Popkomm: Wer hat Angst vor mp3? Wenn in Berlin die Popkomm, die internationale Businessplattform für die Musik- und Entertainmentbranche,
Die Popkomm 2008 in Berlin
Foto © Pressefoto Popkomm Berlin
zu Gange ist, tummeln sich die Gäste nicht nur auf dem Messegelände unter dem Funkturm, sondern auch in zahlreichen Clubs der Hauptstadt. Als Zentrum dieses Musikfestivals hat sich dabei die Kulturbrauerei am Prenzelberg herausgebildet. Mit ihren acht Clubs und der Delegates Lounge lockt sie das Who is Who der Musikbranche, aber auch VIPs aus musikaffinen Branchen wie Mobile Entertainment, Consumer Electronics, Games, TV, Mode, Markenartiklern und Werbung an. Während der Zutritt aufs Messegelände lediglich Fachbesuchern vorbehalten ist, kann beim abendlichen Musikfestival jeder einen kleinen Einblick in die neuesten Trens der Popindustrie bekommen. Dabei mischen sich längst bekannte Gesichter mit ihren neuesten Alben, aber auch Künstler, die noch keinem Label angehören. Jedes Jahr bekommt darüber hinaus ein Partnerland die Möglichkeit, seine nationalen Künstler ins Rampenlicht der Popkomm zu stellen.

Man kann sich bei all dem Rummel gar nicht mehr vorstellen, wie die Messe 1989 als
alternativer Insidertreff der Musikszene in einem soziokulturellen Zentrum in Düsseldorf gestartet ist. Damals gab es gerade einmal 18 Aussteller, 1.200 Besucher und 48 Konzerte. Später zog die Popkomm nach Köln und wurde das, was sie heute immer noch ist: eine der größten Musikmessen der Welt. Seit 2004 ist die Popkomm von der Rheinmetropole Köln schließlich an die Spree gezogen. Popkomm-Erfinder und VIVA-Chef Dieter Gorny begründete den Wunsch folgendermaßen: "Die Popkomm ist ein Branchen-Think-Tank und die zentralen Kräfte der Industrie sagen: Wir brauchen die Nähe zur Bundespolitik."

Doch ist das Musikbusiness überhaupt noch ein hauptstadttaugliches Gewerbe? Vor rund 25 Jahren brachte die Markteinführung der CD der Branche den Aufschwung. Unzählige Konsumenten stellten damals ihre Vinylsammlung auf digitale Tonträger um. Das Geschäft brummte wie nie zuvor. Heute jedoch saugt sich die Hörerschaft ihre Lieblingstitel per mp3-download aus dem Internet. Selbst wenn sie dafür zahlt - wer gibt schon noch Geld für ein ganzes Album aus? Das Gesamtwerk weicht dem einzelnen Hit, löst sich mehr oder weniger komplett vom Tonträger und erreicht die Konsumenten auf dem Handy im Schulhof bzw. Zuhause am Computer. Was zunächst nur als Tool gedacht war, um den Datentransport über die ehedem sehr engen Leitungen und Digitalkanäle zu ermöglichen, wurde zum Fanal für die Musikindustrie.

Kein Wunder also, dass sich auf der Popkomm neben Konzertagenten und Vertretern der Plattenfirmen auch immer mehr Anwälte akkreditieren. Auch wenn man auf der Popkomm jährlich viele besorgte Mienen sieht und überall die Frage "Wer hat Angst vor mp3?" lauert, lässt sich die Branche nicht unterkriegen. Die Besucherzahlen auf der Popkomm jedenfalls sind keineswegs vom Schwund befallen. Vor allem wimmelt die Popkomm vor unbekannten Musikern, die um die Aufmerksamkeit von Musikmanagern buhlen. Denn auch wenn der Trend dahin geht, dass jeder Musiker mittlerweile sein eigener Manager ist und Zuhause am Heimcomputer produziert, so hat er doch auf dem heutigen Markt keine echte Chance. Kleine Labels machen keine Geschäfte, höchstens Kunst. Man kann sagen, die Musikbranche ist heute ohne Mittelstand. Die vier großen Musikkonzerne Universal, Sony/BMG, Warner und EMI teilen sich den Kuchen mehr oder weniger unter sich selbst auf. Ist die Popkomm deswegen weniger spannend? Definitiv zumindest nicht für die Besucher des begleitenden Festivals mit hunderten von Stars und Newcomern aus aller Herren Länder in den Clubs der Stadt. Auch wenn das Epizentrum in der Kulturbrauerei verortet ist, lohnt es sich, auch möglichst viele andere teilnehmende Locations zu besuchen. Die Liste ist lang und reicht von A wie Admiralspalast bis Z wie Zentrale Randlage.

Weitere Informationen unter: www.popkomm.de

A.K.

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