Kino KROKODIL Prenzlauer Berg - harte Sitze, weiche Sessel, heißer Tee

"Auch der Hass gegen die Niedrigkeit / Verzerrt die Züge" erkennt Bertolt Brecht (1898-1956) im Gedicht "An die Nachgeborenen" aus dem Jahr 1939. Was will uns der Dichter hiermit sagen? Im Kampf um eine bessere Welt leide nicht selten die Moral der gerechten Kämpfer - im Großen wie im Kleinen.
Hinzuzufügen ist: das war früher so, und nicht anders ist es heute. Brechts um
Kino Krokodil in Berlin
Die Außenansicht des Kinos KROKODIL in der
Greifenhagener Straße 32 im Berliner Prenzlauer Berg
(Aufnahme von 2011) - Foto: © -wn-
Verständnis, ja - was ihn betrifft - um Nachsicht bittender Text schließt mit dem, ein künftiges Paradies erwartenden Satz:

"Ihr aber, wenn es so weit sein wird
Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenket unserer
Mit Nachsicht"


Mit ähnlicher Intention wendet sich der sowjetische Dichter-Agitator Wladimir Majakowski (1893-1930) wenige Wochen vor seinem selbstbestimmten Tod ein letztes Mal der Nachwelt zu. Ebenso bittet er um gerechte Bewertung seiner, der vorstalinistischen Zeit, die ein weltrevolutionärer Neubeginn in der Menschheitsgeschichte sein sollte. Und er erhebt die Stimme mit dem Gestus des stolzen Sturmvogels aus der Meistererzählung Maxim Gorkis (1868-1936), den die sowjetische Literatur zur Metapher für leidenschaftliches, patriotisches Handeln nimmt. Der Vogel allerdings befindet sich im vorliegenden Fall im nicht mehr zu bremsenden Sturzflug. Dies wohl vor Augen verfasst Wladimir Majakowski zwischen Dezember 1929 und Januar 1930 das Gedicht "Mit aller Stimmkraft…". Wichtig ist ihm:

"Ihr Nachkommen
verehrte Enkel
Durchwühlt ihr einst
Der Jetztzeit
Kot-Petrefakt
Und studiert unserer Tage dunkles Gesprenkel, -
Vielleicht wird auch dann
nach mir gefragt …"

(Deutsch: Hugo Huppert; Petrefakt: Überrest von Tieren oder Pflanzen früherer geologischer Formationen). Fraglich bleibt, ob er zu diesem Zeitpunkt zumindest
ahnte, dass sein oft wütendes Beklagen der Spießbürger im Lande, überhaupt der Egoisten, der Denunzianten, Speichellecker, Scheinheiligen und Beamtenseelen doch bei weitem nicht das ganze Spektrum gesellschaftlicher Kritik ausfüllte, das hätte zum Tragen kommen müssen. Undenkbar freilich, dass er das Tun und Lassen der bolschewistischen Funktionäre zum Thema nehmen konnte. Es wäre ihm auch absurd erschienen. Zur Erinnerung: Zwischen 1924 und 1929 hatte der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) Jossif Wissarionowitsch Stalin (1878/79-1953) seine Konkurrenten um die Machtpositionen in Partei und Staat bereits ausgeschaltet und war unangefochten, wenn auch von ängstlichem Misstrauen gegen jedermann erfüllt, der "Woschd", der Führer, geworden. Ganz sicher hatte Wladimir Majakowski eine menschenverachtende Diktatur wie die Stalins nicht vor Augen, als er sich noch als zukunftssicherer Verkünder einer kommenden Welt menschlicher Harmonie verstand. Am Nachmittag des 14. April 1930 berichtet die "Vetschernaja Krasnaja Gazeta" (Rote Abend-Zeitung): "Heute um 10 Uhr 17 Minuten schoss sich Wladimir Majakowski in seinem Arbeitszimmer mit einem Revolver ins Herz. Die alarmierten Ärzte fanden ihn tot vor. In den letzten Tagen ließ Majakowski keine psychischen Störungen erkennen, die auf die eingetretene Katastrophe hingedeutet hätte." Man fand lediglich einen Brief, in dem er auf seine lakonische Art mitteilt: "Wie man so sagt, der Fall ist erledigt …"

