Haus Zenner in Alt-Treptow - "einen Trunk Berliner Lebenslust"

Goethe konnte die Berliner nicht ab. "Dieses Gelichter" nennt sie gallig der Dichterfürst aus der "ästhetischen Provinz".
Biergarten Zenner in Berlin Treptow
Blick auf die Restauration Zenner–Eierschale.
Eines der traditionsreichsten Ausflugslokale in Berlin.
Foto © -wn-
Kein Wunder: An der Spree wurde Goethe akzeptiert, aber nicht wie in Weimar bewundert. Insgeheim jedoch beeindruckte den geadelten Feingeist die aufgeräumte, zupackende Lebensart der Spreeanlieger. Einlenkend schreibt er seinem Freund, dem Berliner Komponisten Carl Friedrich Zelter, er "begreife … kaum, wie ihr, hastig lebend, so viel genießend, euch grenzenlos zerstreuend, doch noch nebenher auch wieder fürs Leben sorgen könnt?" Schmeichlerisch bittet er für sich sogar "einen Trunk Berliner Lebenslust". Diesen Trunk hätte er bei seinem einzigen Besuch an der Spree im Mai 1778 haben können. Genügt hätte ein Ausflug ins stadtnahe Vorwerk Treptow in der Berliner Exklave im Teltower Land,
dort wo heute die Puschkinallee der Spree ganz nahe kommt und ein schichtenübergreifend gemischtes Publikum "bei Zenner geht". Bereits im 19. Jahrhundert hat sich hier alles getroffen - vom Bierkutscher bis zum Bankdirektor. Das Anwesen grenzte schon damals direkt an die Spree und in anderer Richtung begann "eine Waldgegend … von lichtschimmernden Buchen und ehrwürdigen Eichstämmen", wie der Schriftsteller Karl Gutzkow überliefert.

Biergarten Zenner - ein beliebter Biergarten am Treptower Park


Die inzwischen zu den ältesten Traditionslokalen Berlins zählende Restauration "Eierschale - Haus Zenner" mit Gasthaus und Biergarten
Biergarten Zenner
Im Sommer ist im Biergarten Zenner richtig was los!
( Das Foto entstand im Winter! )
Foto © In-Berlin-Brandenburg.com
ging aus einem landwirtschaftlichen Betrieb hervor. Auch von ein paar leichten Sommerhäusern berichtet eine Urkunde. Einem Backhaus folgte gegen 1730 ein Brauhaus und diesem bald ein Kaffeehaus mit Kegelbahn und der Attraktion "Hier können Familien selber Kaffee kochen": Gegen geringes Entgelt wurde heißes Wasser abgegeben. Der erste volkstümliche Name "Spree-Budike" weist darauf hin, dass es sich um kein elegantes Restaurant im Sinne der drei Berliner Gasthaus-Klassen handelte. Mehr noch: Von den teils wüsten Saufgelagen und Schlägereien beim Stralauer Fischzug immer am 24. August am jenseitigen Spreeufer blieb die Treptower Seite nicht verschont, weil viele Besucher übersetzten. "Wie könnte die Freude in das Herz eines Grobschmied's einkehren, wenn er seine Fäuste nicht in die Wangen seiner Collegen abdrücken könnte", beschrieb der Publizist Adolf Glaßbrenner drastisch die zügellosen Gastereien in Stralau und teils in Treptow. Auch andere Stimmen mahnten, dass dies kein heiteres Volksleben ist und der angebliche "Frohsinn aus der Branntweinflasche kommt und die Freude mehr erkünstelt ist".
Gut, dass Goethe dies nie sah. 1873 wird der Fischzug kurzerhand verboten, und auch in Treptow kehrt Ruhe ein.

