Unter den Linden: Berlins historische Prestige- und Flaniermeile
Sandige Felder, eine handvoll Bauerngehöfte und ein Reiterweg, der das Berliner Stadtschloss mit dem Tiergarten verband - so sah die heutige Prestige- und Flaniermeile der
Hauptstadt noch im 16.Jahrhundert aus. Dort, wo heute das Leben der Hauptstadt pulsiert, verwandelte sich das ländliche Agraridyll erst nach und nach in das, was es heute ist: den Prachtboulevard Berlins, das Herz der historischen Mitte Berlins.
Denn erst nachdem der Dreißigjährige Krieg Schloss und Tiergarten in Schutt und Asche gelegt hatte und Kurfürst Friedrich Wilhelm die Verwüstungen in den Nachkriegsjahren vorzugsweise durch das Anlegen von allerlei Gärten und Alleen kompensierte, nahm der alte Jagdweg langsam repräsentativere Formen an. In einem sechsreihigen Galerie- bzw. Sichtachsensystems wurden insgesamt 1000 Nussbäume und 1000 Linden gepflanzt, die auf das wiedererrichtete Schloss zuliefen. Während die Nussbäume eingingen, blieben die Linden erhalten und gaben dem Boulevard schließlich den Namen "Unter den Linden". Immer noch war "Unter den Linden" jedoch das, was der Berliner heute schon fast als "jwd" bezeichnen würde. Die Straße lag damals jenseits der städtischen Festungsmauer und war weitestgehend von weitem Ackerland umsäumt.
1670 kam die geschäftstüchtige Kurfürstin Dorothea allerdings auf die Idee, einen Teil des Landes, welches die Allee umgab, parzellenweise zu verkaufen. Schnell entwickelte sich das sandige Ackerland in eine prosperierende Vorstadt, später südlich davon Friedrichstadt. Friedrich der I war sehr darauf bedacht, dass sich seine Allee stets in einem sehr gepflegten Zustand befand. Allerdings trieben sich durch die Nähe zum Ackerland immer noch Schweine herum, die den Boden aufwühlten. Später erließ Friedrich I ein Gesetz, demzufolge jeder Bewohner auf die Linden vor seinem Haus zu achten hatte und Beschädigungen melden musste.
Zu Wilhelminischen Zeiten stiegen Bedeutung und Renommee der Straße ungemein. Vor allem bedeutende Hoteliers, Bankiers und Geschäftsleute zogen nun hinzu. Nach dem Sieg über Napoleons Heer ließ Friedrich Wilhelm III die bis dahin noch vergleichsweise schlichte Straße von seinem Hofbaumeister Schinkel nach französischem Vorbild zur "Via Triumphalis ausbauen. Zwischen Brandenburger Tor und Schlossbrücke entstand daraufhin ein Stadtraum, der zusammen mit dem Schlossbezirk den städtebaulichen Höhepunkt der Hauptstadt bildete.
Auch heute noch ist Unter den Linden die Prestigemeile in Berlin. Die Straße Unter den Linden führt über 1,5 Kilometer von der Schloßbrücke zum Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor. Zahlreiche Botschaften, Traditionshotels wie das berühmte Hotel Adlon und viele weitere Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Humboldt Universität, das alte Zeughaus, das deutsche historische Museum, die Staatsoper oder die Neue Wache säumen die legendäre Allee. Auch Luxusboutiquen, Showrooms und noble Restaurants haben sich dazugesellt.
Übrigens ist Unter den Linden nicht nur zur warmen Jahreszeit, sondern auch im Winter, wenn die Bäume eher kahl sind, einen Besuch wert. Unser Tipp: Besuchen Sie Unter den Linden zur Weihnachtszeit. Dann sind die Linden mit Lichterketten geschmückt und ein riesiges Lichtermeer macht Berlins Prachtboulevard zu einer einzigartigen Weihnachtswunderwelt.