Lustgarten - Berlins älteste Gartenanlage

Ursprünglich war der Lustgarten Teil des Berliner Stadtschlosses. Während der alte
Lustgarten in Berlin
Der Lustgarten mit Blick auf den Berliner Dom
Foto © Berlin85
Prachtbau schon lange nicht mehr existiert und nun als Humboldt-Forum aufwändig rekonstruiert werden soll, gibt es die Parkanlage immer noch. Mitten in Berlins Alter Mitte zwischen Karl-Liebknecht-Straße, Kupfergraben, Altem Museum und Berliner Dom gehört er zu den traditionsreichen Plätzen der Hauptstadt. Besonders in der warmen Jahreszeit genießen die Berliner gern die 2,2 Hektar große grüne Oase. Auch abends ist der Lustgarten oft sehr belebt: Beeindruckend ist das Bild der angestrahlten Fontäne vor dem beleuchteten Dom.

Die Geschichte des Lustgarten
Konzipiert wurde der Lustgarten von Hofgärtner Michael Hanf und Gartenmeister Johann Sigismund Elßholtz nach dem Dreißigjährigen Krieg gemäß holländischem Vorbild: mit Blumengarten, Orangerie und einem Gewürzgarten. Zuvor war hier ein Kräutergarten, der während den Kriegswirren jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen worden, sprich verwildert war. Ausstaffiert mit etlichen Statuen, Grotten, Lusthäusern, Volieren und Fontänen wurde die später öffentliche Gartenanlage zu einem beliebten Treff der Berliner.

Doch damit war unter Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. Schluss. Er hatte wenig für
den Lustgarten als Naherholung für die Berliner übrig und funktionierte ihn nach seiner Krönung 1713 zum sandgedeckten Paradeplatz um. Statuen und Orangerie wanderten nach Charlottenburg. Später, ab 1790, wurde auf der Sandfläche dann jedoch wieder Rasen gesät. Nach der Eröffnung des Königlichen Museums 1830 erhielt der Lustgarten die große Granitschale, die auch heute noch den Park ziert. Zuvor wurde der Lustgarten durch Gartenbaumeister Lenné aufwändig umgestaltet.

In der Zeit der Weimarer Republik nutzte die Arbeiterbewegung den Lustgarten verstärkt als Austragungsort für ihre Großkundgebungen und Demonstrationen. 1921 etwa protestierten hier Tausende gegen den aufkeimenden Terror von Rechts. Und als Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, erhoben die Demonstranten ihre Stimme gegen ihn und seine NSDAP-Regierung. Doch ihr Engagement war fruchtlos. Bereits ein Jahr später pflasterten die Nazis den Lustgarten und nahmen ihn als Aufmarschforum in Beschlag. Damit die Nazis ungehindert marschieren konnten, musste sogar die Granitschale weichen und in eine nahegelegene Grünanlage umgesiedelt werden. 1936, als in Berlin die Olympischen Spiele ausgetragen wurden, gab es im Lustgarten eine "Weihestunde" mit 20.000 Hitlerjungen und 40.000 SA-Männern, die die Ankunft des Olympischen Feuers in Berlin zelebrierten.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Lustgarten weiter ein Ort für Kundgebungen. Die Granitschale wurde zu DDR-Zeiten wieder an ihren angestammten Platz verfrachtet, doch erst nach der Wiedervereinigung erhielt der Platz seinen historischen Namen zurück: Lustgarten. Man wollte wieder zu Lennéschen Zeiten zurückkehren und lobte unter Architekten Wettbewerbe aus. Zunächst setzte sich ein Entwurf durch, der vorsah, das zu Nazi-Zeiten angelegte, denkmalgeschützte Pflaster zu erhalten. Dass für die Berliner ihr Lustgarten nicht nur eine einfache Grünfläche, sondern auch ein Symbol ist, zeigten die Reaktionen: Die Berliner stemmten sich lauthals gegen den von der Jury gekürten Siegerentwurf. Sie wollten ihren Lustgarten wieder so haben, wie er um 1900 aussah. Also hob der Berliner Senat den Denkmalschutz auf und entschied sich für den zweitplatzierten Entwurf. Ab 1997 machte sich das Atelier Loidl daran, die älteste Gartenanlage Berlins wieder in eine Grünfläche umzugestalten. In die Mitte positionierten die Architekten eine Brunnenskulptur mit einer sieben Meter hohen Fontäne. Sie ist ganz bewusst ein Gegenstück zu der großen Granitschale vor dem Alten Museum.
Text: ak


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