Das Stadtschloss Berlin - Ich bau dir ein Schloss... - Das Humboldt-Forum kommt. Wo früher der Palast der Republik, liebevoll auch "Edes Lampenladen" genannt, stand, ragt heute ein Gerippe in den Himmel: 2002 beschloss der Bundestag den Rückbau, Anfang 2006 wurde mit der Demontage begonnen, die aus umwelttechnischen Gründen und nach neuen Asbestfunden zur Zeit nur schleppend vorangeht.

Früher oder später aber werden die letzten Reste der sozialistischen Vergangenheit beseitigt sein - und dann soll an dieser Stelle ab 2010 das 1950 abgerissene Stadtschloss wiederauferstehen: Unter dem Namen "Humboldt-Forum" wird hinter historischer Fassade neuer Inhalt geliefert.

Die Idee gab es schon lange: Statt des DDR-Vorzeigebaus sollte Preußens Prunk und Gloria an historischer Stelle neu erstehen. Reaktionär und außerdem unbezahlbar, meinten die einen, während die anderen mutig zur Tat schritten: Diverse Bürgerinitiativen sammelten Spenden, um ihren Traum zur Wirklichkeit werden zu lassen. Das Konzept, welches nun in die Tat umgesetzt wird, vereinigt Kulturpalast und historisches Schloss und erhält so wenigstens ein bisschen das Gedenken an den Veranstaltungsort, der vielen Ost-Berlinern so ans Herz gewachsen war, und in dem u.a. Udo Lindenberg seinen legendären Auftritt hatte.

Einen Eindruck, wie das wiederauferstandene Schloss auf das Stadtbild wirken könnte, vermittelte die 1993 durch den Förderverein Berliner Schloss e.V. errichtete Attrappe, die zu einem Umschwung der dem Projekt vorher größtenteils ablehnend gegenüberstehenden öffentlichen Meinung führte. In der Folge wurden die unterschiedlichsten Nutzungskonzepte für einen Schloss-Neubau erstellt. Glücklicherweise siegte am Ende die Idee, diesen Raum öffentlich zu halten, anstatt ihn etwa mit Hotels oder Büroetagen den Bürgern zu verschließen.

Nun wird auf den alten Fundamenten, in direkter Nähe der Museumsinsel und der Humboldt-Universität, ein moderner Raum für Kultur und Wissenschaft, für Bildung und Veranstaltungen errichtet. Die barocke Fassade soll dabei an drei Seiten rekonstruiert werden, für die Spreeseite ist ein Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben.

Bleibt nach wie vor die Frage der Finanzierung. 80 Millionen Euro wird die Rekonstruktion der Fassaden voraussichtlich betragen, und diese müssen komplett aus Spenden beglichen werden, denn der Staat übernimmt nur die Kosten für den modernen Kern des Gebäudes. Diese betragen genauso viel wie für einen Neubau, der an dieser Stelle sowieso errichtet worden wäre.

Projekte wie der Wiederaufbau der Frauenkirche zeigen, dass solche Summen durchaus von interessierten Bürgern zusammengetragen werden können, und dementsprechend optimistisch ist der Förderverein, dass es am Geld nicht scheitern wird.

Bis zum offiziellen Baubeginn 2010 soll der Platz mit einer temporären Kunsthalle zwischengenutzt werden und bleibt damit ein Ort für Kultur und ein Ort für die Bürger Berlins. Text: JJ.

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