"Oxymoron": Kaffehausnoblesse und Party-Bohème Oxymoron? War das nicht eines dieser fiesen Stilmittel, die man im Deutschunterricht auswendig lernen musste?
Oxymoron
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Foto © K.Dimarakis für In-Berlin-Brandenburg.com
Richtig geraten. Bei der Namensgebung seines beliebten Berliner Szene-Restaurants "Oxymoron", das mitten in den Hackeschen Höfen angesiedelt ist, hat sich der Inhaber von einer rhetorischen Figur inspirieren lassen, die, so sagt es das Lexikon, eine "Verbindung zweier sich gegenseitig scheinbar ausschließender Begriffe" bedeutet. Vermutlich kam er darauf, weil der Szenetreff unter seinem Dach zwei völlig unterschiedliche Location-Typen vereint, die man sonst kaum antrifft. Denn tagsüber findet man hier ein elegantes Kaffeehaus bzw. ein gediegenes Restaurant mit einer erlesenen Speisekarte an. Zu vorgerückter Stunde hingegen vollzieht das "Oxymoron" eine wundersame Metamorphose zum mondänen Nachtclub im Bohème-Style.

Fangen wir bei Tageshelle an: Touristen durchkämmen die schicken Hackeschen Höfe mit ihren edlen Boutiquen, dazwischen ein paar Berliner(innen), die das exklusive Shoppen im charmanten Flair der denkmalgeschützten Höfe lieben.
Dazu passt das "Oxymoron" in seiner "Tagform". Auf der gehobenen Speisekarte finden wir deliziöse Antpasti wie etwa gebeiztes Lachsforellenfilet und gebackener Garnelenigel, Ziegenfrischkäse mit Zitronen-Thymian-Honig und hausgemachtem Gewürz-Briôche oder Spieß vom Schwarzfederhuhn - label rouge - mit zweierlei Pesto und grüner Spargelcrème im Blätterteigkissen. Für den Hauptgang klingen die Linguine mit Bärlauchpesto und Kirschtomaten nicht schlecht.

Oder wie wär's mit gebratenen Rotbarbenfilets auf Mango-Chili-Sauce mit Mini-Artischocke und neuen Schnittlauch-Kartoffeln? Zum ordentlich Sattwerden empfiehlt sich allerdings eher das Rumpsteak vom argentinischen Angusrind mit Sesam-Honigkruste, rosa Pfeffersauce, Keniabohnen und Zitronenpolenta. Wer dann noch Appetit auf was Süßes hat, probiert die Orangenkaltschale mit Rhabarber und Schokoladenmousse oder den geeisten Käsekuchen-Quarkparfait mit Apfel-Ingwermus und Feigen-Frühlingsrolle. Und wer jetzt noch glaubt, dass sich süße Dessert-Verlockungen und bittere Kalorienzahlen nicht fabelhaft zu einer ganz wunderbaren kleinen Sünde vereinen, der ist hier ohnehin verkehrt. Schließlich haben die Streber unter uns ja noch das Paradebeispiel für ein vollendetes Oxymoron auf den Lippen: "bittersüß". Wer sagt's denn: eine passendere Ausrede zum Naschen gibt's kaum.

"Kalte Glut" lautet ein weiteres Oxymoron, das auch immer wieder gern von Rhetorik-Experten zitiert wird. Das ist hier allerdings wohl eher unpassend, wenn man vom nächtlichen "Oxymoron" spricht. Denn gen Mitternacht kommt echtes Feuer in die scheinbar kühl-biederen Retrochic-Gemäuer des Restaurants. Jetzt ist die Berliner Party-Bohème am Zug. Der Sound bewegt sich nun vor allem im Bereich House, 2 step & Big Beat auf der einen, sowie Disco, R&B, Funk auf der anderen Seite.
Doch das Oxymoron wäre nicht besonderes, wenn es das Programm nicht hin und wieder noch was ganz Anderes auf Lager hätte. Interessant wird es vor allem an jenen Abenden, wenn Tanzmusik der 20er bis 50er sowie Swing, Jazz, Balkan Brass, Tango, Klezmer, Chanson, Russhian Folk und Italo Mafia aufgelegt wird. Dann lockt eine Atmosphäre im Chic der Zwanziger Jahre, einem Hauch Fin de Siècle-Melancholie, die man mit den Begriffen Abenteuer, Glücksspiel, Kleinkunst, Varietégirls, Absinth, Séancen und Tarot beschreiben könnte. Der Dresscode dabei: strictly Bohèmian. Ob also als kecke Dirne oder elegante Diva, als galanter Gigolo oder dezenter Gentleman, Swingboy oder Revuetänzerin - overdressed gibt's nicht. Text: ak



Weitere Informationen unter:
OXYMORON
Hackesche Höfe
Rosenthaler Str. 40/41
10178 Berlin
Telefon: 030 / 28391886
Fax 030 / 28391887
Im Internet: www.oxymoron-berlin.de

Verkehrsanbindung:
S Bahn Hackescher Markt
Tram 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 52 und 53
Nachtlinie N 54 und N 92



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