Bangaluu: Ein Hauch Dekadenz
Eigentlich vermutet man derartig stylishe Adressen in direkter Nähe zum Nordbahnhof weniger, doch das Bangaluu macht die Ausnahme.
Hinter der Fassade des Alten Postamtes versteckt sich ein spektakulärer Dinnerclub mit avantgardistischem Interior Design, in dem Clubrestaurant, Diskothek und Cocktailbar zu einer einmaligen Einheit verschmelzen.
Entspannen, genießen und erleben - unter diesem Motto werben viele Clubs, doch nur selten wird dieses Konzept so konsequent umgesetzt wie im Bangaluu. Statt steif an den Tischen zu sitzen, kann man hier den lukullischen Genüssen bequem im Liegen frönen. Essen, so lautet die Devise des Clubbesitzers, soll hier zum Happening erhoben werden. Bevor man sich auf der weißen Bettenwiese im stilvoll illuminierten 1.Obergeschoss des Clubs lümmeln darf, wird man in der White Bar mit einem Welcome-Drink empfangen und man wartet dort, bis der persönliche Host einen zu seinem Platz geleitet. Dort muss man dann seine Schuhe ausziehen und in einer kleinen Box neben den jeweils auf bis zu zehn Leuten ausgerichteten Plätzen zu verstauen. Löcherige Socken sollte man also lieber nicht anhaben, sonst könnte es peinlich werden. Hat man es sich schließlich bequem gemacht, werden mundgerechte Fingerfoodhäppchen, verteilt auf mehrere Gänge, serviert. Zwar werden die Delikatessen in winzigen Gourmetportiönchen gereicht, dafür schmecken sie auch wirklich exquisit. Keine Austern oder Jakubsmuscheln zwar, aber doch extravagant und deliziös. Zwischendrin stellt sich der Wellnessbeauftrage des Clubs vor, reicht ein paar Erfrischungtücher und nimmt Vorbestellungen für ausführliche Massagen während des Dinners entgegen. Die sind im Pauschalpreis des Menüs, das bis zu 10 Gänge beinhaltet, bereits mitinbegriffen - genauso wie das Unterhaltungsprogramm mit anspruchsvollen Live-Acts.
Das Ganze ist zugegbenermaßen ein klein wenig dekandent und man kommt sich vor wie im Alten Rom, wo die Herrschaften auf den Diwans lagen, das Essen im Liegen verputzten und sich nebenher von ein paar Tänzerinnen unterhalten ließen. Ganz so ist es im Bangaluu natürlich nicht. Der Club ist gehoben, aber nicht exklusiv, sexy, aber sicher auch kein Ort für Orgien jeglicher Art. Apropos: wer übrigens Angst haben sollte, beim Essen mit fremden Menschen auf einem Bett liegen zu müssen, sei beruhigt. Die Liegewiesen sind in Plätze à zehn Personen separiert und auch wer nur zu dritt oder zu viert kommt, bleibt unter sich. Eine vorherige Reservierung ist allerdings Pflicht, je eher, desto preisgünstiger wird auch das Menü.
Nach dem Dinner gibt's ausgiebig Gelegenheit, in der White Bar die angefutterten Kalorien bei House, Techno und Electro wieder runterzutanzen. Die ehemalige Schalterhalle des Postamts, die wie die Dinnerlounge ganz in weiß gehalten ist, wirkt mit ihren Sitzpodesten und langen Bar-Tischen neben der Tanzfläche sehr sophisticated. Die White Bar ist übrigens auch für alle Nachtschwärmer geöffnet, also auch für Gäste, die nicht vorher am Dinner teilgenommen haben. Neuankömmlinge betreten die White Bar direkt über einen riesigen, leicht erhöhten Laufsteg entlang der Tanzfläche. Sie sollten darauf vorbereitet sein, vom bereits anwesenden Partyvolk genüßlich gemustert zu werden. Doch wer mutig ist, kann hier jedoch auch gerne ein wenig overdressed erscheinen, denn das schrille Outfit der vielen Drag Queens im Bangaluu ist ohnehin von "Normalos" kaum zu toppen.
Adresse: Bangaluu in Berlin - Invalidenstraße 30, Tel. 030 / 809 69 30 77
Anfahrt: S-Bahnhof Nordbahnhof bzw. U-Bahnhof Zinnowitzer Straße
Öffnungszeiten: White Bar täglich geöffnet ab 20 Uhr, Dinnerclub von Donnerstag bis Samstag ab 19 Uhr