Berliner Arzt bei Ausübung seiner Berufspflicht in Gewahrsam genommen
Die Ärztekammer Berlin kritisiert die Ingewahrsamnahme eines Berliner Arztes im Einsatz beim G8-Gipfel in Heiligendamm heftig. "Ärztinnen und Ärzte dürfen auch bei politischen Großveranstaltungen und Demonstrationen jeglicher Art nicht daran gehindert werden, Patienten zu versorgen", betonte Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz.
Der Arzt war nach eigenen Angaben im Auftrag mehrerer politischer Organisationen für die medizinische Betreuung von Demonstranten zuständig. Am Mittwochmittag sei er bei einer friedlichen Sitzblockade von Fotojournalisten gefragt worden, ob er einen Kollegen versorgen könne, der einen Asthmaanfall habe. Auf dem Weg zu diesem Patienten ist der Arzt, der mit einer Weste als solcher gekennzeichnet war und ein Funkgerät zur Verständigung mit anderen Sanitätern trug, seinen Angaben zufolge an einem Polizeikontrollpunkt kontrolliert und schließlich von Berliner Zivilbeamten in Gewahrsam genommen worden. Als Begründung sei ihm genannt worden, er koordinere mit seinem Funkgerät Aktionen. Der Arzt wurde daraufhin für rund 36 Stunden in Gewahrsam genommen. Neben dem aus seiner Sicht unbegründeten Vorgehen der Polizei kritisierte der Arzt die Zustände in den so genannten Gefangenensammelstellen. So habe es nichts zu essen und keine Waschmöglichkeiten gegeben.
Ein Sprecher der Polizei-Sondereinheit Kavala in Rostock bestätigte am Freitag, dass der Arzt in Gewahrsam genommen worden war. Er sah sich aber nicht in der Lage, Angaben zum Sachverhalt zu machen. Dem Arzt stünden zivilrechtliche Schritte offen.