Der Berg ruft: im Viktoriapark Es gibt ihn tatsächlich: den Berg, der dem Bezirk Kreuzberg seinen Namen gegeben hat. Zwar reichen die 30 Meter Höhenunterschied vom "Tiefland" bis zum Gipfel nicht ganz aus, um beim Aufstieg wirklich außer Atem zu kommen, doch mit etwas Phantasie muten die gewundenen Wege durch den Wald und der rauschende Wasserfall durchaus alpin an. Wenn er denn rauscht, der Wasserfall - denn leider ist das Bachbett heute allzuoft so ausgetrocknet wie die Kasse des
Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg.

An solche Probleme hat der Stadtgartendirektor Hermann Mächtig im Jahre 1888 vermutlich nicht gedacht,
als er die "Parkanlage mit gebirgsähnlichem Charakter" anlegen ließ, die heute den Namen "Viktoriapark" trägt. Diese sollte als würdige Umgebung für das Nationaldenkmal dienen, das 1821 zur Erinnerung an die Schlachten der Befreiungskriege gegen Napoleon auf dem Gipfel des Berges errichtet wurde, der damals noch "Tempelhofer Berg" hieß. Karl Friedrich Schinkel gestaltete das Denkmal als gusseiserne Spitzsäule, versehen mit zwölf Statuen und einem Kreuz, das dem Berg seinen heutigen Namen gab. Ringsherum kann der Besucher anhand der Ortsnamen seine Geschichtskenntnisse testen ("Was war nochmal bei Leipzig? Ach ja, die Völkerschlacht. Und was ist Belle-Alliance? Waterloo!") und findet sich eine Erklärungstafel, "den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung", die die Taten der Bevölkerung preist, die ihr "Gut und Blut dem Vaterlande" hingegeben hatte.

Die künftigen Geschlechter, die sich heute im Viktoriapark einfinden, sind allerdings ein eher friedliches Völkchen. Vor allem im Sommer tummeln sich auf den Grünflächen fröhliche Sonnenanbeter, Tai-Chi-Jünger, Percussionisten, Großfamilien... Das Grillen im Park ist zwar seit einiger Zeit verboten, doch gibt es Gegrilltes samt festen und flüssigen Beigaben im Biergarten zu konsumieren, der sich sinnigerweise den Namen "Golgatha" gegeben hat und zu den wichtigen Kreuzberger Institutionen zählt. Seit 2005 bietet auch das "Café am Denkmal" Getränke und Kleinigkeiten zum Kauf an (im Sommer täglich, im Winter nur an Wochenenden und Feiertagen).

Zu Silvester erfreut sich das Denkmal im Viktoriapark ganz besonderer Beliebtheit - kein Wunder, hat man doch von dort einen der schönsten Rundblicke über die Stadt: zwischen dem Teufelsberg im Westen und den Plattenbauten in Marzahn-Hellersdorf im Osten blickt man auf Sony Center, Reichstagskuppel, Charité, die Bauten am Alexanderplatz und unzählige Kirchtürme. Damit ist das Denkmal Berlin-Besuchern als Gratis-Alternative zum Fernsehturm durchaus zu empfehlen. ( Text: J.S. )

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