Grüne Lebensader oder graue Wasserstraße? Die Zukunft des Landwehrkanals ist ungewiss. Wer schon einmal die große Runde mit einem der zahlreichen Ausflugsboote gemacht hat, kennt ihn in seiner ganzen Länge: Von Kreuzberg bis Charlottenburg erstreckt sich der Landwerkanal über gut 10 Kilometer und verbindet so die obere mit der unteren Spree.

Gebaut wurde der Transportweg in der Mitte des 19. Jahrhunderts sozusagen als Umgehungsstraße für Schiffe, um den Verkehr auf der Spree zu entlasten. Weitere Zwecke waren eine Entwässerung des Köpenicker Felds, der damals letzten unbebauten Fläche innerhalb der Berliner Stadtmauern, und die Beförderung von Material für die sich daran anschließenden Bauarbeiten.

Geplant wurden der Kanal, wie auch das erwähnte Bauprojekt Köpenicker Feld, von Peter Joseph Lenné,
der sich dabei in Teilen an den Verlauf eines bereits 1705 ausgebauten Floßgrabens hielt, den sogenannten Landwehrgraben. Dieser verband das Schlesische mit dem Halleschen Tor und war früher für Holztransporte genutzt worden.

1850 wurde der Landwehrkanal offiziell eingeweiht - damals weitgehend unbeachtet, da noch außerhalb der Stadtmauern gelegen. Heute dagegen bietet er beliebte Flanier- und Wasserwege für Anwohner und Touristen und seine Ufer sind von Spaziergängern und Sonnenanbetern bevölkert.

Große Proteste kamen daher auf, als dieses Naherholungsziel eines Teils seines Baumbestandes beraubt werden sollte. Lenné hatte die grünen Uferpromenaden extra zur Erholung der Anwohner angelegt. Und nun ließ das Wasser- und Schifffahrtsamt plötzlich verlauten, 200 Bäume müssten gefällt werden, um die marode Uferbefestigung zu retten.

Das Problem rührt sicherlich auch daher, dass der Kanal eigentlich von Anfang an falsch konzipiert für eine ausgiebige Nutzung war. Nachdem bereits im 19. Jahrhundert Überhol- und Ausweichmanöver immer wieder Beschädigungen der Uferbefestigung verursacht hatten, erfolgte ein erster Ausbau auf 1,75 m Wassertiefe. Bei einem weiteren Umbau zwischen 1936 und 1941 wurden u.a. die Uferschrägen beseitigt, welche vorher die nutzbare Breite des Kanals eingeschränkt hatten. Ein Anlegen außerhalb der Häfen und ohne Behinderung des Durchgangsverkehrs war nun möglich: Praktisch für den Ausflugsverkehr, der heute das Bild des Landwehrkanals bestimmt und zur Unterspülung der Uferbereiche beiträgt:

2007 stellte man größere Schäden der Uferbefestigung durch Wellenschlag der auf dem Kanal verkehrenden Schiffe fest. Gegen die daraufhin angeordneten Fällungen formierte sich sofort eine Bürgerinitiative, die die Anzahl der betroffenen Bäume immerhin von 200 auf 38 reduzieren konnte. Zum Fortgang der Sanierung läuft nach wie vor ein Mediationsverfahren. Es ist also noch Hoffnung, dass der Landwehrkanal den Berlinern als grüne Lebensader und Naherholungsbereich erhalten bleibt.
( Text: JJ )

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