Im Kino Krokodil


Des Dichters Aufforderung an uns, Geschichte zu bedenken, zu bewerten und aus ihr
Filme im Kino Krokodil
Ein Teil des Vorführraumes im Kino KROKODIL
Foto: © -wn-
Schlüsse für das Heute zu ziehen, geschieht heute an verschiedensten Orten - mal groß aufgezogen auf Kongressen oder im Feuilleton, und mal ganz im Kleinen, im Versteckten. Und eben auch in einem unauffälligen Kino am nördlichen Ende der Greifenhagener Straße im Berliner Prenzlauer Berg mit dem wiederum auffälligen Namen KROKODIL. Dort nimmt Majakowkis Maxime seit dem Jahre 2004 Gestalt an. Ein gezahlter Einheitspreis von 6,50 Euro berechtigt zum Besehen zeitgenössischer russischer Filme sowie sowjetischer Klassiker, aber auch von Produktionen, die politische und gesellschaftliche Veränderungen Osteuropas thematisieren. Majakowski könnte hier übrigens selbst vorbei gekommen sein: Er durchstreifte auf seiner Deutschlandreise 1924 die Stadtbezirke und erkannte im Berliner Norden "ein besseres, drittes, ein Rotes Berlin" aus dem Wirrsal der Geschichte steigen. Als er dies schrieb, ging es allerdings im Vorgängerkino NORD - einem von 26 "Pantoffelkinos" im Prenzlauer Berg - wenig revolutionär und klassenbewusst zu. Es sind die Jahre, in denen sich die Leute vornehmlich sogenannte Sittenbilder anschauen wie etwa das "Tagebuch einer Verlorenen". Die dort gebotene Standard-Erotik war nach heutigem Maßstab verhalten; entscheidendes musste man sich dazu denken. Und nicht umsonst heißt es im berühmten Gedicht "Danach" von Kurt Tucholsky (1890-1935), dass "nach einem happy end / im Film jewöhnlich abjeblendt" wird. Hier war das tatsächlich so. Die Berliner Unterschichtler kamen aber durchaus auf ihre Kosten, wie wir aus dem 1929 vom deutschen Journalisten Hans Otto August Ostwald (1873-1940) veröffentlichten Zille-Buch wissen:
"Maxe, komm in' Kintopp rin,
Heut' wechselt det Programm,
Wir nehm' 'nen reservierten Platz,
Wir rücken dicht beisamm'.
Maxe, wenn et dunkel wird,
Dann macht es riesigen Spaß,
Wir knutschen, knutschen, knutschen uns,
Bis wieder brennt der Gas."

Natürlich können sich auch heute im nämlichen Kino Gatten, Freunde oder sonst wie aneinander Interessierte näher kommen, wenn auch wohl unter den Gründen für
Erinnerungstafel in Moskau
Erinnerungstafel am ehemaligen Wohnhaus des sowjetischen
Schauspielers und Filmregisseurs Sergei Fjodorowitsch
Bondartschuk (1920-1994) in der Moskauer Twerskaja uliza.
Bondartschuk inszenierte u.a. die Filme Krieg und Frieden,
Waterloo und Boris Gudonow. - Foto: © -wn-
einen Besuch der schmalen Lichtspielstätte menschliche Lüste nicht mehr an der Spitze stehen. Doch zuerst muss man einmal dorthin finden.
Oft gibt es über der Tür eine Werbung in kyrillischen Buchstaben - wie zum Beispiel im Sommer 2011 - für den ersten Spielfilm "Mein Glück" des ukrainischen Dokumentarfilmers Sergei Loznitsa (geb. 1964). Der Film "Stschastje moje", so der russische Titel des preisgekrönten Werks, belegt, dass Brechts Hoffen auf ein unter Menschen verbreitetes Samaritertum in Russland - und eben auch nicht nur dort - immer noch weitgehend unerfüllt ist.

Wie kommt das Kino KROKODIL zu seinem Namen?


