Karneval der Kulturen in Berlin: Wenn Kreuzberg zum Farbenmeer wird

Während die Berliner beim traditionellen Karneval im Vergleich zu den Kölnern, Aachnern und Mainzern vergleichsweise nüchtern bleiben, berauschen sie sich rund
Karneval der Kulturen in Berlin
Der Karneval der Kulturen in Berlin
Foto: © Yvonne Bogdanski
drei Monate später dafür umso mehr. Nicht so sehr am Alkohol oder Narreteien, sondern an einem opulenten Farbenmeer wie es Deutschland sonst nicht kennt: dem Karneval der Kulturen. Jedes Jahr an Pfingsten trägt Berlin vier Tage lang bunt und inszeniert in seinem Multi-Kulti-Bezirk Kreuzberg sein öffentliches Bekenntnis zur Vielfalt. Die jährlich steigenden Besucherzahlen machen das Event zu einem internationalen Publikumsmagneten, ähnlich wie der Love Parade, die Berlin mittlerweile aber an das Ruhrgebiet verloren hat.

Karneval der Kulturen - Ein großes multikulturelles Fest in Berlin


In Berlin leben rund eine halbe Million Ausländer aus fast 200 Ländern. Die unterschiedlichen Kulturen, die diese Menschen in die Hauptstadt importieren, leben nebeneinander, berühren sich gelegentlich oder auch gar nicht. In erster Linie sind es Chinesen, Russen, Polen, Türken, Amerikaner und Afrikaner. Ein Schmelztiegel? Gelebtes Multikulti existiert in Berlin zwar, wird von der großen Masse aber sicherlich kaum praktiziert. Den Karneval als "Kreuzberger Pfingstwunder" zu bezeichnen, wie es mancherorts getan wird, wäre sicherlich übertrieben.

Immerhin: auch wenn Multi-Kulti nicht nur friedliche Seiten hat, auf dem Karneval zeigt sich die Stadt von ihrer Schokoladenseite. Zumindestens ein Ausschnitt der
Bandbreite an bunter Vielfalt, die Berlins Bürger zu bieten haben, tritt beim Karneval der Kulturen zu Tage. Dann demonstriert Berlin Weltoffenheit, Toleranz und Internationalität. Bei dem Kostümspektakel vereinen sich die sonst über Berlin verteilten Kultursplitter zu einem farbenprächtigen Panoptikum und bringen für vier Festivaltage ein bisschen Notting Hill und Rio in die Stadt. Initiiert wurde der Event 1996 von der Werkstatt der Kulturen in Berlin-Neukölln, getrieben von der Überzeugung, dass Berlin als Stadt mit der höchsten Ausländeranzahl Deutschlands sich als "Integrationswerkstatt" begreifen muss, damit kulturelle Vielfalt, gegenseitiger Respekt und Toleranz tatsächlich erlebbar und erfahrbar werden.

Wenn die Karawane mit ihren Wägen, Trommlern und Tänzern jedes Jahr an Pfingsten vom Hermannplatz zur Yorkstraße zieht, kann der Zuschauer stundenlang Gruppen mit Kostümen aus allen Teilen der Welt, mit exotischer Musik und fremden Rituale an sich vorbei paradieren sehen. Hunderttausende Schaulustige säumen die Straßen, um mitzufeiern, zu tanzen und zu schunkeln. Sie schwingen die Hüften zu Samba aus Brasilien, Soca aus der Karibik und Hip Hop aus Neukölln, bestaunen bizarre Masken aus Bolivien und hinduistische Tempel auf Rädern. Egal wie knapp das Kostüm oder wie schrill der Kopfschmuck: hier ist erlaubt, was Spaß bringt. Daneben bevölkern Akrobaten, Zauberer, Percussionisten, und Seilkünstler die rasenflächen entlang des Umzugs und zahllose Stände und Buden bieten kulinarische Spezialitäten oder ihr Kunsthandwerk an.

Der Kinderkarneval beim Karnevals der Kulturen


Ein weiteres Highlight des Karnevals der Kulturen ist der Kinderkarneval, an dem sich jedes Jahr an die 10.000 Kinder mit ihren Eltern sowie zahlreiche Schulen und Kindereinrichtungen der Stadt beteiligen. Meist bilden die Kleinen mit dem Kinderkarneval die Vorhut, bevor es einen Tag später mit dem großen Umzug quer durch Kreuzberg losgeht. Dabei laden Stände zu Spielen ein und auf zwei Bühnen demonstrieren Kindergruppen ihr künstlerisches Können.

Das aufwändige Spektakel hat inzwischen übrigens in einigen anderen deutschen Städten Nachahmer gefunden, so z.B. in Bielefeld, Köln und Saarbrücken. Einen in der Größenordnung zumindest ansatzweise ähnlich großen Event gibt es allerdings nur in Hamburg. Seit 2003 feiern dort die Hanseaten den Karneval der Kulturen, jedoch lange nicht mit so vielen Besuchern wie in Berlin. In Sachen Multi-Kulti wird Berlin also weiterhin konkurrenzlos das Zepter schwingen.
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Text: -A.K.-


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