Im Zeichen des goldenen Greifen: Schätze der Skythen im Martin-Gropius-Bau Mehr als 2000 Jahre ruhten sie unentdeckt unter ihren Grabhügeln in den Weiten der Steppe: Die Fürsten der Skythen, eines geheimnisvollen Nomaden- und Kriegervolkes,
Pressefoto
Goldener Aufsatz von der Zipfelhaube des
Mannes aus Issyk mit
antithetischen Fabeltieren.
6. bis 5. Jh. v. Chr.
Foto © Präsidentenzentrum Astana
das zwischen dem 8. und 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Eurasien durchzog, dessen Reich sich von der Mongolei bis ans Schwarze Meer erstreckte und das auf seinen Reisen und Kriegszügen sogar bis nach Mitteleuropa gelangte. Eine spektakuläre Ausstellung im Martin-Gropius-Bau will nun Licht in die Vergangenheit der Reiter aus dem "Land des goldenen Greifen" bringen.

Prachtvollen Goldschmuck, Masken für Pferde sowie zahlreiche Gebrauchsgegenstände förderten deutsche Archäologen zutage, die an der russisch-mongolischen Grenze einen Fund machten, der in seiner Bedeutung den Ausgrabungen im ägyptischen Tal der Könige um nichts nachsteht: Im "Kurgan Arzhan II" entdeckten sie das Doppelgrab eines Fürsten, der mit seiner Ehefrau oder Geliebten bestatte wurde - und mit einer Unzahl wertvoller Beigaben.

Diese und weitere gut erhaltene Objekte geben nun erstmals umfassenden Einblick in die Geschichte und Kultur eines Volkes, das sich nach Herodot selbst als "Skoloten" bezeichnete und das in der Antike für seine Meisterschaft im Bogenschießen, aber auch für seine Grausamkeit bekannt war. Die Entdeckungen und Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben die Vorstellung vom "barbarischen Kriegervolk" allerdings grundlegend geändert, und so präsentiert die Ausstellung jetzt ein ganz neues Bild der Skythen.

Rund 6.000 Objekte können interessierte Museumsgänger bewundern und dabei einiges über die Sitten und Gebräuche des Nomadenvolks erfahren. Ein Schwerpunkt liegt auf dem aufwändigen Totenkult; doch auch der Alltag der Steppenreiter wird veranschaulicht. Die Besucher werden dabei auf eine Reise durch die Geschichte von den Ursprüngen in Südsibirien bis nach Mittel- und Südosteuropa geschickt. Dabei gibt es einiges zu lernen: z.B. über den Aufbau der Grabhügel, der sogenannten Kurgane. Und natürlich können die märchenhaften Goldschätze, welche den skythischen Fürsten mit ins Jenseits gegeben wurden, gebührend bewundert werden.

Prunkstück der Ausstellung ist ein über zwei Kilogramm schwerer massiver Goldreif. Hirsche, Schafe, Pferde und Panther verschlingen sich zu kunstvollen Ornamenten, die einst den Hals eines skythischen Fürsten schmückten. Nicht minder aufregend: der "skythische Ötzi", eine im Dauerfrost des Altai-Gebirges komplett erhalten gebliebene tätowierte Mumie.

Neben den neuen spektakulären Funden, die zwischen 2002 und 2003 auf der Ausgrabung des Deutschen Archäologischen Instituts Berlin in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Eremitage St. Petersburg im "skythischen Tal der Könige" ans Licht kamen, werden außerdem Stücke aus Deutschland, dem Iran, Kasachstan, Rumänien, Russland, der Ukraine und Ungarn gezeigt, die zum Teil noch nie in Deutschland zu sehen waren.

Die Ausstellung "Im Zeichen des Goldenen Greifen - Königsgräber der Skythen" ist vom 6. Juli bis 1. Oktober 2007 täglich von 10:00 bis 20:00 Uhr im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Ein Besuch lohnt sich!

Text: JJ


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