Der Name KROKODIL erinnert an die in der Sowjetunion ab 1922 herausgebrachte und nach einigen Rettungsversuchen 2008 eingestellte satirische Zeitschrift, deren Symbol ein rotes Krokodil mit einer Heugabel war. Aber Kinobetreiber Gabriel Hageni, ein 1972 nahe dem sächsischen Freiberg geborener Pastorensohn und studierter Kunsthistoriker, gibt eine andere Version der Namensfindung an. 2004, in dem Jahr, in dem er das bis dahin geschlossene Kino übernahm und mit viel Aufwand auf Vordermann brachte, sei ein im Umzug begriffener befreundeter brasilianischer Künstler mit einer blauen Krokodil-Nachbildung vorbei gekommen. Er wollte sie loswerden, und seitdem hängt das Tier als Namensgeber an der Decke des kleinen Foyers über dem Tresen, an dem man Tee im Podstakannik-Glas, Wein, Bier der Marke Schiguljowskoje und Tickets, diese von der altüblichen Rolle abgerissen, erwirbt. Die goldbraune Wandtapete im Saal und das hüfthohe Paneel darunter verleihen dem Raum eine heimelige Atmosphäre. Auf der kleinen Vorbühne sieht man zwei Pianos, auf denen Stummfilme begleitet werden. Die knapp einhundert Sitzgelegenheiten zerfallen in zwei Gruppen. Im leinwandnahen Teil kann der Zuschauer auf weichen hellbrauen Drehpolstersesseln Platz nehmen. Die hölzernen Klappsitze dahinter haben jene Härte, die Stalin in seinem privaten etwa 130 Quadratmeter großen Kreml-Kino mit 20 Plätzen bevorzugte.
Der filmbegeisterte Generalissimus schrieb in einem Brief: "Von allen Künsten ist Kino für uns die wichtigste." Im Roman "Die Kinder vom Arbat" von 1987 des russischen Schriftstellers Anatoli Naumowitsch Rybakow (1911-1998) wird das Kreml-Kino so beschrieben: "Stalin pflegte sich die Filme mit einem seiner Politbüromitglieder anzusehen. Er setzte seine Brille auf und nahm in der siebenten, der letzten Reihe an der Seite auf einem harten Sitz Platz, so dass ihn weder der Lichtstrahl noch das Surren des Apparates stören konnten. … Mit Brille zeigte er sich niemandem, es gab auch keine Bilder von ihm mit Brille." Hier soll er 38 mal den 1934 gedrehten Tschapajew-Film der Brüder Sergei und Georgi Wassiljew (1900-1959; 1899-1946) gesehen haben. "Der Film gehört zu den klassischen Werken der sowjetischen Filmkunst, war einer der größten Erfolge der nationalen Filmgeschichte und ist zugleich selbst ein historisches Zeitdokument", schreibt das Lexikon des internationalen Films. Er gehört auch ins Repertoire des KROKODIL. Natürlich ist Stalin auch selbst in Dokumentarfilmen zu sehen. Und auf die Frage, welchen Wert es hat, sich den Diktator im Kino anzusehen, hat der russische Historiker Lew Alexandrowitsch Besymenski (1920-2007) in seinem 2002 erschienenen Buch "Stalin und Hitler" versucht, eine Antwort zu geben: "Die Vergangenheit zeigt sich uns in verschiedener Gestalt in den Zeilen persönlicher Briefe, als vergilbtes Foto oder als alter Film mit hüpfenden Bildern. Stalins Rede holt uns, nicht zuletzt mich selbst, mit ihrem ganz eigenen Ton in eine mir heute fremde, längst vergangene Zeit zurück, in der andere Sitten und Gebräuche herrschten, andere Formen gesellschaftlichen Verhaltens, die uns heute unverständlich, ja sogar absurd erscheinen. Das war eine andere Welt mit ihrer eigenen Ordnung, die wir damals für unstrittig und einzig vorstellbar hielten. Eine Welt, in der Stalins Wort alles andere überwog." Wie die Grausamkeit eines von außen eindringenden Aggressors nicht nur menschliche Opfer fordert, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen unter überlebenden Opfern selbst zerstört und bei ihnen Misstrauen, Verrat, Verzweiflung und Gewalt befördert, davon erzählt ein weiterer Film Sergej Loznitsas - "Im Nebel". Im Kulturportal-Rußland.de schreiben die Rezensenten Nora Mengel und Slava Obodzinskiy: "Für uns hat Loznitsa die Erzählung ‚Im Nebel' (1987) von Wasil Bykow (1924-2003) verfilmt. Damit wir heute verstehen lernen, was es damals bedeutet haben muss, im permanenten Kriegszustand sich selbst treu bleiben zu wollen." Viel beachtet wurde im KROKODIL auch der Stummfilm "Panzerkreuzer Potemkin" von Regisseur Sergej Michailowitsch Eisenstein (1898-1948). Der Streifen geht nun auf die Neunzig zu (2013), und doch ist seine tonlose Sprache beredet und eindrucksvoll bis auf den heutigen Tag.

