Für gleiche Chancen auf Gesundheit
Im Rahmen der Landesgesundheitskonferenz hat Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher heute den Kindergesundheitsbericht „Basisdaten der gesundheitlichen und sozialen Lage von Kindern in Berlin – Ergebnisse auf der Basis der Einschulungsuntersuchungen 2005“ vorgestellt. "Der aktuelle Bericht bietet eine wichtige Datengrundlage für die Aufstellung von Gesundheitszielen sowie die Planung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Intervention in dieser Altersgruppe. Dank neuer Untersuchungsmethoden können jetzt in den Bezirken genau die Stadtquartiere ausgemacht werden, in denen eine gezielte Gesundheitsförderung und sozialausgleichendes Handeln besonders notwendig sind. Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) wird deshalb da aufsuchende Hilfe anbieten, wo Menschen von der gesundheitlichen Regelversorgung nicht erreicht werden. Die Einschulungsuntersuchungen werden auch künftig vom ÖGD durchgeführt werden", so die Senatorin.

Für den neuen Kindergesundheitsbericht wurden die Daten der Einschulungsuntersuchungen 2005 von 27.684 Kindern ausgewertet, 47% von ihnen Mädchen und 53% Jungen. 30% aller untersuchten Kinder haben einen Migrationshintergrund. Mehrheitlich sind die Kinder zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung in guter gesundheitlicher Lage, konstatiert der Bericht. Gleichwohl sind sie keine homogene Gruppe. Bis auf den Sonderfall Impfen sind die Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen stärker von gesundheitlichen Problemen bzw. Gesundheitsgefährdungen betroffen.

Trotz der bekannten Gefahren des Rauchens lebt nahezu jedes zweite Kind im Einschulalter in Berlin in einem Raucherhaushalt (47%), Kinder aus einkommensschwachen Haushalten sind davon mit 67 % überproportional betroffen. Dagegen wächst jedes vierte Kind aus der oberen sozialen Schicht in einem Raucherhaushalt auf. Senatorin Lompscher verweist in diesem Zusammenhang auf das neue Nichtraucherschutzgesetz, das sie gestern auf den Weg gebracht hat. Rechtliche Regelungen würden allein jedoch nicht ausreichen. Auch umfassende Aufklärung, Tabakpräventionsmaßnahmen und Raucherentwöhnungsangebote sowie die Fortführung der gesellschaftlichen Debatte seien notwendig, um die gesundheitlichen Folgen des Rauchens und Passivrauchens deutlich zu mindern.

Das Angebot der Früherkennungsuntersuchungen (U1 – U8) wird im ersten Lebensjahr gut angenommen, danach nimmt die Nutzung ab. So nehmen lediglich 83% der Kinder die U8 im Alter von 3,5 bis 4 Jahren in Anspruch, einen kompletten Vorsorgestatus von der U1 bis zur U8 weisen sogar nur 75% der Kinder auf. Auch hier sind Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen und Kinder nichtdeutscher Herkunft deutlich stärker betroffen: die Differenz zur oberen sozialen Schicht bzw. den Kindern deutscher Herkunft beträgt zwischen 10 und 20%.

Die Zahlen zu Übergewicht und Adipositas bleiben auch in diesem Jahrgang weitgehend konstant: 12% der Kinder sind zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung übergewichtig, darunter 5% adipös. Hier besteht weiter dringender Handlungsbedarf. Nach der derzeitigen bundesweiten Datenlage steigt der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder ab dem Grundschulalter stark an, so dass bereits in frühem Kindesalter aktive Gesundheitsförderung notwendig ist, um so viele Kinder wie möglich zu normalgewichtigen Erwachsenen heranwachsen zu lassen.

Senatorin Lompscher: „Der Kindergesundheitsbericht macht deutlich, dass der aktuelle Gesundheitsstatus, das familiäre Gesundheitsverhalten und die Chancen für Gesundheit und soziale Teilhabe in den Bevölkerungsgruppen unterschiedlich verteilt sind. Die kleinräumigere Datenanalyse untermauert, dass Maßnahmen der Prävention und Intervention sozialräumlich und zielgruppenbezogen ausgerichtet sein müssen. Der Bericht gibt den Akteuren vor Ort damit eine wichtige Handlungsgrundlage.“ Die 4. Landesgesundheitskonferenz hat die Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern besonders ins Blickfeld genommen. Der Konferenz ist es gelungen, erste gemeinsam vereinbarte Gesundheitsziele vorzulegen. Die Formulierung diese Ziele basiert auf den Daten der Einschulungsuntersuchungen. Besondere Berücksichtigung finden Kinder im Alter bis zu 6 Jahren und Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder aus sozial benachteiligten Familien und Stadtteilen. Die Handlungsfelder liegen in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Sprachförderung. Die vor Ort zu entwickelnden Maßnahmen sollen einen präventiven, gesundheitsfördernden Ansatz verfolgen und dem Abbau sozial bedingter Ungleichheit und der Herstellung von Chancengleichheit dienen.

Pressetext:Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz

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