Freischwimmer: Waterlounge im ehemaligen Niemandsland Ein wenig kommt man sich vor wie in Bangkok: eine Oase der Ruhe, zusammengezimmert aus schlichten Holzhäuschen, Stegen und Terrassen, die sich ans
Ufer des Flusses schmiegen und von wo aus man den Fischern beim Angeln zusehen kann, während im Hintergrund die Shilouette einer Metropole aufragt. Hier, im ehemaligen deutschen Niemandsland, wo der Flutgraben des Landwehrkanals Kreuzberg und Treptow voneinander trennt, ist man zwar weit von fernöstlichen Gefilden entfernt, doch das dementsprechende Feeling kommt schnell auf. In der lagunenartigen Welt, hier unter der Oberbaumbrücke rings um das Restaurant Freischwimmer, wurden zu Zeiten eines geteilten Berlins im unmittelbaren Schatten der Grenzanlagen Fische gezüchtet.
Heute hat sich auf Kreuzberger Seite eines der exotischten Bar-Erlebnisse Berlins häuslich eingerichtet. Von hier aus hat man einen unverstellten Blick auf die Bauten des Osthafens und das Fabrikgebäude, wo früher Kraftfahrzeuge wieder flott gemacht worden sind und heute die alternativ angehauchte Kunstfabrik am Flutgraben e.V. mitsamt der 2yK-Galerie hihr Domizil haben.

Wenn man Glück hat, löffelt man im Freischwimmer gerade dann seine Kokosmilchsuppe, wenn eines der vielen vorbeischippernden Boote mit fahrenden Musikern besetzt ist, die mitten auf dem Fluss vor dem Uferplateau einen Stopp einlegen und die Gäste für eine kleine Weile beschallen. Wer sicher gehen will, während dem Essen unterhalten zu werden,wirft vorher einen Blick auf den Freischwimmer-Eventkalender. In regelmäßigen Abständen finden hier Filmabende, Konzerte und Partyabende statt.

Der Zugang zu der idyllischen Waterlounge ist allerdings nicht ganz leicht zu finden. Direkt neben der ältesten Berliner Tankstelle (Aral), befindet sich eine leicht angerostete Gittertür, von wo aus man zu dem etwa 100 Meter langen Uferplateau hinabgelangt. Doch keine Angst. Der Freischwimmer ist nicht einfach nur ein besserer, aus Holzplanken zusammengehämmerter Imbißstand. Die kleine, feine Speisekarte bietet Delikatessen aus aller Herren Länder, darunter z.B. arabisches Kichererbesen-Gemüseragout, saftige argentinische Rumpsteaks, Maihähnchenkeule auf ungarischem Kartoffelgulasch oder Scampispieße mit Balsamico-Apfelvinaigrette. Die meisten Berliner zieht es jedoch sonntags zum gediegenen Brunchen hierher. Für diesen Anlaß fällt die Speisekarte auch deutlich umfangreicher aus. Man hat die Qual der Wahl zwischen Gerichten wie etwa dem "Lagenschwimmer", einer Bio-Müsli-Mischung mit Honig. Joghurt und frischen Früchten, oder dem "Nacktbader", einem Rührei mit Kräutern. Bayernfans bekommen Deftiges serviert: für sie gibt's Weißwürschtl im Petersiliensud mit süßem Senf und Brezn'.
Übrigens läd das Freischwimmer-Restaurant auch im Winter seine Gäste dazu ein, vom Alltag auf Tauchstation zu gehen. Dann sind allerdings weniger die sonst so hart umkämpften Plätze in der ersten Reihe direkt am Wasser, sondern eher rund um den lodernden Kamin im Indoorbereich besonders gefragt. Bevor man im Freischwimmer abtauchen will, sollte man also am besten vorher reservieren.



Weitere Informationen unter: www.freischwimmer-berlin.de
Text: ak


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