In seinem Bestreben die Geschichte der russischen und sowjetischen Filmografie erlebbar zu machen, begreift sich der Filmvorführer mit dem markanten biblischen
Werk des Bildhauers Ladislav Picha
Beispiel für historische Gerechtigkeit: Im Park des Schlosses
im tschechischen Hluboká nad Vltavou (Frauenberg an der
Moldau) ist an einer Wand eine Arbeit des tschechischen
Bildhauers Ladislav Picha (geb. 1917) zu sehen. Sie stellt einen
Rotarmisten und eine Mutter mit zwei Kindern dar, die dem
Soldaten Blumen überreicht. Das kleine Relief ist der Befreiung
der Tschechoslowakei im Mai 1945 durch die Rote Armee
gewidmet und wird ungeachtet der Erfahrung gezeigt, die die
ehemalige CSSR ab dem 21. August 1968 machen musste, als
eine halbe Million Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns
und Bulgariens das Land besetzten und den "Prager Frühling"
gewaltsam beendeten. - Foto: © -wn-
Vornamen als Bote russischer Kultur in Berlin. Seine Werbung wendet sich an die über 110000 Berliner Russinnen und Russen und an die nicht wenigen in verschiedenen Graden russophilen Deutschen. Der schon bestehende harte, durchaus nicht übergroße Zuschauerkern soll weiter wachsen. Es gibt Vorstellungen, in denen die Zuschauerzahl die Zehn nicht überschreitet. Der Autor dieser Zeilen sah vor einiger Zeit die Verfilmung des Romans "Der weiße Dampfer" von Tschingis Torekulowitsch Aitmatow (1928-2008) - als einziger Zuschauer. In Kulturmedien des russischen Internets hat sich der unentwegte Gabriel Hageni inzwischen den Ehrentitel "Molodjez" (Prachtkerl) erarbeitet. "Unser Kino in Berlin" überschrieb eine Kulturplattform ihren Beitrag über das erste "Russen-Kino", das sich die deutsche Hauptstadt zugutehalten kann. Mit Sinn für Selbstironie weist der Betreiber darauf hin, dass es in seinem Kinotheater keine Warteschlangen und keinen Popcorn-Verkauf gibt. Und in der Zeitschrift, die er aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des KROKODIL und seiner Vorläufer 2012 herausgab, erklärt er ebenso freimütig: "Manchen Gästen riecht es im KROKODIL noch immer zu muffig. Einige finden unsere originalen Klubsessel zu weich und die klassischen Holzkinoklappsitze zu hart. (Bei uns) erleben Sie noch Filmrisse, schlecht beheizte Toiletten (und) leere Vorstellungen … Bleiben Sie uns treu, wenigstens so lange es bei uns noch richtiges Kino gibt. Möglicherweise renovieren wir ja demnächst unsere Toiletten und spätesten dann haben auch wir digitalisiert." "Fürchtet Euch nicht!" scheint Gabriel Hageni allen sagen zu wollen.

Unter den geschilderten praktischen Umständen werfen die beiden tschechoslowakischen Filmprojektoren die Bilder sehenswerter Filme mit relativer Beständigkeit auf die Leinwand. Heiterkeit kommt auf, wenn man sieht, wie die nicht mehr ganz jungen Männer des berühmten, 1928 gegründeten Alexandrow-Ensembles mit den nicht weniger berühmten dreizehn Mannen der finnischen Band Leningrad Cowboys gemeinsam musizieren, ohne dass es sich dabei um eine ausgesprochen komische Nummer handelte. Und man erlebt Filme der anderen Art, zum Beispiel jenen DEFA-Streifen, der zu den historisch abwegigsten zählt, die zu DDR-Zeiten produziert wurden. Gezeigt wurde zunächst "Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse", der erste von zwei Filmen, die dem deutschen, von den Nazis ermordeten Antifaschisten und KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann (1886-1944) gewidmet sind. Die aufwändig hergestellten Filme fälschen die Rolle der KPD im Kampf gegen Hitler und verschweigen die tragische Parole dieser Partei, nach der die deutsche Sozialdemokratie der "linke Flügel des Faschismus" gewesen sei. Regisseur beider Filme ist der Mitbegründer der DEFA, Prof. Kurt Maetzig (1911-2012), der später ehrlich bekennt, mit beiden Filmen vom eigenen künstlerischen Weg abgekommen zu sein. Seine Worte: "Aber ich konnte den Zeitgeist, dieses übertriebene Pathos, diese Verschönerung der Wirklichkeit, eben all das, was stalinistische Ästhetik ausmacht, natürlich nicht besiegen." Unter seiner Regie entstanden auch die erfolgreiche Produktion "Schlösser und Katen" (1956) und der 1965 verbotene Film "Das Kaninchen bin ich". Auch die "Die Geschichte vom kleinen Muck" von 1953 nach Wilhelm Hauff (1802-1827) unter der Regie von Wolfgang Staudte (1906-1984) ging über die Leinwand. Der Film gilt als der erfolgreichste DEFA-Streifen. Die Hauptrolle spielt der damals elfjährige Junge Thomas Schmidt aus Stendal (1942-2008), der zuletzt als Medizin-Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig war und sich als Entwickler einer Nasendusche zur Nasenspülung mit physiologischer Kochsalzlösung einen weiteren Namen machte.

