Die schönsten Franzosen kommen aus New York": Eigentlich ist es ein logistischer Albtraum. Rund 150 Meisterwerke aus einer der wertvollsten Sammlungen der Welt tritt, in mehreren klimatisierten Kisten verpackt, wegen Sanierungsarbeiten im New Yorker Metropolitan Museum of Modern Art den Sprung über den großen Teich von New York nach Berlin an. Da Gary Tinterow, zuständiger Kurator des Metropolitan, vom Schlimmsten ausging, verteilte er seine "Babies" bei ihrer Reise nach Europa gleich auf mehrere Flugzeuge. Nicht auszudenken, was für eine Havarie die internationale Kunstwelt bei einem Flugzeugabsturz über dem Atlantik mit kompletter Fracht erlitten hätte: mit den Chef d'Ouevres von Paul Cézanne, Claude Monet, Camille Corot, Auguste Renoir, Edgar Degas und Camille Pissarro wäre eine ganze Epoche meisterhaften Kunstschaffens - von der Romantik über den Impressionismus bis zur frühen Moderne - im Atlantik auf Grund gegangen.

Doch nun ist die Aufregung überstanden. Unbeschadet hängen die Preziosen in der Neuen Nationalgalerie einträchtig nebeneinander und Berlin kann, zumindest für die Dauer des eines verlängerten Sommers, dem Pariser Musée d'Orsay das Wasser reichen. Unter dem plakatitiven Motto "Die schönsten Franzosen kommen aus New York"will man an den Erfolg der MoMa-Ausstellung von 2004 anknüpfen und so zeigt die Neue Nationalgalerie bis zum 7.Oktober 2007 unter blau-weiß-rot gehisster Flagge spektakuläre Gemälde und Skulpturen aus den Jahren um 1800 bis 1920. Zu den absoluten Highlights der hochkarätigen Ausstellung zählen Exponate wie Edouard Manets "Im Boot" (1874), "Die Tanzstunde" von Degas (um 1871), Monets "Seerosenteich" (1899) aber auch Auguste Rodins Skulptur "Die Bürger von Calais" (1886). Wie Tinterow betonte, habe New York eben nur "the cream of the crop", das Allerfeinste der Sammlung auf die beschwerliche Reise an die Spree geschickt. Ein wenig unwohl scheint dem New Yorker Kurator ob der riskankten Expedition seines Allerheiligsten immer noch zu sein, versäumte er es schließlich nicht, klarzustellen: "Es ist das erste Mal in der Geschichte des Metropolitan, dass ein derart großer Teil der Sammlung das Haus verlässt - und es wird mit aller Wahrscheinlichkeit auch das letzte Mal sein." Klar also, dass es sich nun ranzuhalten gilt. Wo bekommt man sonst in Europa das Jahrhundert der Impressionisten, von Delacroix über Ingres, Courbet, Monet und Degas, Cézanne und Toulouse-Lautrec in so erlesener Auswahl zu sehen?

Viele Menschen verbinden mit den schwebenden Farbschatten der Impressionisten ein Gefühl von ewigem Glück und zeitloser Schönheit. Ihre Landschaften, Blumenmeere im flirrenden Sonnenlicht, erfreuen sich ungemeiner Beliebtheit. Kein Wunder, dass auch der Andrang vor der Kasse bei diesem Fest der Sinne nicht ausbleibt. Doch während zu MoMa-Zeiten Schlangestehen noch dazu gehörte, sollen sich Ausstellungsbesucher diesmal nicht mehr bis zu 16 Stunden die Beine in den Bauch stehen. Dafür sorgt das neue Ticket-System, bei dem Ausstellungsbesucher mit dem Kauf der Karte eine Wartenummer bekommen. Die werden dann per SMS oder über Monitore vor der Nationalgalerie darüber informiert, wann ihr Stunden zuvor gekauftes Ticket zum Einlass berechtigt. Keine schlechte Idee, denn so kann man noch in Ruhe bummeln gehen, ein Eis essen gehen und die Kunst anschließend tatsächlich so erleben wie sie gedacht ist: als Genuss!

Info:
Die Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum, Potsdamer Straße 50, ist vom 1.Juni bis 7.Oktober 2007 zu sehen.

Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch, 10-18 Uhr,
Donnerstag, 10-22Uhr,
Freitag bis Sonntag, 10-20 Uhr,
Earlybird: Dienstag bis Freitag, 8-8.30 Uhr (Einlass nur mit vorab gebuchtem Onlineticket).

Eintrittspreise:
Dienstag bis Freitag:10 Euro (ermässigt: 5 Euro),
Sonnabend und Sonntag: 12 Euro (ermässigt: 6 Euro).

Text: A.K.


Die Oderberger Straße in Berlin-Prenzlauer Berg

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