Die Begräbnisstätte wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt, um die am Havelufer angetriebenen Wasserleichen zu beerdigen. Viele dieser Toten hatten sich selbst entleibt. Und da Selbstmörder nicht auf regulären Friedhöfen beerdigt werden durften, fanden sie hier ihren letzten Ruheplatz. Die älteste Eintragung datiert vom Januar 1900. Die ältesten noch erhaltenen Gräber stammen allerdings aus der Zeit des ersten Weltkrieges, darunter viele von Soldaten, deren Identität nicht geklärt werden konnte. Daher auch der Beiname "Friedhof der Namenlosen".
Ab 1928 wurde der Friedhof auch für "normale" Verstorbene genutzt. Besonders morbide ist dabei das Grab des
in dieser Zeit verstorbenen Oberförsters Willi Schulz, mit dem sinnigen Grabspruch auf einer der Holzstelen: Jagd vorbei!
Die prominenteste Persönlichkeit, die hier bestattet wurde, ist die 1988 verstorbene Christa Päffgen, besser bekannt als "Nico": Ikone der 60er, eines der ersten Supermodels und Sängerin von "Velvet Underground", der Kunst-Band von Andy Warhol. Noch heute pilgern Fans zu ihrem Geburts- und Todestag an ihr Grab, um zu feiern und zu trauern.
Der Friedhof ist mittlerweile aufgegeben, das heißt es werden keine neuen Beerdigungen mehr zugelassen. Viele der Gräber sind mit Efeu und anderen Pflanzen überwachsen, viele Grabsteine kaum noch als solche erkennbar.
In 50 Jahren soll die Ruhestätte ausgelaufen sein, noch ist also Zeit, diesen wunderbaren Ort der Stille an verborgener Stelle zu besuchen. Text: P.H.