Einzigartig in Europa: Das FEZ-Berlin - Feste, Fun und Ferienglück
Die Recherche blieb ergebnislos. Dabei hatte der Schriftsteller Erwin Strittmatter (1912-1994) gehofft, gerade hier ein literarisches Vorbild
für den jungen Helden seines später viel gelesenen Romans "Tinko" zu finden. Das war 1951 in der eben eröffneten Pionierrepublik "Ernst Thälmann". Fünf Jahre später ging in dem 100 ha großen Waldpark in der Berliner Wuhlheide sogar eine noch heute von Kindern betriebene Schmalspurbahn mit 7,5 Kilometer langem Schienennetz in Betrieb. Mehrere Wochen hatte der Autor mit Ferienkindern im Zelt gelebt, um Stoff für sein noch ungeschriebenes Buch zu finden. Es ging meist lustig zu. Die Kinder, noch in der Zeit des Zweiten Weltkrieges geboren, erlebten schöne Tage. Strittmatter spielte mit ihnen Völkerball und "Stadt, Land, Fluss" und kroch bei der Schnitzeljagd mit durchs Unterholz.
Später wird er erkennen: "Was mir in der Wuhlheide fehlte, waren die Konflikte. Die Pionierrepublik war eine Insel
der Glückseligen." Es passierte trotzdem kaum etwas, was einen Autor interessierte. Eine soziale Studie hätte sich angeboten. Der Frohsinn dort hatte eine Bedingung: das widerspruchslose Einhalten einer Überzahl von Geboten. Der Tag begann mit dem Gruß "Seid bereit - immer bereit!" und nahm seinen Fortgang mit der Auflage "Wir Jungpioniere lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert". Ohne Ansehen der Person waren Ältere, Arbeiter, Bauern, Lehrer, Eltern, Veteranen, Polizisten als Gutmenschen zu achten, ja zu lieben. Der übersteigerte Disziplinanspruch führte bei vielen Kindern zu einem fatalen Verhalten: man betete die Parolen herunter und versuchte, auf seine Kosten zu kommen - eine frühe Schule frohgemuter Mitläufer.
Tinko im Buch ist kein Junge, der den lieben langen Tag irgendwelche Gebote einhalten will. Er lebt auf einem Bauernhof, reitet übermütig auf einem ausgestopften Wildschwein-Keiler, spielt im Hof auf zwei Holzstöcken Geige, hört diese Musik sogar und vergisst gelegentlich, das Frühbeet zu lüften, so dass die Radieschenpflänzchen verbrennen; natürlich bekommt er Ärger. Tinko hat einen Großvater, dem er nicht nacheifern muss. Er liebte ihn aber: der alte Mann versteht die Tiere. Der Kater vor dem Scheunentor lockt die Katze auf dem Heuboden: "Katharina, komm mal raus!" Der Hengst ruft der Stute zu: "Hiiier bin ich, hiiier!".
Wäre Erwin Strittmatter auf die Idee gekommen, nunmehr Großvater Tinko und dessen Enkel in die spätere "FEZ Wuhlheide Gemeinnützige Betriebsgesellschaft MbH" zu schicken - er hätte beide zunächst nicht anders als mit verschlagener Sprache schildern können. Wofür sich Kinder auch interessieren - zumeist kann das FEZ dieses Interesse befriedigen. Tinko, der den Salat mit den Ohren spielen sieht, hätte sich für das Botanikprojekt "Die Pflanzenwelt des Ökogartens" interessiert. Es würde ihn zum Konzert betitelt "Wie aus Geräuschen Musik entsteht" ziehen. Erstaunlich wäre ihm vorgekommen, dass dieser Mozart aus einem einfachen Himmel-Donnerwetter einen Tanz machen konnte (KV 534). Sie hätten Reisen, Ausflüge und Theaterbesuche buchen können, wofür man freilich das Geld haben muss. Imker Großvater Tinko kann sich gut einen Schwarm aus 10000 Einzelbienen vorstellen, aber kein Jahresprogramm bestehend aus 10000 Veranstaltungen für insgesamt eine Million Besucher.
Hinter den kindgerecht dargebotenen, in Europa einmaligen Angeboten zu den Themen Kunst, Theater, Medien, Ökologie, Technik, Raumfahrt, Kindermuseum, Spielpädagogik steht eine Phalanx von Unterstützern. Auf der mehrseitigen Liste sind klangvolle Namen zu lesen: die Band "Die Prinzen", die Weltraumfahrer Ulf Merbold und Siegmund Jähn, der weltbekannte Klarinettist Giora Feidman, die Sänger Nina Hagen und Peter Maffay, der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer sowie der hoch angesehene Bundespräsident a.D. Richard von Weizsäcker.
Das FEZ verbreitet mit dem Kinder-, Jugend- und Familienzentrum, der Landesmusikakademie
und den Bädern keine Atmosphäre irdischer Glückseligkeit. Kürzlich wurde auf dem Gelände ein Mahnmal gegen Kindesmissbrauch enthüllt. Man muss an einem zweistufigen Betonsockel vorbei, auf dem ein türloser, drei Meter hoher Käfig steht. Auf einem Eisenbett im Inneren liegt eine stilisierte Zeitung aus Aluminium. Zu lesen ist: "Kinderschänder wegschließen - für immer!" Den jungen Besuchern sollen die Gefahren des Lebens, aber auch - ohne Indoktrination - der Wert der Demokratie in der gegenwärtig möglichen Form veranschaulicht werden. Kritik- und Entscheidungsfähigkeit und Sinn für gesellschaftliche Mitverantwortung sind Ziele der vielen Angebote - wahrhaftig keine bescheidenen pädagogischen Endzwecke in einer sozial zerrissenen Gesellschaft.
Wie man zum FEZ in Berlin kommt:
S-Bahn S3 (Richtung Erkner oder Friedrichshagen) Bahnhof Wuhlheide; der Fußweg beträgt ca. 12-15 Minuten; Weiterfahrt mit der Schmalspurbahn ist möglich; TRAM 67 und 27 jeweils Richtung Krankenhaus Köpenick, Haltestelle Freizeit-und Erholungszentrum; Mit dem Auto ist das FEZ über die Autobahn A113 oder über die Bundesstraße 96A zu erreichen; Einen Newsletter mit dem Veranstaltungsangebot kann man unter www.fez-berlin.de herunterladen.
Das FEZ hat die Adresse: An der Wuhlheide 197 in 12459 Berlin ( Text: -wn- )
Mehr Spaß für Kinder in Berlin:
- Kinderbauernhöfe in Berlin
- Indoorspielplätze in Berlin
- Berliner Tierpark
- Freibäder in Berlin
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