Die East Side Gallery: 1.300 Meter Mauerkunst Sie ist eine der größten Open-Air-Galerien der Welt: ganze 1,3 Kilometer erstreckt sich die East Side Gallery, das längste noch erhaltene zusammenhängende Mauerstück in der Friedrichshainer Mühlenstraße 45 - 80 entlang
Die East Side Gallery in Berlin
Foto © York
der Spree. Im Januar 1990, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, griffen 118 Künstler aus 21 Ländern zur Grafitti-Dose, verzierten das Mauerstück zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof mit ganz unterschiedlichen Motiven und transformierten die bis dahin unerreichte und im Gegensatz zur Westseite völlig unbemalte Ostseite der Mauer in eine einzigartige Bilderpalette. Innnerhalb kurzer Zeit wurde die East Side Gallery zur bestaunten und millionenfach fotografierten Touristenattraktion.

Viele der Motive wie z.B. ein die Mauer durchbrechender Trabbi oder Menschmassen,
die die Mauer zerschlagen und sich gegenseitig in die Arme fallen, zeugen von der Euphorie und den großen Hoffungen auf eine bessere Zukunft, die zu diesem Zeitpunkt überall zu spüren waren. Das bekannteste Motiv ist "Bruderkuss" von Dimitri Vrubel, welches Breschnew und Honecker in einer Umarmung zeigt. "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben", steht darunter geschrieben. Weitere berühmte Bilder sind "Vaterland" von Gunther Schäfer oder "Berlin - New York" von Gerhard Lahr.

Eigentlich sollte sie ja noch 100 Jahre stehen, seine Mauer, wie Honecker es sich noch kurz vor dem Zusammenbruch der DDR erträumte. Doch der Betonwall, zumindest der noch erhaltene Teil der East Side Gallery, bröselt - und zwar massiv. Nur wenige Jahre nach der Grafitti-Aktion war der Zustand der East Side Gallery desolat. Viele Gemälde waren durch Schäden an der Substanz der extrem baufälligen Mauer, aber auch durch das Einwirken von Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit oder Frost und nicht zuletzt durch Beutezüge von Andenkensammlern und Übermalungen jugendlicher Amateursprayer stark beschädigt. Zwar beschloss der Senat bereits 1995, die East Side Gallery zu erhalten und Gelder für Restaurierungsarbeiten zur Verfügung zu stellen.
Doch die lange versprochene Sanierung wurde bis dato immer wieder verschoben, zuletzt auf 2008. Zwischenzeitlich wurde öffentlich diskutiert, die East Side Gallery, welche als Mahnmal für Frieden und Versöhnung in Berlin eigentlich längst unter Denkmalschutz gestellt worden war, abzureißen. Einer der Künstler, der Iraner Kani Alavi, erbarmte sich jedoch des traurigen Zustands der Freilichtgalerie und gründetedie Künstlerinitiative East Side Gallery e.V.. Mit Hilfe von Sponsoren und Spendengeldern restaurierte Alavi gemeinsam mit anderen Künstlern, die bei der Kunstaktion von 1990 dabei waren, einen Teil der originalen Motive. Eine wichtige Etappe ihrer Bemühungen war die Sanierung im Jahr 2000, bei der durch die Hilfe des Verbandes der Lackindustrie die Restaurierung von 40 der stark angegriffenen Bilder durchgeführt wurde. Die Betonflächen wurden geglättet und die noch vorhandenen Kunstwerke mit einem Speziallack versehen, der eine leichte Entfernung von Graffiti möglich macht. Das vorläufige Ergebnis ist ein Mauer-Patchwork von höchst unterschiedlicher Qualität. Weiterhin ist das Schicksal der East Side Gallery ungewiss.

Währenddessen träumt die Künstlerinitiative um Alavi weiter ihren Traum von einem "richtigen" Museum. Das "Haus der East Side Gallery" soll als Lehr- und Lernstätte verstanden werden, an der sich Künstler aus aller Welt mit der Vergangenheit und Gegenwart von geteilten Ländern und realen sowie geistigen Mauern auseinandersetzen. Während direkt nebenan die gigantische O2-World-Arena aus dem Boden schießt, wird Alavis Traum vorerst eine Vision bleiben.
( Text: A.K. )

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