Vom Provinzflughafen zum Großprojekt: Berlin Schönefeld - Flughafen BBI Die Anfahrt war, vor allem aus dem Nordwesten Berlins, schon immer umständlich, die Anlage provinziell. Trotzdem hat der Flughafen Berlin Schönefeld den Zuschlag bekommen,
Flughafen BBI
Foto © Andrea Seemann
zum Großflughafen Berlin Brandenburg International, kurz BBI, ausgebaut zu werden. Und die Halbzeit bis zur geplanten Inbetriebnahme ist bereits überschritten. Das ärgert nicht nur die Anwohner. Denn wenn der Großflughafen im Herbst 2011 seine Tore öffnet, muss nach Tempelhof auch Tegel schließen, so dass Berlinern in Zukunft keine Wahl mehr bleibt: Wenn sie fliegen wollen, müssen sie sich nach Schönefeld bequemen.

Schon einmal erlebte der Flughafen glorreiche Zeiten. Nach Ende des zweiten Weltkriegs bauten die Sowjets das ehemalige Gelände der Henschel-Flugzeugwerke, das bereits über drei Start- und Landebahnen verfügte, für die zivile Luftfahrt aus. Schönefeld entwickelte sich zum Zentralflughafen der DDR und wurde mehrmals erweitert. Bis zu 18 Millionen Passagiere sollten hier einmal abgefertigt werden - erreicht wurden bis zur Wiedervereinigung immerhin drei Millionen.

Danach gingen die Passagierzahlen zurück - der besser erreichbare und modernere Tegel Airport wurde zum Hauptflughafen des vereinten Berlins.
Schönefeld war hauptsächlich für Charterflüge von Bedeutung. Das änderte sich erst, als ab 2003 zunehmend Billigfluggesellschaften nach Schönefeld zogen. EasyJet wählte den Flughafen als Basis aus und besitzt inzwischen einen eigenen Terminal. Dies führte zu einer deutlichen Wiederbelebung: Rund 6.6 Millionen Passagiere wurden 2008 abgefertigt.

Für günstige Flüge nimmt man auch einmal lange Anfahrtszeiten und teure BVG-Tickets (seit 2008 liegt Schönefeld in Tarifzone C) in Kauf. Auch die Tatsache, dass die U7 kurz vor dem Flughafen Endstation hat und man für die letzten Kilometer in den Bus umsteigen muss, ist für ein Schnäppchen zu verschmerzen. Die Ansprüche an ein internationales Drehkreuz für Berlin und Brandenburg sind allerdings etwas höher. Ob und wann sie erfüllt werden können, ist noch unklar.

So wird die schnelle Zugverbindung zum neuen Bahnhof direkt unter dem Terminal bis zur Eröffnung des BBI nicht fertig. Wann der Trassenbau für den Airport-Express, der Schönefeld in 20 Minuten mit dem Hauptbahnhof verbinden soll, beginnen kann, ist wegen diverser Fehlplanungen nach wie vor unklar. Anwohner der Strecke fordern außerdem einen Tunnel, welcher der Bahn aber zu teuer ist. Klagen könnten den Baubeginn weiter verzögern. Auch eine Verlängerung der U7 bis zum Flughafen ist vorerst nicht geplant. Und wie schnell man den Flughafen über den eigenen Anschluss an die A113 erreicht, hängt vom Verkehrsaufkommen auf der Stadtautobahn ab.

Eine Kapazität von 22 bis 25 Millionen Fluggästen soll der BBI gleich nach dem Start fassen können - deutlich mehr als 2008 auf allen Berliner Flughäfen abgefertigt wurden. Damit all diese Menschen es überhaupt bis zum Terminal schaffen, muss noch viel passieren. (Text: JJ / 25.05.2009)


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