Nicht umsonst, aber draußen: Open-Air-Erlebnis Waldbühne Umrahmt von bewaldeten Hängen und überdacht von einer Zeltkonstruktion, welche zumindest die Künstler vor Regen schützt, liegt eine Naturbühne,
Die Berliner Waldbühne
Foto © Sigtrix
die inzwischen zu den international anerkannten Open-Air-Arenen und auf jeden Fall zu den schönsten Freilichtbühnen Europas gehört.

Heute vor allem bekannt als Veranstaltungsort großer Rock- und Pop-Konzerte, blickt die Waldbühne auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Erbaut während der Zeit des Nationalsozialismus als Teil der Anlagen für die Olympischen Spiele 1936, sollte sie ursprünglich 100.000 Zuschauern Platz bieten.

Heute sind es gut 20.000 - und das reicht auch, denn schon so sieht man von den obersten Plätzen ohne technische Hilfsmittel nicht mehr viel vom Geschehen auf der Bühne: Der Höhenunterschied zwischen der ersten und der letzten Reihe beträgt immerhin 30 m.
Wie der gesamte Olympia-Komplex, orientiert sich auch die Waldbühne an einem antiken Vorbild: dem klassisch griechischen Amphitheater. Erbaut in einem natürlichen Kessel, steigen die 88 Stufen mit Sitzreihen auf drei Rängen wie in einer Arena zunehmend an.

Nach Kriegsende wurde die Anlage zunächst vor allem für Boxkämpfe genutzt: 1948 bestritt und verlor der damals 43jährige Max Schmeling in der Waldbühne seinen letzten Kampf als Profi-Boxer. 1952 fand hier die Trauerfeier für Kurt Schumacher statt. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts begann dann die Ära der großen Rockkonzerte.
Legendär ist der Krawall von 1965: Nach einem Konzert der Rolling Stones begannen die über das als viel zu kurz und viel zu teuer empfundene Konzert aufgebrachten Besucher Sitzbänke zu zerschlagen und lieferten sich dann eine stundenlange Schlacht mit der Polizei, die u.a. von der Bühne mit Wasserwerfern ins Publikum schoss.

Danach war erst einmal Schluss mit Großveranstaltungen: Sieben Jahre dauerte es, bis die Anlage wieder instand gesetzt wurde - und auch danach scheuten sich Konzertveranstalter zunächst, sie zu nutzen.
Erst 1980 wurde die Waldbühne für Open-Air-Veranstaltungen wiederentdeckt: mit einem unvergessenen Konzert von Bob Marley. Neben Rock- und Pop-Stars traten in der Folge auch klassische Ensembles wie erstmals 1984 die Berliner Philharmoniker auf. Außerdem fanden eine Zeit lang regelmäßig Kinovorstellungen mit Kultfilmen wie Blues Brothers und der Rocky Horror Picture Show statt.
Heute präsentieren sich auf der Freilicht-Bühne Altstars wie Leonard Cohen, Joe Cocker oder Barbara Streisand, die hier 2007 ihr erstes und einziges Konzert in Deutschland gab, aber auch populäre Rocker wie Linking Park. Für viele ein jährlicher Höhepunkt sind jedoch nach wie vor die Open-Air-Klassik-Konzerte mit den Berliner Philharmonikern.



Adresse der Waldbühne im Berlin:
Glockenturmstraße 1
14053 Berlin

Mit der BVG zur Berliner Waldbühne:
S Pichelsberg
Text: JJ

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