allgegenwärtig und beliebt wie etwa heute die Wiener Würstchen. Diese Knoblinchen sind gut abgehangene Rohwürste, die es sogar zur literarischen Erwähnung brachten. Der Dichter Klabụnd (1890-1928) schrieb ein launiges Gedicht über die Baumblüte in Werder, in dem ein aufgeschreckter und die Übersicht verlierender Hund einem unschuldigen Mädchen ins Bein beißt und Herrchen an Ort und Stelle ein Schmerzensgeld zahlen muss. Klabund schreibt: "Eisige Winde wehn. In den Kuten balgt und sielt / Sich ein Kinderhaufen. Der Lenz ist da: ertönt es von Seele zu Seele. / Ein schon melierter Herr berappt für seine Tele (Töle), / Die ein Kinderbein für ein Britzer Knoblinchen hielt."

Blick in den Britzer Garten
Garten-Impression
Foto © -wn-

Trotz intensiver landwirtschaftlicher Nutzung war die Landschaft um Britz dennoch einsam und hatte alles, was ein Flecken braucht, um als Tatort ohne Augenzeugen infrage zu kommen. In der ab 1842 erschienenen Sammlung spektakulärer Kriminalfälle "Neuer Pitaval" wird die Britzer Heide zum authentischen Handlungsort. Autor Willibald Alexis (1798-1871) leitet im Tatsachenroman "Die beiden Markmann" die Schilderung eines von zwei Verbrechen mit den Worten ein: "Südlich von Berlin auf dem Höhenstrich, der gegen das Spreethal in einiger Erhebung sich hinzieht, sieht man auf älteren Karten noch vielen Wald verzeichnet, von dem heute auch die letzten Reste verschwunden sind, wenn man das zu andern Zwecken erhaltene Lustwäldchen, die Hasenhaide, ausnimmt. Doch existirte noch vor wenigen Jahren hinter demselben die Britzer Haide, ein Kiefergebüsch, zum Rittergute Britz gehörig, welche in Berlin etwas berüchtigt war, weil man sich von einzelnen Anfällen (Verbrechen), die in derselben vorgefallen sein sollen, erzählte." Was geschah dort? Der bisher unbescholtene, in Berlin stationierte Spielmann-Gardist Gustav Markmann aus Wolgast ermordet auf einer Anhöhe der Britzer Heide unter halbstämmigen Fichten seinen Landsmann, den Hutmachergesellen Wilhelm Lange und den Schweriner Bäckergesellen mit dem Vornamen Burchard. Der Tatort "lag etwas erhaben und war frei von Bäumen, dagegen mit mehreren Vertiefungen, wie die, in welcher die Leichen gefunden wurden. In einer andern Vertiefung fand (man) eine rothlederne Brieftasche und darin einen Taufschein und Pass auf den Namen Wilhelm Lange; ferner ein kleines Handbeil mit einer Scharte in der Schneide ... Das Beil war überdies mit Blutflecken bespritzt". Im Polizeibericht heißt es; "Am 13ten July 1825 wurde bei Berlin mit der ausgesuchtesten Grausamkeit ein schauderhafter doppelter Raubmord verübt, an zwei Menschen, die dem Mörder gutwillig folgten, und sich ihm gewissermaßen selbst in die Hände lieferten." Die Tat gibt Rätsel auf. Der geständige Täter hat nichts an sich von einem Mörder und kann sich seine Tat selbst nicht erklären. Er verdient als Spielmann in Berlin ein reichliches Zubrot zum Sold und stammt aus gutem Hause. Man kommt zu dem Schluss, dass Markmann aus einer bisher nicht erkannten sadistischen Veranlagung den Doppelmord beging. Er wird hingerichtet. "Durch ein rasches Erdrosseln ward er den Todesqualen, welche das Gesetz des Mittelalters verhängt, enthoben", heißt es in Willibald Alexis' Pitaval-Bericht.

So erweist sich im Berlin-Brandenburgischen Raum auch die Gegend um Britz mit ihrem schönen Garten als geschichtsträchtiger Ort, in dem menschliches Wissen und Können zum Tragen kamen, aber sich auch menschliche Abgründe auftaten. Die Britzer Heide verwandelte sich in eine beruhigte, kultivierte und gern aufgesuchte Kleinlandschaft. Keineswegs abwegig ist es, auch von einer Britzer Oase mit schöner Nähe zur Natur zu sprechen.
Text: - wn -

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Die wichtigsten Infos für einen Besuch im Britzer Garten:

Öffnungszeiten vom Britzer Garten

Täglich ab 9.00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit
Kassenöffnung:
täglich ab 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr (November bis Februar)
bis 18.00 Uhr (März und Oktober)
bis 20.00 Uhr (April bis September)

Eintrittspreise im Britzer Garten:

Eintritt während "Tulipan im Britzer Garten" (April/Mai), "Zauberblüten im Rhododendronhain" (Mai/Juni) oder "Dahlienfeuer" (August bis Oktober) Erwachsene € 3,00, ermäßigt € 1,50 (Schwerbehinderte, Kinder 6 - 14 J.)
Tageskarte: Erwachsene € 2,00
ermäßigt:
- Kinder (6-14 J.) € 1,00,
- Schwerbehinderte (Ausweis) € 1,00
- Schulklasse bis maximal 30 Schülern

Die Eingänge zum Britzer Garten
  • Sangerhauser Weg - U6 Alt-Mariendorf / Bus 179 bis Haltestelle "Sangerhauser Weg"
  • Tauernallee - U6 Alt-Mariendorf / Bus 179 bis Haltestelle "Sangerhauser Weg"
  • Mohriner Allee - U6 Alt-Mariendorf / Bus 181 bis Haltestelle "Rotkopfweg"
  • Buckower Damm - S / U-Bhf. Hermannstr. / Bus M44 bis Haltestelle "Britzer Garten"
  • Massiner Weg - U7 Britz Süd / Bus 181 bis Haltestelle "Neumarkplan"(nur von April - bis Oktober nur an Wochenenden und Feiertagen))
  • Blütenachse - S / U-Bhf. Hermannstr. / Bus M44 bis Haltestelle "Zimmererweg" (nur von April bis Ende Oktober geöffnet)
Adresse:
Britzer Garten
Buckower Damm 146
12349 Berlin (Zufahrt über Hüfnerweg)
Telefon 030/700906-80
Im Internet: www.gruen-berlin.de

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Stand: 29.11.2016