Das mongolische Restaurant CHINGGIS KHAN - mongolische Küche in Berlin
„Aus zweijährigen Hammeln / will ich eine Suppe bereiten …“ – mit einer solchen Absichtserklärung wird heutzutage kaum einer die Welt der Gourmets erobern.
Die Offerte stammt allerdings aus der rund 750 Jahre alten „Geheimen Geschichte der Mongolen“. Sie ist eine in die Naturalien-Sprache übersetzte Unterwerfungsgeste des mongolischen Führers Degei in Richtung seines Herrn, des ozeangleichen Chinggis Khan (um 1160 -1227). Würde sich das nach ihm benannte Erste mongolische Restaurant Berlins in der Bornholmer Straße auf das Verabreichen von zubereitetem Hammelfleisch beschränken, säßen dort vermutlich nur in Deutschland lebende Mongolen, die ein gutes Hammelgericht von Hause aus zu schätzen wissen.
Der beachtliche Anteil asiatischer Gäste im Chinggis Khan bestätigt andrerseits, dass hier tatsächlich mongolisch gekocht wird, also nicht eine verdeutschte zentralasiatische Küche überwiegt. Dem Gast wird nichts vorgemacht, wie etwa im China-Restaurant, wo man bekanntlich nicht chinesisch isst, wenn etwa eine Ente kross auf den Tisch kommt. Wie der Berliner Tagesspiegel kürzlich anmerkte, sind die China-Restaurants ein „letzter Hort der bürgerlichen deutschen Küche, nur in Folklore verpackt“. Nicht das Chinggis Khan! Auf der Speisekarte steht, was auch in den Restaurants in Ulan Bator serviert wird. Trotzdem – oder gerade deshalb - wird das Lokal von vielen deutschen, nicht selten landeskundigen Gästen frequentiert. Sie hat der Kabarettist Gerhard Polt bestimmt nicht im Auge, wenn er Provinzialität und Sprachunkundigkeit des deutschen Kleinbürgers zur Sprache bringt: „Ich käme mir völlig desolat unter den Mongolen vor, wenn ich nicht fragen kann: Schmeckts? Ich will doch wissen: Sie sind Mongole? Wie lange machen Sie das schon? Machen Sie das beruflich? Was gibt's zum Essen?"
In der reichhaltigen Speisekarte wird diese Frage beantwortet – es sei, man hat sich auf Fisch versteift. Da streikt der Mongole, so wie wir uns den Verzehr von Schlangen, Ratten und Insekten mehrheitlich noch nicht angewöhnen konnten. In der Rubrik Spezialitäten finden sich die Buuz genannten gedämpften Teigtaschen mit Rind- und Lammfleischfüllung und die gebratene Version, Huuschuur genannt. Bansch heißen gedämpfte Teigtaschen mit frischem Gemüse und Glasnudelfüllung. Wenn man sich allein mit diesen „Guten Drei“ der nationalen Küche auskennt, auch weiß, dass der wodkaähnliche Archi ein Bretterknaller ist und die (nur in der Mongolei erhältliche) gegorene Stutenmilch Kumys anfangs explosionsartigen Durchfall bewirkt, kann man sich schon als Mongoleikenner im Anfängerstatus fühlen.
Die mongolische Küche kennt nur wenige Gewürze, was kein Ausdruck von Armut ist. Selbst wenn man das dortzulande produzierte Fleisch ohne Würzstoffe zubereiten würde, hätte es dennoch Geschmack, weil das Weiden von Gräsern und Kräutern wie überhaupt der ganzjährige Aufenthalt der Tiere im Freien dem Fleisch eine „Vorwürze“ geben.
Gern wird im Chinggis Khan der suutei tsai bestellt, ein grüner, mit Milch und Salz aufgekochter Tee. Die Mongolen vervollkommnen ihn gern mit Butter, Hammelfett oder Trockenfleisch. Es bleibt dem Trinkenden überlassen, ob er Tee oder Bouillon herauszuschmecken glaubt.
Den Beweis dafür, dass der Metzger in der Mongolei keineswegs als Mann mit blutigem Handwerk gilt, kann das Restaurant nicht antreten, obwohl der Arat schnell mal ein Schaf schlachtet, wenn ein Gast eintrifft oder die Mischpoke aus der Stadt hungrig in der Jurte sitzt. Das stressfreie Töten etwa von Schafen ist dort ein Vorgang, bei dem Kinder zusehen und anschließend keineswegs psychologisch betreut werden müssen. Ein feiner handbreiter Schnitt wird in die Bauchdecke gesetzt, sodann nach der Aorta getastet, die schließlich durchtrennt wird. In kürzester Zeit verliert das Tier lautlos das Bewusstsein.
Das muss man sich wohl im Lande der Araten selbst ansehen, um zu bemerken, dass die Mongolen überaus schonungsvolle Schlachter sind. Im Restaurant Chinggis Khan kann man sich zu annehmbaren Preisen davon überzeugen, dass dieses zu großen Teilen in der Steppe lebende Volk eine erstaunliche Palette an Speisen hat, die Teil seiner bedeutenden Kultur sind.
-wn-
Das Mongolische Restaurant Chinggis Khan
Bornholmer Straße 10
10439 Berlin
Telefon: 030 44 71 56 04
Öffnungszeiten:
Mo: geschlossen,
Di, Mi, Do, Fr, Sa,
So: 17:00 - 24:00 Uhr Wie komme ich hin?
Bus: N2, Schönhauser Allee / Bornholmer Straße
Tram: 50, M13 Schönfließer Straße