Umzäunte "Freiheit": Der Streit um das Tempelhofer Feld geht weiter Öffnung für alle: Das will die Aktion "Squat Tempelhof" erreichen.
Streit um das Tempelhofer Feld
Foto © ewolff / Fotolia
Mehrere tausend Menschen folgten am 20. Juni dem Aufruf, eine Besetzung des Ex-Flughafens zu versuchen. Vergeblich - ein Polizei-Großaufgebot riegelte den stacheldrahtgekrönten Zaun ab, der das Gelände vor einer wilden öffentlichen Nutzung bewahren soll. Hinterher war die Aufregung groß: Ein Foto von einem Zivilpolizisten mit gezückter Dienstwaffe kursierte, derweil öffentliche Kritik an den Grünen laut wurde, welche die angeblich "linksradikale" Aktion unterstützt hätten.

Müssen Bürger, die ihr Recht auf öffentliche Freiräume einfordern, sich nun gefallen lassen, als
Terroristen bezeichnet zu werden? Ihr Frust ist schließlich mehr als verständlich: Da liegen mitten in Berlin fast vier Millionen Quadratmeter Grünfläche seit mehr als einem halben Jahr brach, während der Senat sich in Plänen ergeht, sie unter dem Arbeitstitel "Tempelhofer Freiheit" mit Townhouses und Luxus-Büroflächen zu versiegeln. Zwar soll mittendrin auch ein Park angelegt werden, aber profitieren, so die Befürchtung der Anwohner und anderer interessierter Berliner, wird wieder einmal das Kapital, während die einfachen Bürger in die Röhre schauen. Die Idee des Volksparks - längst scheint sie aus den Köpfen der Berliner Regierenden verschwunden zu sein.

Endlich mitentscheiden, was bei ihnen nebenan passiert: das wollen die Anwohner. Und den Senat beim Wort nehmen. Denn dessen Versprechen lautete vor einem Jahr, als der Volksentscheid gegen die Schließung des Flughafens scheiterte: "Tempelhof für alle". Für alle ist das Gelände zurzeit aber nur bei Events wie der Modemesse "Bread and Butter" oder der "Pyromusikale" offen - selbstverständlich gegen Eintrittsgeld.

Und ums Geld dreht sich mal wieder alles. So fürchtet die Initiative "Tempelhof für Alle" eine sogenannte Gentrifzierung der umliegenden Viertel: Die jetzt noch moderaten Mieten in Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof schnellen im Zuge der schicken Lofts und Investitionsprojekte auf dem ehemaligen Flughafengelände in die Höhe, einkommensschwache Anwohner werden vertrieben, die soziale Spaltung der Stadt schreitet fort.

Immerhin an der Gestaltung der geplanten Parklandschaft sollen die Bürger beteiligt wurden.
Hierzu wurden stichprobenweise Fragebögen verteilt - hauptsächlich an direkte Anwohner. Bei der Frage der Gesamtgestaltung - Townhouses ja oder nein - scheint ihre Meinung dagegen nicht von Interesse zu sein.

Es muss ja nicht gleich ein Berg werden, wie ihn der Architekt Jakob Tigges für die Neugestaltung des Tempelhofer Felds vorgeschlagen hat. Aber einen Vorteil hätten die "Berliner Alpen" auf jeden Fall: Wenn der Berg ruft, wird ein einfacher Zaun kaum ausreichen, um die Öffentlichkeit von ihm fern zu halten. Text: J.J.

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