Seit den frühen Neunzigern traf man sich auf dem halb verfallenen Gelände, um zu feiern, sich auszutauschen und alternative Projekte zu betreiben.
Zum Glück konnte das neue Nutzungskonzept diese Atmosphäre nicht ganz zerstören. Noch immer verbreitet der Innenhof des alte Backsteinbaus ein romantisches Ambiente, auch wenn sich hier inzwischen Supermarkt, Multiplex-Kino und Schicki-Micki-Clubs eingenistet haben. Veranstaltungen wie der Luzia-Weihnachtsmarkt erinnern noch an den alten Geist.
1878 wurde der 25.000 Quadratmeter große Komplex nach Plänen des Architekten Franz Heinrich Schwechten errichtet: Sechs Höfe und über zwanzig Gebäude bilden ein einmaliges Ensemble, das 1974, sieben Jahre nach Einstellung des Braubetriebes, unter Denkmalschutz gestellt wurde. Dennoch verfiel die ehemalige Schultheiss-Brauerei zusehends, bis 1998 die Sanierung begann.
Bereits 1991 war die KulturBrauerei GmbH gegründet worden und hatten sich diverse
kulturelle und gemeinnützige Projekte auf dem von der Treuhandanstalt verwalteten Gelände angesiedelt. Nach einigem Hin und Her mit diversen Investoren, in dessen Verlauf zumindest das Kesselhaus saniert wurde, und diversen Kaufrücktritten angesichts der hohen Auflagen, setzte die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft schließlich ein eigenes Konzept durch, das kulturelle und kommerzielle Nutzung miteinander verbinden sollte.
Ein Kompromiss, mit dem letztendlich natürlich niemand so richtig zufrieden war, der aber zumindest den gemeinnützigen Einrichtungen zunächst günstige Mietbedingungen zusicherte und den Erhalt des wunderschönen Baudenkmals bedeutete - wenn auch nicht in seiner ursprünglichen Form.
Dass das Ensemble früher mal eine Brauerei war, zeigen heute nur noch die alten Fassadenbeschriftungen und Namen einzelner Gebäude. Doch die Kultur ist zum Glück nicht ganz ausgezogen. Neben bayerischer Bierbar und Fitnessstudio finden sich immer noch Theatergruppen und Verlage, die Literaturwerkstatt oder das Haus der Geschichte mit seiner Sammlung zur DDR-Alltagskultur. Und immer wieder locken das Kesselhaus, der Innenhof oder der ganze Komplex mit mal mehr mal weniger kommerziellen Veranstaltungen wie Konzerten, Lesungen, Märkten oder Ausstellungen.
Alte Hasen trauern den Zeiten hinterher, als die Brauerei noch ein Zentrum der Off-Kultur war. Aber immerhin: es hätte Schlimmeres geschehen können als eine "Mischnutzung von Kultur, Dienstleistung und Gewerbe", wie es in der Selbstdarstellung stolz heißt. Ein wenig Kultur ist zumindest erhalten geblieben.