Kurz nach diesem Machtwort tritt ein Mann auf den Plan, dessen Namen das Gasthaus seit 135 Jahren beibehält, weil dieser wie ein Warenzeichen wirkt: der des Gastwirtes Rudolf Zenner (1847-1901). Der geborene Danziger überstrahlt Vorgänger und Nachfolger - wer kennt noch Johann Lauer, Fritz Regelin oder Friedrich Knape? Rudolf Zenner übernimmt vermutlich 1874 das "Gasthaus an der Spree", das 1822 vom Schinkel-Schüler Carl Ferdinand Langhans (1782-1869) im klassizistischen Stile errichtet worden war. Später werden die Seitenflügel aufgestockt. Über 23 Jahre ist Rudolf Zenner Pächter. Ab 1897 lebt er bis zu seinem Tod in der Elsenstraße als Rentier. "Concert und Feuerwerk" sowie spezielle Wasserfeuerwerke sind Attraktionen, die viele Besucher anziehen. Erstaunlich für ein Restaurant sind auch wissenschaftliche Vorträge zu Themen wie "Gibt es ein Leben auf dem Monde?" oder "Die Sternmythen bei den Indianern". Während des Neubaues der nahen Archenhold-Sternwarte Anfang des 20. Jahrhunderts genießt der "Verein von Freunden der Treptow-Sternwarte" Hausrecht.

Das Haus Zenner am Treptower Park


"Bei Zenner" vollzieht sich der Übergang von der Schenke alten Stils zur Restauration. Hier kommt der "neue Schwof" auf. In einem Gedicht Kurt Tucholskys klagt die Berolina
Haus Zenner
Haus Zenner von der Spree aus gesehen.
Foto © In-Berlin-Brandenburg.com
auf dem Alexanderplatz, eine kräftig gebaute Amazone mit verklärtem Madonnengesicht und pathetischer Haltung: "Mit meine Würde paß ick nich - in den modernen Schwof." Bis heute ist die unkonventionelle Durchmischung des Zenner-Publikums offenbar. Beim Tanz im Freien kürzlich am Sonnabend schiebt der Bauunternehmer mit seiner sehr viel jüngeren Begleiterin ("Für mich arbeiten zwölf Polen.") eng an eng über die Tanzfläche. Die Leute tanzen klassisch zu zweit, vielfach auch allein. Das Hartz-IV-Ehepaar am Tisch hat sich Piccolo-Sektflaschen als Bierergänzung von zu Hause mitgebracht ("Is uns hier zu teuer."). Der griechischstämmige Rentner aus Weißensee ist jedes Wochenende hier und sucht unter der Weiblichkeit etwas Passendes ("War noch nichts dabei."). Eine betüterte Mittfünfzigerin kippt auf der lehnenlosen Sitzbank nach hinten in einen Kinderwagen. "Macht ja nischt, unsre Kleene sitzt Jottseidank bei Opa'n uffn Schoß", sagt die Mutter und hilft der abgestürzten Dame wieder nach oben. Innig wie einen Kirchenchoral singt rings um alles "Guten Abend kleine Kneipe, / Kali Spera Griechenland, / Fühl' mich wie im Fischerhafen, / Endlich wieder mal entspannt."

Die Öffnungszeiten vom Restaurant Zenner:


( Achtung! Saisonabhängig )
Winterpause vom 02.01.2014 bis 02.03.2014
Im März an den Wochenenden geöffnet.
Ab April von 10:00:00 Uhr bis 22:00 Uhr
Am Wochenende auch mal bis 02:00 Uhr oder 03:00 Uhr

Brunch im Zenner


An Sonntagen und Feiertagen können Sie von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr im Zenner Brunchen.

Wie man zu Zenner kommt:
Gasthaus und Biergarten befinden sich in der Mitte zwischen den S-Bahn-Stationen Treptower Park (S8, S9, S41, S42, S85) und Plänterwald (S8, S9, S85).
Von beiden Bahnhöfen geht man etwa 15 Minuten.
Die Haltestelle Alt-Treptow der Bus-Linie 167 befindet sich direkt vor dem Haus.

Eierschale Inh. Zenner Restaurations GmbH
Alt-Treptow 14-17
12435 Berlin
Telefon: 030 / 5337370
Alle Angaben ohne Gewähr ! - Text: -wn-

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  • (Stand 12.08.2014)
     
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