Das Wasser in Berlin - Stille Wasser? - Was das Berliner Wasser zu erzählen hat Sie drehen den Wasserhahn auf, ein schöner Strahl klaren, sauberen Wassers strömt heraus. Welch ein Luxus, fliessend Wasser gibt es in Deutschland schliesslich erst seit etwa 100 Jahren.
Wasser Berlin - Das Berliner Wasser ...
Wasser Berlin - Foto © fredredhat
Aber als aufgeklärter Verbraucher wissen Sie natürlich, dass der Schein oft trügt. Wie sauber ist unser Wasser wirklich, was tut sich da eigentlich in unserem Wasser? Zunächst, es gibt wenig Grund, akut beuunruhigt zu sein, das Trinkwasser in Berlin, das zu 100 % dem Grundwasser entnommen wird (Deutschland: 74%, Stat. Bundesamt 2001), ist gut, wie zum Beispiel auch die Berliner Verbraucherzentrale bestätigt. Das Berliner Wasser wird an ca 380 Entnahmestellen regelmäßig kontrolliert, entsprechend gesetzlichen Vorgaben und diversen Qualitätszertifizierungen. In Berlin kommen Überschreitungen von Grenzwerten, nach Zahlen des Bundesumweltamtes, recht selten vor. In Brandenburg durchaus häufiger. Mit großem Abstand am häufigsten allerdings in Sachsen-Anhalt. (Jahre 2002 bis 2004 in Berlin: 2 Fälle, Brandenburg: 57, Sachsen-Anhalt: 391; Bericht über die Qualtiät von Wasser zum menschlichen Gebrauch, Version 25. April 2006)

Die Analyse der Wasserqualität hat in Berlin übrigens Tradition. 1901 wurde die Königliche Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung gegründet, in der Kochstr. 73. 1913
zog man bereits um, nach Berlin-Dahlem an den Corrensplatz 1. 1923 wurde daraus die Preußische Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene, die wiederum, über diverse Zwischenstufen, im Umweltbundesamt aufging. Bereits 1902 wurde auch der Verein für Wasser-, Boden- und Lufthygiene e.V. gegründet, in dem sich Fachleute treffen und austauschen. So führt der Verein in Februar 07 eine Tagung durch, auf der es u.a. um die Qualität des Trinkwassers auf Volksfesten geht, um die Qualität des Badewassers, oder auch um die Risikoabschätzung betreffs Viren im Trinkwasser.

Das Berliner Wasser :
Ist das Wasser überall in Berlin gleich? Nicht ganz. Je nach Landschafts- und Bodenbeschaffenheit gibt es Besonderheiten, sogenannte Geogene Hintergrundwerte und Hydrogeologische Einflüsse. So hinterließ die jüngere Geschichte ihre Spuren. Durch die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges entstanden in der Stadt große Mengen von Schutt. Diese machen sich nach wie vor zum Beispiel durch erhöhte Sulftatwerte im Berliner Grundwasser bemerkbar: "Ursache für die deutlich erhöhten Sulfatkonzentrationen im Berliner Grundwasser ist primär der großflächig über die Stadt verteilte Bau- und Trümmerschutt des 2. Weltkrieges (SenStadtUm 1986);" sagt uns der Berliner Umweltatlas. Mögliche Altlasten können sich auch in der elektrischen Leitfähigkeit des Wassers bemerkbar machen. Diese ist in den inneren Bereichen Berlins höher als in den Randgebieten. Besonders an gewissen Standorten, wie dem Bereich um den Nordbahnhof, dem Gebiet um die Landsberger Allee / Storkower Straße, am Gleisdreieck und den Yorckbrücken, und anderen.

Neben den Spuren der Vergangenheit gibt es auch Einflüsse, die wir in der Gegenwart selbst erzeugen. Zum Beispiel Medikamentenrückstände im Wasser,
die meist durch Urin in den Wasserkreislauf gelangen. Die Verbraucherzentrale Berlin sieht dies derzeit als das vordringlichste Anliegen zur Wasserqualität. Eine systematische Überprüfung der Medikamentenrückstände sei bisher nicht verbindlich und finde daher bislang auch nicht statt.

Das liege daran, meint man beim Landesamt für Gesundheit und Soziales, das sich auch um die Wasserkontrolle kümmert, dass das Thema noch relativ jung sei. Erst seit Anfang der 90er habe die Wissenschaft das Thema wahrgenommen. Mittlerweile werde an geeigneten Methoden der Messung und Minimierung von Medikamentenrückständen gearbeitet. Gesundheitsgefährdungen könne man aber nicht erkennen.
Gutes Wasser in Berlin
Auch das Thema Verkeimung sei zumindest in Berlin unproblematisch. Es gebe regelmäßige Kontrollen. Eine Verkeimung kann entstehen, wenn in Folge abnehmenden Wasserverbrauches das Wasser zu lange in den Leitungen steht. In den neuen Bundesländern könnte dies nach Einschätzung des Berliner Mietervereins auf Grund des massiven Wohnungsrückbaus, bei dem aber Wasserleitunen bestehen bleiben, zu Problemen führen.

So hat das Berliner Wasser einige Geschichten zu erzählen, nicht zuletzt auch auf der Wasserabrechnung. Die Wasserpreise steigen. Die garantierte Gewinnmarge für die privatisierten Wasserbetriebe, sei, so Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, ein "Skandal".


weiterführende Informationen zum Thema Wasser in Berlin
http://www.wabolu.de


Text © MM



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