Besucher des Château 105 müssen weit fahren. Denn das kleine Restaurant liegt ganz schön weit außerhalb. Bis zum Köpenicker Rathaus und dann noch einmal umsteigen in die nächste Tram nach Grünau. Auf dem Rückweg natürlich dasselbe,
nur umgekehrt.
Wer jetzt sagt: "Ach, dann fahre ich doch lieber selbst", dem sei abgeraten. Denn dann dürfte er keinen Wein trinken. Damit aber würde er (oder sie) sich um einen Großteil des Vergnügens bringen. Denn Wein gehört im Château 105 ausdrücklich dazu.
Restaurants in Berlin gibt es viele, auch viele gute sind dabei. Das Château 105 gehört zur Kategorie "Gehoben und frech". Anzug und Krawatte lassen die Gäste zu Hause, Jeans reicht völlig. Raucher kommen hier auch zum Zuge. Für sie gibt es einen eigenen Raum.
Den besten Platz erwischt aber wohl der, der den Tisch vor dem Eingang zur Küche ergattert. Denn hier können die Gäste dem Koch in die Pfanne gucken - ein besseres "Fernsehen" gibt es nicht.
Was gibt es im Chateau 105 in Berlin Köpenick?
Aber zum Wichtigsten: dem Essen. Die Karte ist übersichtlich. An Hauptgerichten gibt es gerade einmal drei. Dafür wechseln die beiden Besitzer René Bevermann und David Ludwig ihre Karte häufiger. An diesem Abend gibt es Jacobsmuscheln mit
Mangosalsa, Tomatensüppchen mit Basilikumschaum und Riesengarnele, Entenbrust, Hase und einiges mehr. Die Besucher haben die Wahl: Entweder sie essen ein einzelnes Gericht. Oder sie lassen sich ein auf das Tagesmenü in drei Gängen, das Fanta4 mit vier Gängen oder das Menü105 mit fünf Gängen.
Wer es sich im Château 105 richtig gut gehen lassen will, nimmt das Menü105 und lässt sich die Weine passend zu jedem Gang zusammenstellen. Das lohnt sich, weil der Testesser dadurch Weine kennen lernt, die er im Leben nicht probiert hätte.
Die Jacobsmuscheln sind außen kross gebraten, innen ganz zart. Die Mangosalsa dazu ist der Hit: Pikant und fruchtig ein passender Ausgleich zu den milden Muscheln. Die folgende Tomatensuppe besticht durch den Glasteller, in dem sie serviert ist. Geschmacklich ist sie sehr lecker, aber nicht außergewöhnlich. Gleiches gilt für die Spaghetti, die folgen.
Dann wird es wieder interessant im Château 105. Hase auf Kaffee gebraten mit Kürbis und Pfefferpflaume
ist ein Gedicht. Zum Abschluss der Weinbergpfirsich in der Folie - für Nachtischfans ein Muss.
Die Weine im Château 105 kommen überwiegend aus Deutschland. Hier legen Bevermann und Ludwig ihren Schwerpunkt. Sachsen, Mosel, Saar, Rheinhessen - alles ist dabei. Ergänzt wird die Auswahl durch Weine aus Frankreich, Spanien, Italien, Österreich und Übersee. Zu jedem Wein, der ausgeschenkt wird, erhält der Gast eine kurze Erklärung, die Flasche bleibt auf dem Tisch stehen.
Wie gesagt, Restaurants in Berlin gibt es viele. Das Château 105 sticht hervor durch das, was eingangs als "Gehoben und frech" bezeichnet wurde. Bittet man um eine Zusammenstellung der Weine, gibt es statt eines "Sehr wohl" ein "Huch, da muss ich ja nachdenken". Kommen Gäste und gehen, ohne bestellt zu haben, heißt es "Na, die wollten wohl Schnitzel".
Trotzdem steht schnell ein Korb mit frischem Brot und hausgemachter Tomatenbutter auf dem Tisch. Jeder Gast hat immer etwas zu trinken im Glas, Brot kommt immer nach, ohne dass man fragen muss. Und das, obwohl - zumindest an diesem Abend - außer einem der Chefs kein weiteres Servicepersonal anwesend ist. Der Chef kocht und serviert, nimmt Bestellungen entgegen und schenkt aus. Wenn es dann wieder ruhiger ist, beantwortet er auch noch kleine Fragen zur Kochkunst, zu den Gläsern oder zum Restaurant. Und wenn der Nachtischfan die letzte Crème Brulée des Abends als sechsten Gang haben möchte, kriegt er die natürlich.
Der Spaß ist nicht billig. Bevermann und Ludwig legen Wert darauf, dass sie sehr gute Küche zu geringen Preisen anbieten. Das stimmt sogar, wenn man sich beispielsweise an das Fanta4-Menü hält. Vier Gänge mit vier Weinen für 65 Euro pro Person - gemessen am Niveau des Restaurants ist das maßvoll. Fünf Gänge für 59 Euro sind ebenfalls nicht überteuert. Hier muss man aber Weine dazu bestellen. Zusammen mit Wasser, Kaffee und vielleicht einem Dégestif legt der Gast locker mehr als 100 Euro pro Person auf den Tisch. Auch das ist sicher nicht überteuert. Preiswert ist es aber auch nicht mehr.
Adresse:
Chateau105
Regattastrasse 105
12527 Berlin
Telefon: 030 67820991
Öffentliche Verkehrsmittel:
S-Bahn: S 8, S46, Haltestelle Grünau
Tram: 68, Haltestelle Regattastrasse/Schule Text: S. K. / 27.06.2011