Welchen Genuss kann es aber dem Zuschauer heute noch bereiten, Filme wie zum Beispiel den Streifen "Wie der Stahl gehärtet wurde" anzusehen? In der zweiten von
Puschkin Denkmal in Moskau
Das Puschkin-Denkmal am nördlichen Ende der Moskauer
Twerskaja uliza. Am Tage halten sich dort fast immer
Menschen auf, die Texte des beliebtesten russischen
Schriftstellers lesen oder sogar vortragen. Foto: © -wn-
drei sowjetischen Verfilmungen des gleichnamigen Romans (die Fassung von 1957 nennt sich "Pawel Kortschagin") des ukrainischen Schriftstellers Nikolai Alexejewitsch Ostrowski (1904-1936) erleben wir ein Hohelied auf eine revolutionäre Haltung junger Menschen im russischen Bürgerkrieg 1917/18-1920. Die Rolle des Pawel Kortschagin spielt der 23jährige russische Schauspieler Wassili Lanowoi (geb. 1934), der später einige Jahre mit der hinreißenden Leningrader Schauspielerin Tatjana Saimoilowa (geb.1934) verheiratet war, die durch den Film "Wenn die Kraniche ziehen" bekannt wurde. Der Kortschagin-Film zeigt die persönliche Strapazen missachtende Ergebenheit der Komsomolzen zum Bolschewismus, frenetisches Zustimmen zu allem, was von oben kommt, zu Gunsten der Revolution hinausgeschobene Liebesbeziehungen, überhaupt einen ins voluntaristische Extrem getriebenen Idealismus. Inzwischen wissen die durch Zeitablauf historisch klüger Gewordenen, dass "Bolschewismus und Faschismus einer wie der andere falsche Morgenröten (sind); sie führen keinen neuen Morgen herauf, sondern den Morgen eines archaischen Tages, der schon allzu oft aufging; sie sind Rückfälle in die Barbarei". Die Feststellung des spanischen Philosophen José Ortega y Gasset (1883-1955) aus dem Jahre 1936 lässt sich mit der bis ins Heute reichenden Erfahrung ergänzen, dass das inszenierte Frenetische generell dem Menschen nicht gut tut. Die Bemerkung eines Tscheka-Funktionärs im Film, wonach die "neue Zeit" erst dann begänne, wenn alle Feinde der Sowjetmacht vernichtet seien, ist eine Drohung, die in der sowjetischen Realität Millionen Menschen das Leben kostete.

Die Filme im Programm des KOROKODIL bieten eine Überfülle an interessanten Stoffen, an spaßigen Geschichten und nachdenklich machenden Vorgängen, die meist im Tristen und Traurigen spielen. Gabriel Hagenis Angebot gleicht einem reich gedeckten sibirischen Ostertisch. Manches schmeckt zwar gut, liegt aber lange und schwer im Magen. Anderes hat man zu sich genommen, und man ist danach so beschwingt, als ob Gorkis Sturmvogel doch noch einmal in die Lüfte aufsteigen will.

Wie man zum Kino KROKODIL kommt:
Das Kino liegt um Umfeld des S- und U-Bahnhofes Schönhauser Allee (U-Bahn Linie U2; S-Bahnlinien S41, S42, S8, S85, S9). Vor dem Bahnhof befindet sich die Haltestelle der Straßenbahnlinie M1. Vom Bahnhof und Haltestelle sind es etwa 400 Meter bis zum Kino in der Greifenhagener Straße 32. Die Straße liegt direkt hinter dem Kino. Man geht zum Kino auf ihr in Richtung Wisbyer Straße.
Text: -wn-

Adresse:
Kino Krokodil
Greifenhagener Str. 32
10437 Berlin Prenzlauer Berg
Tel: 030/ 44 04 92 98



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