Oh Tempelhof, Du Schöne!
Die Anhänger des Flughafen Tempelhof schiessen aus allen Rohren: sie argumentieren juristisch, ökonomisch, aber auch ästhetisch und historisch. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (Nr. 245/2004 ) bezeichnete Architekt Norman Foster die Flughafenanlage als unvergleichlich kühn und visionär. Natürlich ist der Flughafen mit der Geschichte Berlins eng verwoben.
Seine Anfänge liegen im Jahre 1923, seine Rolle während der Luftbrücke und der sowjetischen Blockade ist legendär. Die Architektur ist eindrucksvoll, wenn auch zum Teil von äusserst zweifelhafter Ideologie inspiriert. Norman Foster meint, man könne Ideologie und architektonische Leistung trennen, und die meisten sehen dies wohl ähnlich. Auch in der Gegenwart wird der Flughafen noch genutzt, und die involvierten Fluggesellschaften würden dies auch gerne fortsetzen. Was spricht dagegen? Zunächst die wirtschaftlichen Zahlen: der Flughafen macht Jahr für Jahr Verluste.
Auf der Homepage der Gemeinschaft der Fluggesellschaften in Tempelhof fehlt bei den Zielen der Gemeinschaft ein interessanter Punkt: der wirtschaftliche Betrieb des Flughafens. Geschäftsmodelle unter freundlicher Berücksichtigung öffentlicher Gelder sind oft hübsch, aber letztlich wenig beeindruckend.
Entscheidend ist aber die Rückwirkung des Tempelhofer Flugbetriebes auf den geplanten neuen Flughafen. Wenn Berlin eine Chance haben soll, auch nur mit München, Frankfurt, Dublin, zu schweigen von London, erfolgreich zu konkurrieren, sind optimale internationale Flugverbindungen zwingend. Warum sind diese Städte so erfolgreich? Nicht zuletzt, weil sich viele internationale Firmen dort ansiedeln. Diese haben Berlin bisher noch nicht so recht entdeckt. Berlin spielt hier eine Nebenrolle, wie jedermann leicht aus den entsprechenden Stellenmärkten ablesen kann. Die Genehmigung für den neuen Flughafen sei juristisch verknüpft mit dem Wegfallen der älteren Anlagen, argumentiert der Berliner Senat. Dann, und nur dann, wenn der weitere Betrieb Tempelhofs den neuen Flughafen ernsthaft in Frage stellt, ist es richtig, Tempelhof zu schliessen.