Ein Leben auf Rädern: Die Wagenburg-Ausstellung im Berliner Kreuzberg Museum "Ich und mein Wagen sind nicht entseucht. Also hier niemand rein + mich nicht anfassen + mich irgendwo
Wagenburg-Ausstellung in Berlin
Kunst vordem Bauwagen Fotograf Dr. R.Marsault
reinlassen f. mind. 5 Wochen. From Maus." Das steht auf der Rückseite eines Plakats, auf dem ein "Spektakel gegen Miethaie und StadtverplanerInnen" angekündigt wird. Die Ausstellung "Wagenburg leben in Berlin", die am 30. August im Kreuzberg Museum eröffnet wurde, erzählt die Geschichte der halbnomadischen Siedlungen in der Hauptstadt und zeigt Kunstwerke, Alltagsgegenstände, Musik und Fotos der Rollheimer. Ziel ist es, Klischees abzubauen und die Barrieren zwischen den Bauwagen-Bewohnern und ihren dauerhaft sesshaften Nachbarn zu brechen.

Um die Ausstellung authentisch zu gestalten, hat sich der Fotograf, Ethnologe und Kurator
Dr. Ralf Marsault alle Exponate von seinen Protagonisten geliehen und auch bei der Gestaltung hatten sie Mitsprecherecht: Der Raum, aufgeteilt nach den verschiedenen Wagenplätzen, erscheint wie eine wilde, voll gepackte ethnologische Kollage: Hocker und Bänke aus Autoreifen und Holz stehen zwischen verästelten Skulpturen, an den Wänden hängen Fotos und ein Holzzaun und in der hintersten Ecke steht ein nachgebauter Wohnwagen inklusive Inneneinrichtung.

Die ersten Rollheimer-Gebiete wurden im Zuge der Hausbesetzungsbewegung in den 1980er Jahren von jungen Menschen besiedelt. Zwar drohte der Senat immer wieder mit der Räumung der ehemaligen Brachen, doch das Ende der DDR brachte weitere Wohnflächen in der ehemaligen Mauergegend hervor. Trotz ständiger Überlebenskämpfe sind bis heute noch rund ein Dutzend Wagenburgen, vor allem im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erhalten geblieben und viele bieten sogar öffentliche Kulturveranstaltungen an. "Es lebt auf der Wagenburg", sagt Dr. Ralf Marsault. "Es ist bestimmt etwas chaotisch oder auch dreckig, wie oft geschrieben wird, aber - es tut mit leid - das ist Leben!".

Die Ausstellung "Wagenburg leben in Berlin" ist noch bis zum 16. November 2008 im Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95 A, 10999 Berlin zu sehen
Am 15. November 2008 um 18 Uhr findet dort außerdem der Workshop: "Wanderung und Metamorphose: können wir über eine Kultur der Wagenburgen reden?" statt.


Text: Mel



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